28.09.2008

Akiko Kiyama - Musik als Sprache +++ RL ARCHIVE JUL 08

Seven Years”: Was so klingt wie der Sequel-Titel eines japanischen Horrorstreifen à la „Der Fluch“, in dem jene von einer tödlichen Energie konsumiert werden, die mit ihr in Berührung kommen, ist in Wirklichkeit der Name des ersten Albums der Japanerin Akiko Kiyama (erschienen auf District of Corruption), eines der beeindruckendsten Erstlingswerke des Jahres. Was nicht ganz überraschend kommt, denn wer Akikos Releases auf Sud Electronic, Contexterrrior, Safari Electronique und Revolver kennt, weiß, wozu die kleine Japanerin, die in Tokyo und Berlin zu Hause ist, fähig sein kann (und ist auch nicht verwundert, dass ihre Tracks in Bookashade- und Hawtin-Mixen ihren Einsatz finden).

Techno in seiner pursten, reduziertesten Essenz in kühl kalkulierter Weise ganz genau auf den Punkt gebracht und dabei leidenschaftlich und voller Aussagekraft, in dem „das Unbedeutsame, Traurige und Schwache dynamisch, kraftvoll und emotional klingt“, wie Akiko selbstanalytisch in Worte fasst, was ihre Musik ausmacht. Mal sehr treibend progressive, mal fast schwelgerisch elektronische, aber immer zeitlose klingende Maschinenmusik, in der alte Traditionen großer Techno-Meister wie Jeff Mills, Daniel Bell oder Fumiya Tanaka in modernster Form weiterleben, da Akiko, eigentlich eine klassisch ausgebildete Künstlerin, sich Musik in ihrer Essenz nicht nur verinnerlicht, sondern auch zur Eigentherapie gemacht hat. „Vor sieben Jahren hatte ich einen Punkt der absoluten Leere erreicht. Ich habe jeden Tag geweint“, erzählt Akiko. Der intime Akt, Musik zu machen, die, von Herzen kommend, zu ihr sprach, half Akiko, sich und ihr Leben wieder zu füllen.

Das Album zeichnet diese sieben Jahre der Selbsthilfe nach. Gekonnt kombiniert Akiko zarte, filmsequenzartige Exkurse mit vorwärtstreibenden Beatstrukturen, und baut so methodisch und akribisch dreidimensionale Soundgebäude, dass die Tracks vor greifbarerer Methaphorik nur so zu strotzen scheint und dabei alles andere als ätherisch klingt. Selbst traditionelle japanische Instrumente werden so zu Techno. Ihre Musik kommuniziert zugleich eine direkte und poetische Abstraktion, die der der japanischen Sprache nahekommen, die reich an Lautmalereien ist: Geräusche, die widerrum Geräusche beschreiben. Eine Sprache, die direkt zu all denen spricht, die Rhythmik und Dynamik von verinnerlicht haben. In seiner reinsten Form.

 

 

Text: Katrin Richter vom Planetkat.com.


KLink:

www.myspace.com/akikokiyama

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