29.06.2005

Von sich häutenden Schmetterlingen.... Schön ernsthaft heute, sülz!








Schön, dass es allen in Deutschland, jetzt, wo der Sommer kommt, bedeutend besser geht!!! Würde auch gerne aus meinem Loch kriechen, tue ich auch, in dem ich zum Beispiel den ganzen Morgen mit Bauarbeitern quatsche, darüber, warum manche Menschen (wie ich) um die Welt reisen, weil sie nirgendwo so richtig bleiben können, aber dafür viele Sachen kennen (was die Bauarbeiter sehr faszniert hat), aber es ist irgendwie alles immer nur so stückweise, dass ich mich hier wirklich harmonisch wahrnehme, dass ich mit mir und meiner Umgebung im Einklang bin. Heiterkeit fegt Traurigkeit weg, tiefe Nachdenklichkeit wechselt sich ab mit der unendlichen Leichtigkeit des Seins. Aber immer ist alles schwerer, als ich erwartet hab. Auch wenn ich im Cybercafe Rammstein hören darf und mich dann ganz Deutsch fühle (haha).

Ich sitze gerade in der Küche (speichere alles auf Diskette und schlappe damit in den Onlineshop), und hier hängt es nun, unser seit langer Zeit in Aussicht gestelltes Telefon. Aber leider funktioniert es immer noch nicht. Ich habe gerade mit einem hoffnungslosen Gefühl nach dem Hörer gegriffen, um vielleicht jemanden anzurufen, den ich mag. Dich zum Beispiel. Es wäre so schön, einfach nur eine Stimme zu hören, die fragt: “Und, wie geht es dir?” Dann könnte ich dieser Person sagen: “Ich weiß nicht.” Und würde mich schon ein kleines bisschen besser fühlen, weil ich meine Selbstzweifel mit drei Worten Ausdruck verleihen könnte. Es ist einfach schön, für seine Freunde mein Innerstes nach Außen zu kehren und schon dadurch ein wenig klarer sehen zu können. Ein “Ich weiß nicht”, all die darin implizierten Dinge, bringt alles auf den Punkt, was zur Zeit in mir vorgeht. Und vielleicht könntest Du ein wenig Licht ins Dunkel bringen, in dem Du die richtigen Fragen fragst.

Aber ich hab es mir auch wirklich selber eingebrockt. Ich wollte ein anderes Leben. Nun sitz ich hier. Und es bleibt nur eine Möglichkeit, um hier klarzukommen. Dieses Leben zu leben und zu lieben. Das ist das, was mir realistischerweise bleibt, zurück kann ich nicht mehr. Aber ich bin auch ein wenig blauäugig. Ich habe gedacht, ich komme hier an als komplette Katrin, als eine Person, die alleine existieren kann, die glücklich ist mit sich selbst. In jeder Situation, die durch mich selbst gesteuert wird. In der ich stets souverän und mit einem Strahlen im Gesicht ganz natürlich und in mir selbst ruhend auf die Menschen zugehe und entspannt mit ihnen umgehe. Aber so einfach ist das leider nicht.

Ich habe – von den verrückten, notwendigen, überfälligen, herbeigesehnten Selbstfindungsaktionen meinerseits mal abgesehen – eine weitere wichtige Sache vergessen. Dass ich mich hier in eine Beziehung begebe. Und das ist tatsächlich das, was das Ganze erst so richtig kompliziert macht. Und dabei ist eigentlich alles gut. Ich bin wirklich glücklich mit Emilio - aber dass wir in Harmonie miteinander umgehen, ist nun mal nicht immer der Fall, und manchmal kommen bei mir ernsthafte Zweifel auf, ob es richtig ist, mit ihm zusammenzusein, zumindest für mich als die Person, die ich in dieser Beziehung bin. Denn irgendwie bin ich in etwas reingeschliddert, dass ich so ganz bestimmt nicht wollte. Und das mir nun zum Verhängnis wird. Denn ich habe Probleme, mich damit abzufinden, wie ich mich in manchen Situationen mit ihm verhalte. Ich mag mich so einfach nicht, und das bringt mich extrem aus meiner mühsam austarierten Balance. Ich bin sogar manchmal ganz entsetzt, wie blöd ich mich dann finde. Da betreibe ich einen Riesenaufwand, mich als unabhängige Selbstverwirklicherin neu zu definieren, auf der anderen Seite mache ich hier in durch uns beide irgendwie hervorgerufenen, zum Teil extremen Krisensituationen, die in manchen Dingen auch eine echte Augenöffnerfunktion erfüllen, oftmals eine auf verunsicherte Beziehungskistentussi. Das ist ein Kontrastprogramm, das mir so gar nicht behagt. Ich glaube, weder die eine noch die andere Rolle entspricht der wirklichen Katrin.

Gerade deswegen bin ich mal wieder ziemlich traurig. Ich glaube, ich mache es mir mit allem ziemlich schwer, denn ich müsste einfach das loslassen, was mir in meinem Leben so zur Last fällt. Ich geb mir gewohnheitsgemäß beste Mühe, vor mir selbst zu flüchten, auch, weil ich mir gewissen Schwächen einfach nicht eingestehen will, aber nun bin ich gerade an dem Punkt angelangt, wo ich mir gegenüber wirklich schonungslos ehrlich bin. Dass da Sachen und Verhaltensweisen sind, die so einfach nicht klargehen. Dass es wohl so ist, dass ich mich wirklich ändern muss, um weiterzukommen. Denn hier passieren mir ähnliche Dinge wie zu Hause, und auf diese Art und Weise drehe ich mich im Kreis. Und wenn ich dann immer wieder vor meinem eigenen Unvermögen erschrecke, dann merke ich es auch selber, ohne, dass es mir jemand an den Kopf knallt oder vorhält oder lieb erklärt: Ich stelle mich manchmal einfach doof an, wie ein naives Kind. Aber diese Rolle wird langsam ein wenig unglaubwürdig und ist mir selbst nur noch unlieb. Ich bin weder naiv noch Kind. Täglich grüßt das Murmeltier für den Rest meines Lebens, weil ich zu feige, zu faul, zu schwach oder zu verängstigt bin, das Gute in mir und anderen zu sehen und mich an den positiven Dingen zu orientieren? Ich denke: Nö. Das kann es doch nicht sein. An blöden Dingen festzuhalten, nur weil einen die Aussicht auf all das Gute, das sein könnte, verunsichert. Weil man nicht dran glaubt, nicht an sich selbst glaubt?! Nee. So nicht. Der Herausforderung, mich bewusst weiterzuentwickeln und meinen Ängsten ins Gesicht zu schauen, will ich mich stellen.

Denn eines kann ich mit Gewissheit sagen. Je länger es dauert, bis ich endlich in mir selbst ruhe und mit mir im Einklang bin, desto länger halte ich mich davon ab, das Leben zu leben, das ich mir ersehne. Wir sind alle in der Lage, unser eigenes Leben zu steuern; unsere Wünsche und Sehnsüchte und Verlangen liefern die Impulse, die die unsere Richtung bestimmen. Und ich brauche für die Dinge, die ich mir wünsche, unheimlich viel Power und Kraft. Wenn ich nicht an mich selbst glauben kann, dann bin ich verloren. Ich glaube, das ist tatsächlich der tiefe Sinn, warum ich hier bin. Ich bin ins Wasser gesprungen, um zu sehen, ob ich tatsächlich schwimmen kann. Denn für das, was ich möchte, muss ich es können. Und vielleicht ist es auch dieses Wissen, dass mich ein wenig runterzieht und mir die Luft zum Atmen nimmt. Da ist Druck im Nacken. Wenn ich untergehe, gehe ich unter, weil ich es selbst nicht auf die Reihe kriege, das zu tun, was ich tun muss. Ich weiß es. Nun muss ich auch so handeln und nicht wie ein Kind in Panik verfallen, wenn ich in einer Situation bin, die ich nicht souverän beherrsche – eigentlich alle Situationen hier, das ist der springende Punkt. Ich will es nicht einfach nur versuchen. Ich will es können.

Was ich will? Nun, hier kommen wir zum nächsten Punkt. Ich will etwas Neues. Eine neue Definition von mir als die Person, die ich bin mit all den Eigenschaften, die mich definieren, auch als schöpferisches Wesen. Einfach eine sich fortwährend immer weiter von der eigentlichen Basis des infantilen Musikjournalismustiles entfernende Person zu sein gibt mir nichts. Mehr. Das wird mir hier bewusst. Ich will mehr. Ich bin mehr als das. Ich brauche mehr Input. Ich muss mich noch weiter öffnen, weil ich noch nicht da angekommen bin, wo ich hinmöchte. Meine Bestimmung ist eine andere. Doch welche? Das ist hier die Frage, die Frage, die sich anfühlt wie die absolute Gretchenfrage, die meinen Aufstieg oder Fall definieren wird. Erkenne ich mich selber nicht, werde ich mich nicht finden. Meine Angst: Dass ich eine der verlorenen Seelen sein werde, die ich täglich um mich habe, die mich umgeben und die doch nichts mit meinem Schicksal zu tun haben, die mich eigentlich nicht berühren. Es scheint, als ob meine Ängste eng mit meinen Selbstzweifeln verknüpft sind. Dass ich diejenige bin, die bisweilen tief innen drin beschlossen hat, dass es mir vielleicht einfach nicht vergönnt sein soll. Dass ich nicht ich genug bin, um wirklich glücklich und zufrieden meinen Platz zu finden, den ich finden muss, um meiner Bestimmung zu entsprechen.

Was bin ich? Eine sich häutende Reptilie? Eine zum Schmetterling werdende Raupe? Manchmal sehe ich die Ironie meines Schicksales als eine schon fast augenöffnende Wahrheit: Da bin ich auf der anderen Seite der Welt und tauche in eine andere Kultur ein, nur, um mich mit mir selbst zu beschäftigen. Ich scheine den eigentlichen Herausforderungen noch nicht gewachsen, kann hier nicht als normale Person, die so richtig an allem teilnimmt, auftreten und so richtig souverän handeln und in meiner neuen Rolle so richtig aufgehen – wie es zum Beispiel in England, in Leicester, der Fall war, wo ich alle Gelegenheiten wahrgenommen und beim Schopf ergriffen habe als hänge mein Leben davon ab, mich endlich selbst zu erkennen, und gewissermaßen stimmte das auch –, und gleichzeitig nutze ich meine außenstehende Position nicht, nicht genug, um als exotischer Freak eine Sonderstellung einzunehmen, aus der ich als Kreative so richtig schöpfen kann. Das ist meine Aufgabe, glaube ich, für die nächsten Wochen. Hier so richtig mit zwei Füßen auf dem Boden stehend meine Hemmungen abzuschütteln und ich selbst seiend die Mitte zu finden.

Uff. Wenn das nicht genau die Bewusstwerdung war, die ich selbst gebraucht habe, dann weiß ich es auch nicht. Danke, dass Ihr alle für mich da seid und mir die Kraft für solche Texte – ein Ersatz für unsere Gespräche ?! – gebt. Viele von Euch waren schon immer Schlüsselpersonen für mich und Ihr werdet es bestimmt auch noch oft sein. Unseren Weg müssen wir gehen, und zum Glück kreuzen sich unsere Pfade immer wieder und wir können nicht nur für einander da sein, sondern auch aufeinander zu gehen. Das können nur wenige. Ich freue mich riesig darauf, dass vielleicht einer oder eine von Euch mich hier besuchen kommt, denn ich glaube, tief in Euch drinnen habt Ihr genau die gleichen Kräfte, die auf Euer Schicksal wirken, wie ich. Die Welt ist für Euch das Gleiche wie für mich, der Ort, an dem ich Euch sehen kann. Ich sehe Euch, genau wie Ihr Euch, als sich selbst bewusste Personen, die sich selbst bestimmen, und das Ziel werden wir alle irgendwann erreichen. Als Personen, die sich selber dort hinbegeben haben, um das für sich zu tun, was notwendig ist.

Was macht Ihr jetzt??? Ich denke an Euch. Ganz fest. Schlappt ne Eiskugel und denkt mit nem dicken Grinsen an alle, die Euch gut draufbringen! Buena onda – ne gute Welle – bringt es.

In Liebe
Kat

P.S. Das Bild ist doof. Aber zur Zeit liegt mein Domaine-Name leider blank und meine Nerven auch, weil ich nicht an die PLanetkat-Unterverzeichnisse komme.


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