01.09.2005 RL ARCHIVE MAR 03 +++ Labelspecial: Intec Records – The Cox-Imperium Strikes Back! |
Nachdem Carl mit diversen Singlereleases bereits Anfang der Neunziger Chartserfolge feiern konnte, rief er sein erstes Label, Most Music Records, ins Leben. Und danach sein zweites, Worldwide Ultimatum. Wenig ist bis jetzt über sein Label Intec bekannt, das mittlerweile schon ins vierte Jahr geht, und über den Mann C1, der sich mit für das Label verantwortlich zeigt. Dieser steckt auch hinter der bereits Ende des letzten Jahres erschienenen, vielseitigen Techno-Mix-Compilation „Shifting Gears“, die besonders jenseits des Atlantiks für Furore sorgt. Kurz und gut, das Independent-Label mit dem atemberaubenden Output, auf dem sich bereits bekannte und etablierte Künster wie Umek, Chris Liebing, Valentino Kanzyani und Trevor Rockcliffe die Ehre gaben und sich neue Talente wie Renato Cohen und Bryan Zentz erstmals einem Millionenpublikum präsentieren, schrie förmlich danach, ausgecheckt zu werden. Außerdem ist mit Bryan Zentz‘ „Seven Breaths“ soeben das erste Artist-Album auf Intec erschienen. Hier das bis vor kurzem komplett geheimgehaltene Protokoll einer Erfolgsstory von International Techno Records. The Body – Der Optimist Carl Cox kichert. Wer, wie ich in diesem Falle, den gewaltigen Mann zum ersten Mal reden hört, erwartet den radikal-reduzierten Sing-Sang-Slang aus Englands rauhem Untergrund, das cockneyeske Idiom typisch für Südlondon. Aber nichts dergleichen: Kultiviert und fast fistelig haspelt sich Cox durch die einleitenden Sätze und kreiert hastig-gewandt Wortkettengebilde von Kilometerläge in einer aberwitzig rasanten Geschwindigkeit. Der auf Barbados geborene, mittlerweile 40-jährige Cox, der bei Adoptiveltern in Croydon bei London aufwuchs, ist soeben von seinem dreiwöchigen Trip auf die Karibikinsel zurückgekehrt, wo er seine Restfamilie besucht hat. Dort, in jungen Jahren, müssen die Weichen gestellt worden sein, um aus dem kleinen Carl den grenzenlos optimistischen, lebenslustigen Kerl zu machen, der heute ein Millionenpublikum zu entertainen weiß. Auch bei seinem letzten Besuch tanzten wieder alle Verwandten und Bekannten lebenslustig zu fröhlichen Rhythmen herum, und dank dieser praktizierten „Vorurteilsfreiheit gegenüber Musik“, dieses von kleinauf aufgesaugten Positivismus hat Carl die Kraft, sich immer wieder von Neuem ins Flugzeug zu schwingen, um den Globus zu sausen und irgendwo hinter den Turntables materialisiert die Party zu moven. Wenn‘s sein muss, sogar zwei mal hintereinander, wie zum Millennium, wo er zeitzonenverschleißend an mehreren Orten zugleich den Anbruch des neuen Jahrtausends musikalisch untermalte. Vollgetankt mit Energie startet Carl das neue Jahr mit einer Tour durch Englands Universitäten: „Ich werde meine neuen Tracks, die auch auf meinem Album sein werden, an einer feiergeilen College-Crowd austesten, und das für wenig Geld. Also keine Etepetete-Superclub-Langweiler dieses Mal.“ Statt sich in seinem Studio an die Arbeit zu machen – beliebter Ausspruch von Carl zum Thema Produzieren ist nach wie vor: „Carl, disziplinier‘ dich und fang‘ endlich an“ –, erzählt Carl lieber von seinem gerade absolvierten Gig in Münster, wo ein Stromausfall die Party nach einer Stunde vorübergehend lahmlegte. „Es war unglaublich. Ich hatte die Party zum Laufen gebracht, das heißt, ich war gerade dabei, die Leute auf das nächste Level zu bringen, und dann ist auf einmal, zack, der Strom weg und wir stehen alle im Dunkeln. Eine halbe Stunde später gehen die Notausgangslampen auch noch aus. Es war unglaublich!“ Carl Cox wäre nicht Carl Cox, wenn ihn so was überhaupt nicht aus der Fassung bringen würde – natürlich saß er nicht regungslos hinter den Decks und wartete auf die Erlösung, hielt die Stellung und die Feiermoral-Standarte hoch, bis nach zwei Stunden wieder Saft da war. „Natürlich! Und danach haben wir den Club abgerissen, das kannst du mir glauben“, sagt Carl, selbstbewusst wie eh und je. Er, der sich selbst als „den Kopf von Intec“ bezeichnet, ist auch derjenige, der das Label durch seinen hochprofessionellen Input vorwärtstreibt. Neue, extrem aufregende Signings wie Renato Cohen, der Verursacher des Clubverwüster-Track des Jahres 2002, „Pontape“: „Als ich im letzten Jahr durch Brasilien tourte, hörte ich auf einmal diese supereinfach gemachte Wahnsinnsplatte, die einfach so viel Energie hatte, dass das Dach weggeflogen ist, weil die Leute so ausgerastet sind. Ich hatte keine Wahl: ich musste die Platte finden und besitzen. Sie ist mehr als ein Hit – sie wurde zu einer Hymne für Südamerika.“ Hinter jeder Platte, die auf Intec erscheint, so Cox, steckt seine Philosophie: „Sie muss die Party pumpen! Und natürlich muss ich sie selber spielen wollen, besitzen wollen, so wie ‚Pontape‘. Diese Platte würde noch heute in Südamerika rumdümpeln, und ein paar hundert Leute würden sie kaufen. Aber sie fand zu mir, nicht zu Richie Hawtin oder Laurent Garnier, und ich bin derjenige, der dieser Platte den besten Input geben konnte, der in unserer Kategorie möglich ist, und somit wurde Intec wieder zu einem Label, an dem die Leute sich orientieren. Und für den Künstler gibt es keine bessere Promotion: seine Platte reist in meiner Plattenkiste um die Welt.“ Wichtig ist es Carl zu betonen, dass Intec besonders daran interessiert ist, Künstler – ohne fesselnde Knebelverträge – langfristig zu binden, in dem sie systematisch aufgebaut werden: „Natürlich werden wir noch mehr von Renato veröffentlichen. Er ist ein sehr vielseitiger Künstler, von dem noch einiges kommen wird. Das gleiche gilt für Bryan Zentz, der gerade sein Album bei uns veröffntlicht hat. Er wird als jemand gesehen, der supergeile Primetime-Clubtracks heraushaut. Aber er kommt aus Virginia. Dort geht nichts, und er tut nicht viel dafür, seine geniale Musik zu pushen. Deswegen bin ich bereit, ihn zu supporten, denn er ist jemand, der weltweit wahrgenommen werden sollte. Von seinen Platten verkaufen sich normalerweise ein paar tausend, aber er hat mehr verdient: Er ist ein Künstler, der ein ganzes Sound-Genre geschaffen hat!“ Es gehört laut Carl Professionalität dazu, wenn man ein Label erfolgreich betreiben will. „Im nächsten Jahr besteht Intec seit fünf Jahren, und wir wollen noch lange im Geschafet bleiben. Intec ist ein Independent-Label, aber wir streben danach, größtmöglichen Einfluss zu haben. Also machen wir einen trancigeren Remix und einen housigeren Remix, um die Leute aus den Richtungen auch noch für uns zu gewinnen –genau wie ich danach strebe, möglichst viele Leute davon zu überzeugen, dass ich ausschließlich Musik höchster Qualität spiele, die meiner Meinung nach hörenswert ist.“ Probleme mit dem Selbstbewusstsein hat Carl Cox wahrlich nicht: „Zweifel? Niemals! Sie zerstören dich! Lassen dich zu Drogen greifen, wenn du hinter die Decks trittst! Ich glaube an mich, und ich werde, so lang das so bleibt, weitermachen. DJen ist mein Leben!“ The Mind – Der Zweifler Szenewechsel. Ein grünäugiger, verschlossen wirkender Mann begrüßt mich und stellt sich als C1 vor. Eigentlich heißt er Sirwan Rahman, aber es kommt weder zur Sprache, wie er zu dem einem, noch, wie er zu dem anderen Namen gekommen ist. Auch viele andere Dinge bleiben bei unserem Treffen unerwähnt, aber dafür ist der klein und schmächtig wirkende Südlondoner auf jeden Fall derjenige, der sich auf tiefgreifende Gespräche zu existentiellen Techno-Themen einlässt. Der Grübler der Truppe ist zugleich auch derjenige, der Intec jahrelang gnadenlos weitergetrieben hat, während Carl weltweit nach neuen Talenten Ausschau hielt. Erst kürzlich trat der Drahtzieher und Workaholic C1 aus dem Schatten seines übergroßen Ziehvater-Partners: Die erste auf Intec erschienene CD, ein Mix, stammt vom ihm, und für die gekonnt gemischte Compilation hat er wirklich überall viele Worte des Lobes eingeheimst. Die in einem Rutsch auf drei Turntables runtergespielte Reise nimmt den Zuhörer mit durch diverse Subgenre-Welten des Techno, die latin-, disco- und housig geflavourten Tracks von Jungs wie Ian Pooley, DJ Q, Oxia, Bryan Zentz, Jeff Mills und The Martian sind in einem enormen Tempo aneinandergereiht und bestechen sowohl durch ihre Vielseitigkeit als auch ihr hohes Energielevel. In Brasilien wurde die CD soeben von einem Major-Label sublizenziert, um sie einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen, und C1 zeigt sich begeistert: „Ich scheine mit der Zusammenstellung der Tracks wirklich einen Nerv getroffen zu haben – es scheint so, als ob die Leute weltweit auf so einen Sound abzufahren scheinen.“ Dieses erste Outing als Hoch-Kaliber-DJ ist genau das, was C1, der Carl vor langen Jahren durch seine Arbeit in einem Plattenladen kennengelernt hat und stets andere förderte, brauchte, um sich selbst ins Rampenlicht zu katapultieren. Und damit scheint er sich äußerst wohlzufühlen: Auch intern stehen bei Intec diverse Umstrukturierungen an, denn C1 hat gerade seine primäre Funktion als Labelmann aufgegeben. „Es ist ganz einfach so: Ich musste mich entscheiden, ob ich mich verstärkt auf das DJen und das Produzieren oder auf die Labelarbeit konzentrieren wollte. Das Problem dabei ist, dass ich eigentlich total unfähig bin, was Papierkram angeht. Das einzige, was ich wirklich kann, ist A&Ren. Seit dem Mix werde ich auch vermehrt als DJ gebucht und ich habe es endlich wieder geschafft, mein Studio wieder zum Laufen zu bringen – vor genau einem Jahr ist jemand in mein Haus eingebrochen und hat mir mein gesamtes Equipment geklaut. Ich bin sehr obsessiv. Ich könnte niemals eine Sache nicht perfekt machen, nur mit halbem Herzen dabei sein. Bei mir muss alles hundertfünfzigprozentig sein. Ich musste mich also entscheiden, was mir am Wichtigsten erschien, und um ehrlich zu sein, bin ich an allererster Stelle ein DJ. Ich bin aber immer noch am Label beteiligt: ich weiterhin mache das Label-A&R und die kreativen Sachen wie Design, bloß der Papierkram wurde mir von den Mädels abgenommen, und das ist gut so.“ Durch C1s Engagement fand auch ein Künstler namens Bryan Zentz, der bereits eine Platte auf C1s eigenem Label herausgebracht hatte, seinen Weg zu Intec: „Ich war begeistert von seinem Sound und spielte ständig seine Platten. Also lag es nahe, ihn zu uns zu holen.“ C1 ist schon seit 1990 ein professioneller DJ. Heute Anfang Dreißig, kam die Berufung ziemlich früh: „Ich kann mich unheimlich schlecht auf Sachen konzentrieren, die mich nicht interessieren. Also wäre ich wahrscheinlich kläglich vor die Hunde gegangen, wenn ich nicht irgendwann angefangen hätte, meine Besessenheit mit Musik weiterzuverfolgen.“ Ein bisschen Glück war auch im Spiel: Sirwans fünf Jahre älterer Bruder schaffte sich Anfang 1988 ein Soundsystem an, „genau mit der Intention, auf die Bedürfnisse der gerade aufkeimenden Acid-House-Szene einzugehen“. Fette Anlagen für nächtelange Parties irgendwo draußen im Freien brauchte das Land, und natürlich war der damals gerade 18-Jährige sofort völlig begeistert von der Szene, dem Vibe – und dem Auflegen. Jahrelang lebte er passioniert für seinen Traum, und als er schließlich mit Carl Cox Intec aus der Taufe hob, wusste er, dass er es zumindest teilweise geschafft hatte. Aber C1 wäre nicht C1, wenn ihm das schon genügt hätte: „Ich bin jemand, der sich ständig selbst kritisiert, sich ständig Noten gibt für die erbrachte Leistung. Ich würde mir nie die Top-Note geben, nie. Mein Einsatz ist zwar einhundert Prozent, aber es gibt immer Dinge, die mir hinterher auffallen, die ich besser machen hätte können.“ Deswegen liebt er seine wöchentliche Show auf Groovetech: unter dem Auge des Publikums, live per Email und per ICQ chattend hat C1 ausnahmsweise mal keine Zeit, sich einen Kopf zu machen. Von C1, so betont er selber, stammt der auf der Website zu findende Spruch: „Techno is whatever you want it to be“, der nicht nur seinen Lebensphilosophie widerspiegelt, sondern auch zum Leitmotto von Intec geworden ist. „Techno“, so C1, „ist nicht nur das stereotypische Gebolze, das man nur auf harten Drogen ertragen kann. Techno als Style gefällt mir gerade deswegen so gut, weil es derartig viele Spielarten und Mutationen gibt wie sonst bei keiner Musikrichtung. Es gibt keine Regeln, und es gibt keine Grenzen, wie man ‚Techno‘ im weitesten Sinne eigentlich eingrenzen kann. Techno ist eine Fortentwicklung von EMB, Industrial, aber auch von Soul, Funk, HipHop und Disco. Das macht Techno für mich zu einer sehr spirituellen Musik.“ Eine einzige Einschänkung, was das Repertoire von Intec angeht, gibt es allerdings doch. Bis jetzt seien alle Releases, so C1, „Peaktime-Clubburner“, Tunes herauszubringen, die „den Club verwüsten“, ist nach wie vor die primäre Absicht von Intec. The Soul – Der Träumer Der Mann Bryan Zentz, der solche Tracks zu produzieren zu seiner Lebensphilosophie gemacht zu haben scheint, sitzt in seinem Londoner Hotelzimmer und wartet auf seinen Einsatz: Heute abend wird er auf Groovetech, dem Internetradiosender mit angekoppeltem Plattenshop, ein Set zum Besten geben und im Anschluss mit den anderen Intec-Jungs essen gehen. Danach, kurz vor Mitternacht, ruft er mich an: „Puh, das war ziemlich intensiv, ich musste gleichzeitig mixen, Emails beantworten und ICQen,“ gibt er fröhlich zu Protokoll, dessen Ami-Akzent kein breites Kaugummikauen, sondern mehr ein verwaschenes Nuscheln ist. Das kann daran liegen, dass Bryan aus Norfolk stammt, einer Kleinstadt an der Küste von Virginia. Dort lebt Bryan auch immer noch in einem Haus, das er sich mit seinen Katzen und seinen Maschinen teilt, und er kann sich mittlerweile nicht mehr vorstellen, dass er jemals woanders wohnen möchte: „Vor ein paar Jahren noch, da hätte ich den Absprung nach New York vielleicht geschafft… aber jetzt kann ich es mir einfach nicht mehr vorstellen.“ Tatsächlich: Der vom Folk-bessenen Vater ordentlich vorbelastete Vollblutmusiker fliegt nach dem Interview nach Virginia zurück und füttert seine Katzen, bevor er aufbricht, um noch ein paar Tage in Jugoslawien Station zu machen. Skurril? Es kommt noch besser: Bryan Zentz ist nämlich in den letzten Jahren von seiner Homebase aus zu einem der bekanntesten und profiliertesten Produzenten und Remixer geworden, ohne, dass irgendjemand eine genaue Vorstellung davon hat, wie der Kerl eigentlich aussieht. Mittlerweile Anfang Dreißig, ist der begeisterte Bad-Brains- und Skinny-Puppy-Fan immer noch begeisterter Skater, der sich „für sein Alter verhältnismäßig wenig davor fürchtet, sich mal richtig die Fresse zu polieren“, und tut nichts lieber, als sich von seinen „fest in der HipHop-Szene gerooteten Kumpels die neuesten Tapes beim Rumcruisen im Auto vorspielen“ zu lassen. Seine Liebe zu elektronischen Klängen entwickelte sich eher beiläufig und seine Karriere als bahnbrechend genredefinierender TechHouser eher zufällig, „obwohl zu einem Zeitpunkt doch recht zielgerichtet verbissen“, wie Bryan sagt. Er lacht. Nachdem er zu Anfang nämlich noch recht unbedarft mit einem Freund Beats in der Garage zusammengebastelt hatte, kam er doch – immer leidenschaftlicher bei der Sache – irgendwann zu dem Entschluss, seine fertigen Tracks, die aufgrund seiner Faszination mit Plus8- und Basic-Channel-Platten immer mehr in Richtung elektronische Tanzmusik drifteten, an diverse Labels zu schicken. Und irgendwann rief Richie Hawtin an. „Es kommt in den Interviews immer so rüber, als hätte er sich sofort gemeldet, aber es hat lange gedauert – nach dem vierten oder füften Tape hat er sich schließlich gemeldet und mir Tips gegeben. Als ich schließlich so weit war, hat er mich für Definitive Records, einem seiner Sublabels, gesignt.“ Dort erschien später auch Bryan erstes Album namens „Strategies For A Deeper Design“, und weitere Platten auf so renommierten Labels wie High Octane, Bush, Superbra, Rotation, Primate, Electrix und Jericho unter den verschiedensten Pseudonymen wie zum Beispiel Barada – nach einem Star-Wars-Charakter, Faculty X, Grudge, Bryan Never, und Never. Auf Intec versucht sich Bryan an einer Mischung aus „Dancefloor-orientierter, elektronischer Musik, die nicht zu synthetisch klingt. Mein musikalischer Background – Dub, Rock, HipHop – klingt da immer mit durch, das laße ich bewusst mit einfliessen.“ Pete Tong, der englische Mainstream-Geschmacksdiktator, der auf BBCs Radio 1 eine Primetime-Musikshow moderiert und mehr schlecht als recht deejayt, hat zu Bryans Album Folgendes zu sagen gehabt: „Bryan Zentz ist der neue Intec-Star, der mit diesem spannenden und innovativen Album tatsächlich beweist, dass er auf dem aufsteigenden Ast ist.“ Gekonnt verleiht Tong Zentz‘ Techno das Prädikat: „‘Breitgefächerter als der Broadway‘.“ Erstaunlicherweise trifft die Umschreibung des dubbig-jazzig angehauchten Techhouse-Albums recht gut zu, und um so erstaunlicher ist es, zu hören, dass Bryans Herz, und das scheint immer wieder durch, Industrial Music gehört. Skinny Puppy, um genau zu sein, „Assimilate“, das lustigerweise auch auf Terence Fixmers Compilation auftaucht, und einer seiner „favourite tracks ever“ ist. Auch dass es mittlerweile eine auf Raggae Lounge erschienene Dubversion von Bad Brains‘ „I Against I“ gibt, die er auch tatsächlich in seiner Groovetech-Show gezockt hat, freut ihn wie ein kleines Kind. Was in Zukunft in Norfolk passieren wird, vermag auch Bryan nicht zu sagen: „Die Szene ist tot, die Raves werden systematisch von der Polizei verhindert und die Leute drangsaliert und verhaftet. Norfolk ist ein Navy-Stützpunkt, und so wird peinlich darauf geachtet, dass kein Soldat feiern geht. Wir wollen noch nicht einmal mehr Gigs in kleinen gepflegten Bars machen – aus Angst vor Strafverfolgung.“ Aber Carl und C1 haben sowieso ganz andere Pläne für Bryan, der dennoch die „alten Tage“ vermisst, die von der Aufregung dominiert waren, mit bescheidenen Mitteln Tracks zu produzieren und sie dann im „für eine halbe Stunde angemieteten Tonstudio in der Stadt auf ein DAT zu bangen.“ Die Tage, in denen Bryan gespannt auf einen Rückruf wartete, sind tatsächlich zweifellos vorbei: Jetzt klingelt er Technojournalisten wegen Interviews aus dem Bett. Die Intec-Maschine hat sich in Gang gesetzt und ist nicht mehr zu stoppen. Text: Katrin Richter. Fotos: Daniel Dinsing, Public Propaganda. Thanx to: Nadjscha – you’re a star! Link: www.intecrecords.com |