01.04.2006 Spätsommersónarte: SónarSound BsAs +++ RL ARCHIVE MAY 06 |
Ein Jahr im Exil in Buenos Aires zu sein, das bedeutet ein Jahr ohne den stetigen Input von durchreisenden Indie-Musikern, tourenden Alternativ-Liveacts oder von kleinen Clubs gebuchten ausländischen Underground-DJs, da der schwache Pesos gegenüber den saftigen Dollar-, Euro- und Pfundgagen einfach nichts herhält und sich der Aufwand, auf internationalem Niveau bekannte, aber kommerziell nicht erfolgreiche Acts zu buchen, somit nicht lohnt. Das bedeutet: keine nennenswerte Alternative zu den McDonalds und Microsofts der elektronischen Musikszene, die mit Weichspültrance oder dem immer noch gerne genommener Progressivenasepuderhouse nur jene begeistern, die eigentlich gar keine Musik mögen. Da zwei große Bookingagenturen mit ihrem Monopol die Szene dominieren, werden die auf USA-Europa-Verehrung konditionierten Fiesta-Argentinier regelmäßig von DJ-Mag-Listenanführern (laut Marketing-Managern “echte Partygaranten”. Für 30 Euro – ein Achtel des Durchschnittsmonatsgehaltes hier – eine Nacht lang Dein, inklusive Sponsorenhölle) beglückt, wohingegen ein fruchtbarer Middleground, aus dem neue Veranstalter, Labels und Artists wachsen können, einfach nonexistent ist. Doch nun: Ein Durchbruch durch die Schallmauer! Am 18. März 2006 kam Sónar, sah und siegte! Doch eigentlich, sehr zur Kritik aller, war es gar nicht das dreitägige katalanische Musikmultimediakunstfestival, sondern eine abgespeckte Partyversion namens Sonarsound, die in einem franchiseartigen, runtergestrippten Basispaket um die Zweite Welt reist. Untergebracht wurde die von Creamfields-BA-Organisatoren 2net Producciones mitveranstaltete Party in den altbekannten Messehallen der Costa Salgüera, wo fast alle großen Parties stattfinden, was den Effekt hat, dass die Events sich alle gleichen, auch, weil immer nur die eigenen Acts, Cristobal Paz, Spitfire, Carlos Alfonsin und Romina Cohn zum Beispiel, gebucht werden. Eine auf die eigenen kommerziellen Interessen zugeschnittene und modifizierte Sonar-Party, die aber zugegebenermaßen immer noch mit dem innovativsten Lineup aufwarten konnte, das Buenos Aires in den letzten Monaten gesehen hat. Mit dabei: Klangmeister Plaid live mit ihren absolut sensationalen Sounds und Visuals, Altmeister Laurent Garnier, der es mit seiner Nonchalance schaffte, durch ein Potpourri von Styles zu führen, ohne dass sich die Beine verhedderten, Isolée mit einem packenden Minimal-Liveact, der selbst die progressivekonditionierten Südamerikaner mit auf die Reise nahm, die französische Band Colder, leise, sinnlich und irgendwie auf einsamer Flur in dem Hallenhappening, und die SonarCinema, die man wegen der langen Wartezeit leider zu keinem Zeitpunkt von innen sehen konnte. Egal. Vielleicht auch durch die generelle Soundknappheit vor Ort komplett ausgehungert feierten wir inmitten der nackten Oberkörper nonstop bis die Lampen angingen, und zählen schon die Tage bis zur nächsten Edition, angeblich ab dem Jahr 2021 mit Labelständen wie in Barcelona. Man kann also hoffen, dass sich noch in diesem Jahrtausend was tun wird hier in Buenos Aires. Text und Fotos: kat@planetkat.com KLinks: Schon geil auf das Original in Barcelona? Bald geht es wieder los: www.sonar.es www.2netproducciones.com.ar |