09.11.2007

Sprachlos auf dem Mutek! +++ RL ARCHIVE FEB 07







Zu Recht: die Leute – Kolumbier, Engländer, Deutsche – trekkten zum Teil durch ganz Lateinamerika, um bei den intimen, genialen Events, Modul8-VJ-Software-Präsentationen, Talks, und Parties dabeizusein.

Der Sound, avangardistische Clubmusik, die keinerlei Konventionen unterworfen ist, orientiert sich nicht nur an dem Spektrum der mitreisenden kanadischen, deutschen und französischen Artists wie Chic Miniature, dem genauso quadratischen, aber wesentlich chiceren Cabanne, dem Genre-Dekontrukteur Deluxe Atom TM und natürlich dem alten Panelisten-Hasen Thomas Brinkmann.

Der wird als deutsches Vorzeige-Kulturgut um die Welt geschickt, um den Leuten trippig-philosophisch elektronische Kunst und Kultur zu vermitteln – so auch im Mutek-Talk, wo er die Leute mit seinen Erkenntnissen in Erstaunen versetzte – sondern auch am mittlerweile international klingenden Sound der südamerikanischen – Lineas de Nazca, Dinky, Surtek Collective – und argentinischen Minimal-Club-DJ-Produzenten-Liga: Violett, Sr Replicante, Seph, Franco Cinelli und natürlich Barem.

Nukleusatmosphäre und freie Drinks sorgten gleich bei der Auftaktveranstaltung – Violett und Sr Replicante back to back – für eine Atmosphäre, die einem sehr sehr genialen Mini-Hotel-Lobby-Rave Anfang der Neunziger glich – für ausgelassene Stimmung, die sich die ganze Woche über hielt.

Am Samstag, auf der Final Party, kannte jeder jeden, und so feierte man glücklich, eingeschlossen von Sturzregenmauern, die weder Kommen noch Gehen zuließen und fast für Kurzschlüsse im genialen Kulturkomplex Konex, Schauplatz des Ganzen, sorgten, bis sechs Uhr morgens auf zwei Levels jeden DJ und Liveact, manche mehr, manche weniger, aber immer erstaunt und angetan von den Höhepunkten, die die Musik von Jungs wie Franco Cinelli, Barem und Seph hervorriefen, dessen Sets für viele die absoluten Highlights darstellten, wobei Uwe Schmidts und Vicente Sanfuentes Cumbia-Acid eher auf Unverständnis stieß. Die Idee ist gut, die Wirkung eher nicht.

Gewertschätzt und gepriesen sei außerdem die Einzigartigkeit des Rubixcube-Midi-Controllers, die sich die Tüftler von Artificiel ausgedacht hatten – sie waren wohl neben Thomas Brinkmann die Einzigen, die nicht auf Ableton Live zurückgriffen.

Die DJ-Software hat den Floor im Check und wenn nicht bald mal jemand anfängt, mit den Tools zu scratchen, wird das irgendwann ein übelstes Turntableinterface-Revival zur Folge haben. Wenn ich noch einmal eine völlig regungslos per Mausklick reingeschraubte Bassdrum höre, schreie ich. Also. Aber so ist das.

Mit ihrer von Maschinen erzeugten Perfektion provoziert elektronische Musik seit jeher und fordert das Denken und Empfinden heraus, wie Musik zu sein hat und darzubieten ist.

Da sie technische Innovation statt menschlicher Limitation promotet – letztenendes doch nichts anderes als eine von uns kreeirte Illusion – aber von Menschen erzeugt wird, sind wir der Maßstab. Wenn wir Spaß daran haben, wird es weitergehen. So auch Mutek. Der Urknall für eine langsam wachsende globale Alternativbewegung. And the earth keeps turning.

Text: Kat from Planetkat dot com. Fotos: Katrin Richter & Miguel Legault @ Mutek

KLinks:
www.mutekba.com.ar
www.myspace.com/mutekba


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