26.09.2008 Rick Wade: Metrodetroit Shadow Clone Jutsu +++ RL ARCHIVE MAY 08 |
Rick Wade, moeglicherweise der sanfteste Produzent der Second-Wave-Detroitartists, hat sich mit seinem neuen Album „The Good, The Bad And The Deep“ auf Andy Vaz’ Yore Records neu erschaffen -- ohne seine Molekularstruktur zu aendern. Ein Paradox, aber moeglich: mit Hilfe einer nicht ganz legalen Ninja-Technik, die sich Shadow Clone Jutsu, Koerperteilung, nennt. Bereits mit der Release von „Night of The Living Deep“, erschienen auf Yore im letzten Jahr bewies Wade - seit den fruehen Neunzigern als DJ und Produzent aktiv und seit 1994 Betreiber des Labels Harmonie Park - dass er besondere Faehigkeiten hat: auf warme Art Deep zu werden. Laut Vaz eine Qualitaet, die heute vielen Produzenten abgeht, weswegen er sich mit Yore der (Wieder-)Entdeckung und Praesentation von zeitlos klingenden Artists verschrieben hat. Wade ist so einer. „Meine Freunde machen sich ueber mich lustig“ Wie kaum ein anderer verliert er sich ungeniert in den Weiten seidenweicher Chords und klingt daher smooth, warm und Akkord-lastig wie sonst kaum ein Produzent. Komplett in seiner eigenen Welt lebend produziert Rick ohne Interesse an Trends und Tendenzen, Moden und Marotten der elektronischen Musikszene einen zeitlosen Sound, der vor allem ihn selbst -- gluecklich machend -- gluecklich macht, doch deren Vibes von gestern sich auch ohne Probleme fuer die von heute oder Morgen ausgeben koennten, ohne dass man dort als Nichtexperte einen Unterschied hoeren wuerde. Weil sich in der Welt alles zyklisch wiederholt und Fortschritt Rueckschritt bedeuten kann, wird Wade somit alle paar Jahre von neuem aus dem verschlafenen Suburb Oakpark, Metrodetroit, geholt und neugierig ins Rampenlicht gehalten, wo sich Rick (auch bekannt als The Angry Pimp, 24K, Big Daddy Rick, The Graphic Alchemist oder DarkSkills - je nachdem ob er als House- oder Ghettotech-DJ und -Producer in Erscheinung tritt oder als Graphic Artist) gut macht. Stolz und stark und, weil in Scheidung lebend, fast allein erziehenderd, hat sich der im Computer-Support arbeitende Wade in einen Ninja verwandelt -- zumindest Samstags abends, wenn all die Animes im Fernsehen laufen. Ein Ninja, der nur selten Clubben geht. „Meine Freunde machen sich schon ueber mich lustig“, lacht Rick. „Ich habe mich gefragt, ob es mir moeglich ist, mich selbst in einem Track wiederzuerschaffen.“ Der in Anime-Kreisen auch als „Dark Soldier“ bekannte, auf Conventions komplett wie ein japanischer Krieger gekleidete Wade, der in der magischen Achse zwischen Detroit und Chicago aufwuchs und so beiderlei Sounds verinnerlichte und lebte -- legte und produzierte immer genau zwischen den Stuehlen sitzend. Als housigster aller Detroit-DJs, wie er auch mit seiner eigenen, flink gemixten Radioshow "Journey To The Land of House" auf WCBN bewies, schien er einen anderen Stil zu repraesentieren, der in Detroit unterschwellig aber immer praesent war und ist „und von zahlreichen Protagonisten a la Huckaby und Kid Mesh verkoerpert wird -- auch wenn man die nicht auf dem DEMF zu hoeren kriegt“, sagt Rick: soulig, groovig und Referenzen nicht nur im Techno und House findend, sondern genauso natuerlich im klassischen Discosound, frivolen Funk und Laidback Jazz. Und in Ricks Fall auch im Ghettotech. Denn: Er hat besagte Evil-Ninja-Technik Shadow-Clone-Jutsu angewendet und so schlich sich „Forbidden Jutsu“ auf das Album: „The Good, The Bad And The Deep“. „Ich habe mich gefragt, ob es mir moeglich ist, mich selbst in einem Track wiederzuerschaffen,“ erklaert Rick mit der Engelsgeduld eines guetigen Zen-Meisters Rick ist ein freundlicher Mensch; seine ganze Natur, die auch musikalisch seinen „Rhythmic Emotion“-Vibe (wie er es nennt) ausmacht, entspricht der sanften Wohligkeit seiner Produktionen -- und Images. Seine grafische Identitaet als 2D- und 3D-Artist fand er kurz nach der Geburt seines ersten Sohnes, dem die er nachts die Flasche gab, beim Anime-Gucken und mutierte so in den letzten neun Jahren in einen gelernten Graphic Artist. Nebenher produziert er in langen Nightsessions Unmengen von Tracks, die er auf Vorrat bereithaelt, falls einer seiner Freunde -- Mike Grant, der das Moods’n’Grooves-Label betreibt, auf dem Wade gerne releast, oder sein bester Kumpel Mike Huckaby -- ihn dazu bewegen, mal wieder „ein gutes Zuhause fuer n paar Tracks zu finden“, lacht Wade. So endeten am Ende Dutzende von Tracks bei Andy Vaz und zehn auf dem Album, das so ausgeglichen und glatt und schoen klingt, dass man zwar fast die rohe Kraft eines Theo Parrish vermisst (der uebrigens auch auf Hamonie Park releast hat. Geplant sind jetzt aber erst mal zwei EPs von Huckaby, der auch einige Zacken zugelegt hat), dann aber zwischen den Zeilen die hohe Energie des Ghettotechs heraushoeren kann, wenn man sich ganz doll Muehe gibt -- und somit etwas ganz Neues entdeckt -- das doch zeitlos klingt. Noch mehr „Forbidden Jutsu“. Ihr seid gewarnt. Heavy Cloning Text: Katrin Richter/Kat from Planetkat.com. Cheers: Rick. Lakuti. Marcus! KLink: http://www.myspace.com/rickwade1 |