19.06.2007

I'm A Creamfields Sucker, Baby… +++ RL ARCHIVE DEC 06







Vor der Hauptbühne während des Megaliveactes von Underworld, deren seminale „Cowgirl“-Grooves sich mit seltsamen, nichtssagenden Soundstrecken abwechselten, in einer riesigen wogenden und wütenden Menschentraube gefangen, fanden und verloren sich Freunde in der Masse, so dass Creamfields zu einem invididuellen Erlebnis mutierte. Manche tanzten zu den Progtrancehousesounds von Sasha, der später auch noch mit Hernán Cattáneo seine Arbeit tat. Andere pilgerten in die kleineren Zelte, um die Sets von Artists wie M.A.N.D.Y., Paul Woolford, Silicone Soul, Layo & Bushwacka, Carlos Alfonsín, 20:20 Soundsystem oder Tiga auszuchecken.

Oder kamen gar extra früh vor Sonnenuntergang auf das ehemalige Boca-Juniors-Trainingsgelände an der Küste, um den Localheros wie Bad Boy Orange und seinem Freakcircus beim Spielen beizuwohnen. Schon von weitem ballerten die Bässe, und diese mit ganzem Körper spüren zu können, war allein schon den Eintritt wert, und auch, den wunderschönen, gutgelaunten Ottonormal-Argentiniern beim Feiern und „Arbeiten“ (= Getränkeverschenken, oh si!) zuzusehen und eventuell selbst völlig drin aufzugehen. Die Nacht verging wie im Fluge.

Für Newbies vielleicht immer noch gewöhnungsbedürftig: die Sonnenbrillen! Was die Crowd zunächst wie ein Haufen feiernder Mister Smiths erscheinen lässt, ist in Wirklichkeit ein Selbstschutzmechanismus, denn geweitete Pupillen, dem strahlenden Scheinwerferlicht, in dem die eitlen Clubber sich so gerne sonnen, ausgesetzt, können wegen hoher Empfindlichkeit zu Kopfschmerzen führen. Außerdem gibt sich der Normalclubber nicht gerne die Blöße. Lieber dann doch die Sonnenbrille als Symbol der Verruchtheit... selbst, wenn man gar keine Drogen konsumiert. Und so kam es schließlich zu dem absurden Movement, dass Szeneneulinge ganz stolz mit Sonnenbrillen zum Rave kommen, weil sie glauben, das mache man so. So mutiert die Sonnenbrille zum Must-Have-Item, das Szenezugehörigkeit signalisiert. Augenkontakt? Was ist das? Ciao.... Gefühl der Verbundenheit, des Einsseins. Geht diese Intimität den Argentiniern gewollt verloren oder ist sie gar nicht gewollt?!

Als Highlights bleiben zu nennen: Lawrences Set, der sich in der Nokia-Arena und eine Woche später noch im Goetheinstitut eindialte, Matthew Dear und Troy Pierce, die neue Minimalstandards setzten, Erick Morillo, der mit einer abgewandelten „This is not Detroit, this is Buenos Aires“-Version die Leute zum Jubilieren brachte, und ein gutgelaunter Dave Clark, der übrigens eine sehr coole Schwester hat. Wer hätte das gedacht? Mehr davon. Und so lechzt man gezwungenermaßen schon nach dem nächsten verdammten Monopol-Großevent – in einem Jahr. Warum zur Hölle gibt es eigentlich keine anderen Festivals in Argentinien? Großinvestoren, bitte melden. Es gilt eine Marktlücke zu füllen!

Text: kat at planetkat dot com
Fotos: Internet, u.a. www.nightclubber.com.ar.

KLinks:
www.creamfieldsba.com.ar

www.fotolog.com/outofsystem


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