01.03.2006

My First Parrrdy – Oder: Steile Lernkurve direkt in den Himmel *Sülz*








Gleich zu Anfang das Resümmee: die Party war toll! Kann es alles gar nicht so richtig glauben. Vorher waren Emilio und ich noch schnell und spontan auf einem Konzert von einem älteren argentinischen Sänger namens Spinetta. Der “Flaco” (zu deutsch: dünner Hering), wie er von allen zärtlich genannt wird, ist ein toller Mann, der mit fistelig hoher Stimme die schönsten Lieder singt, auch wenn ich nicht viel verstehe, und sich dabei selbst mit seiner E-Gitarre begleitet. Er hat auch eine Band mit einer wahnsinnig coolen Bassistin, und zusammen spielen sie so eine Art psychedelischen Fusionrock, den man schlecht beschreiben kann, außer, dass einem jeder Song jenseits der Klischees mit schrägen Akkorden mit seiner schlichten Schönheit das Herz öffnet. Und so kam es: Katze Katrin und Tiger Emilio, die sich oft und gerne über sinnlose Dinge fetzen, fanden dort inmitten der Menschenmassen – das Konzert war im Parque Rosedal in Palermo – Ruhe und Glück, über mir der Orion, der mir seit dem ersten Januar jede Nacht den Weg weist. Wieso, weiß ich nicht. Nun ja, und dann gingen wir in ‘nem wunderschönen Restaurant was essen und kamen somit ein wenig zu spät auf unserer eigenen Party an – die ersten Gäste waren schon da und konnten die hektische Aufbauaktion mitverfolgen.

Blöd fand ich, dass mich der Emilio dabei anknurrte. Wenn ich das mit ihm auf einem seiner Konzerte machen würde! Fast wie mein Papa früher immer. So langsam durchschau ich es: Männer schaffen es gut, den eigenen Stress als Unfähigkeit anderer zu verpacken! Aber mir war es dann doch egal. Ich connectete die Kabel wie ein Profi und checkte den Monitorsound. Mir blieb auch nix anderes übrig... Es war ja keiner da, der es besser konnte! Auch eine krasse Realisation: ab dem Moment war ich alleine! Und so begann ich zu spielen. Die Terrasse füllte sich langsam. Es war wie ein Traum. Die Übergänge gelangen mir, und die Party nahm ihren Gang. Ich spielte immer weiter – und irgendwann kamen und gingen technische Schwierigkeiten: Die Nadel sprang. Ich improvisierte mehr schlecht als recht, und das brachte mich dann doch ein wenig aus der Fassung. Eine Stunde lang wäre ich am liebsten im Boden versunken, weil ich nichts mehr raushören konnte. Der Bass übersteuerte, und so führte eins zum anderen. Ein wenig verängstigt und irgendwie auch von allen alleingelassen, gar vergessen – warum brachte mir keiner einen Drink? – hinter die Turnies geklemmt gingen mir die Ideen aus, wohin ich die Leute eigentlich führen wollte... Um alles noch schlimmer zu machen, wollten die Leute mich immer genau beim Übergangmixen vollquaken! Zum Glück sind diese “Nervensägen” irgendwann auch alle wieder abgerückt, weil sie sich mit mir nicht unterhalten konnten, und haben stattdessen getanzt.

An der Bar kam es auch zu Zwischenfällen. Der total betrunkene Barman, der dann am Ende auch nur in seine Tasche gewirtschaftet und uns nicht, wie versprochen, einen Prozentsatz abgegeben hat, prollte rum und hat sich somit auch gleich so richtig disqualifiziert. Der braucht nicht mehr hier anzukommen. Das nächste Mal schmeißen wir die Bar selber. Naja, auf jeden Fall war es nicht nur für mich ‘ne steile Lernkurve. Auch Emilio und Renzo, meine Partyorgacompanions, haben dazugelernt. Zum Partymachen gehört mehr als guter Willen und ein stabiles Paar Tanzbeine. Dennoch. Warum nicht einfach ins Wasser springen und losschwimmen? Ohne zu ertrinken. Man kann als einziger DJ zwar nicht einfach aufhören. Aber gerade das ist ja die Herausforderung. Man kann nicht saufen, zumindest nicht, bis man alles voll im Griff hat. Versteht sich von selbst. Später hab’ ich dann zugelangt und hatte sogar genug Space und Time, zwischen den Übergängen aufs Klo zu hoppeln, weil alles gut lief. Man kann nicht so viel reden und man kann und darf sich nicht entmutigen lassen, wenn man spielt und spielt und erstmal keiner tanzt. Genau dann, wenn sie anfangen, sich zu bewegen, fällt der Strom aus. Das darf man sich dann auch nicht zu Herzen nehmen. Und auch nicht die Tatsache, dass man dann wieder alle in Bewegung versetzt, die nach der Pause noch in Tanzlaune waren, aber die nächste Platte aus irgendeinem Grunde alle killt. Irgendwann scheinen einem die Platten auszugehen und man macht dann einfach irgendwas... und genau das weckt die Leute dann wieder auf und sie schreien! Und man kann sogar vorm DJ-Desk tanzen, wenn alles wie am Schnürchen läuft! Ich habe dann bis neun Uhr aufgelegt. Neun Stunden am Stück hab ich noch nie gespielt! Erst House, dann Breakbeat und zur Afterhour noch ein wenig Drum’n’Bass.

Und ich habe auch meine ersten Fans bekommen, was unglaublich war, denn ich bin in der Hinsicht, mich so vor andere Leute zu stellen und zu machen wirklich ein wenig schüchtern und manchmal sogar eventuell etwas unbeholfen. Naja, in der Theorie! In der Praxis war ich ganz cool und alles passierte sehr natürlich und charming. Komisch, wie man manchmal weiß, das alles gut ist, so wie es ist. Zurück zu den Fans. Einer war mein auf einmal zum Lucky Star mutierter Emilio. Ein anderer war ein Vollbärtiger, der angefangen hat, auf dem Dancefloor zu schreien, was ihm im Bezug auf die Musik in die Sinne kam – zumindest erkläre ich mir das so. Heraus kam: "Hippiepunk", was er dann stundenlang wild herumspringend ausrief, wann immer ihm danach war. Das Geile war, dass alle irgendwie einstimmten, einer dann noch freestylig gereimt hat und ein neuer Mitbewohner namens Pablo dann irgendwann seine Bongos rausgeholt hat. Und ab ging's – bis in den Morgen! Das hat die ganze Zeit gepasst. Die Leute gingen ab, und ich nix wie hinterher. Bin mit allen mitgeflogen. Die Energie war unglaublich. Insgesamt und überhaupt und sowieso hat alles gepasst: Danach hat mich gleich einer gefragt, ob ich in seiner Band sein will, alle meine Fotobuddies, die ein bisschen arty sind, denken jetzt, ich bin the dog's bollox, und alle wirklich hübschen Jungs hatten nur Augen für mich. Die Madels, zumeist die Freundinnen der hübschen Jungs, kamen aber auch alle an und wollten wissen, wie das geht, das Mixen, was ich natürlich nicht erklären konnte, weil ich mixen musste. Egal. Irgendwie hat es allen gefallen. Insofern bin ich also stolz wie Oskar. So viel Symphatie für etwas, das einem selber Spaß macht, hab’ ich in so komprimierter Form selten abbekommen. Krass. Es hat alles tierisch Spaß gemacht in Retrospektive, obwohl vieles nicht glatt lief auch in der Orga (genauso unprofessionell wie die Flyer, siehe Fotos). Ja, wir arbeiten dran. Denn es fühlt sich gut und richtig an, es wird also weitergehen. Jajaja! Die nächste Party machen wir am 11.03. Die Themen wären: Experimentation, Improvisation und Experience. Hehehe.

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Fotos CAR by CAR

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