23.12.2007

Postpost 06: Der Pop ist tot, lang lebe der Pop! +++ RL ARCHIVE FEB 07








Mit einem vom Publikum äusserst geschätzten Optimismus präsentierte sie Schablonengraffiti und Blinkelichter im Berliner Haus der Lehrer als Beispiele für subkulturelle Stroemungen, die nicht direkt vom Mainstream absorbiert werden, sondern außerhalb des Turbocyberkapitalismus weiterexistieren – für sie Beispiele des neoliberalen Kapitalismus, da diese Formen von Alternativaktivismus in unseren satten westlichen Staaten auch ohne Rebellionsgedanken aufrecht erhalten werden koennen, oder vielleicht sogar müssen, als Status Quo sozusagen.

In einer mit Freunden geschaffenen Subkulturnische als Teil des Ganzen zu agieren anstatt sich gegen das System aufzulehnen ist für sie einer der Faktoren, der für das Einschlafen der Linken gesorgt hat, welche jetzt den Mainstream darstellt, eine Parallele, die sich auch auf elektronische Musik übertragen lässt. Was früher Underground war, ist heute dick im Geschäft. Beispiel Minimal.

Und so erklärte sich vielleicht ihre und Jan Joswigs Faszination für eine neue Schublade namens Neofolk, für sie das nächste Ding, für andere, wie den ebenfalls anwesenden Referenten und gar nicht so neofolkig sondern recht clubbig klingenden Laptop-Rocker Lawrence, vielleicht einfach nur kreative Flucht nach Vorne, raus aus der Rave-bedingten Depression.

Ihre logisch erscheinenden Überlegungen wurden durch die etwas hoffnungslos wirkenden Humoreinlagen des argentinischen Kommentators Pablo Schanton und auch durch die Talk-Anschluss-Fragen ehrfürchtiger Intellektueller – Was denn der Unterschied zwischen elektronischer Musik und Techno sei? – relativiert, und auch Argentiniens fast komplett anwesende Minimalelite, darunter die ebenfalls ihre Musik präsentierenden Musiker Marcelo Fabián, Ismael Pinkler und Dany Nijensohn, wirkte durch die Minimal-Ab und Neofolk-Ansage mehr als verwirrt.

Doch in einem waren sich alle einig: Auch im Goetheinstitut darf trotz so viel deutscher Verkopfung getanzt werden! Musik zu intellektualisieren ist wie Drogen zu kriminalisieren. Einen verkopften Schritt der eigentlichen Sache voraus. Das eigentliche Motto sollte eh sein: Geistiger Urlaub für alle

Text: kat at planetkat dot com. Fotos: Courtesy of the Goethe Institut.

KLinks:
www.goethe.de
www.mercedes-bunz.de

en.wikipedia.org/wiki/Neofolk


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