25.08.2008 Deckmonsters: Burn Your Vinyl! +++ RL ARCHIVE APR 08 |
Zwei bis drei Mischpulte, vier Turntables, vier flinke Hände und zwei pfiffige Köpfchen mit Faible für monströse Tracks, kombiniert mit verrückten Tricks und Überraschungsmomenten ohne Ende - das ist das Erfolgskonzept der Deckmonsters. Christian Fischer und Marcos Santos aka DJ Murphy heißen die beiden eigentlich, wenn sie sich nach getaner Arbeit wieder in ihre normalen DJ-Persönlichkeiten zurückverwandeln. Ihr Arbeitsplan: Platten zocken. Party rocken. Turntables anzünden. Darauf herumspringen. Scratchend. Die Party noch mehr rocken. Und die Leute mit ihren Aktionen zum Staunen zu bringen. „We come to entertain“ ist das Motto, das diese beiden Clubfreaks mit Riesenspaß an der Sache bei jeder ihrer Live-Shows ausleben. Ihr Sound: alles, was die Leute zum Ausflippen bringt. Raveline flippte mit. Denn im April erschien nicht nur der Deckmonster-Teaser und das gleichnamige Album, sondern auch ein CD-Mix-DVD-Pack auf Patterns. Triple Vision Der Erfinder des Namens Deckmonsters geht auf Ben „The Finger“ Long zurück, ein UK-Techno-Urgestein, der auch einem Guy-Richie-Movie entsprungen sein könnte. Genau wie diese Szenen: „Er hat diesen Begriff - vor zwei Jahren war das ungefähr - in Monaco am Casinotisch rausgehauen, nachdem wir dort mit ihm gespielt haben.“ erzählt Christian Fischer. Long dazu: „Als ich Murphy zum ersten Mal spielen sah, beschloss ich, in Rente zu gehen.“ Es bleibt der Fantasie überlassen, was damals an den Turnies vonstatten gegangen sein muss, um den Vierdeck-Master Long (erstaunlicherweise immer noch nicht pensioniert J ) zu solchen Lobeshymnen zu bewegen, aber man kann getrost davon ausgehen, dass es Murphys Scratch-Künste, gepaart mit Christians Gespür, zum richtigen Moment die richtigen Platten zu legen, und ein paar Long-Drinks (sic!) waren. Kein Understatement also. Was die Deckmonsters an den Turntables treiben, hat vorher noch kein anderer DJ versucht und/oder vollbracht, und es bringt nicht nur diejenigen, die glauben, ein DJ habe eine gewisse Obligation zu entertainen, zum Jubilieren. Sie bringen die Show zurück in die Technoclubs. Was sie direkt auf die Mainstages katapultiert hat: Mayday, Nature One, Summer of Love, to name but a few. Tem Lenha Die Geschichte der beiden Deckmonsters begann vor einigen Jahren, als der Leipziger DJ Christian Fischer bei seiner ersten Brasilientour auf den megatalentierten, in Sao Paulo lebenden Resident-DJ Marcos Santos traf. Bei einem gemeinsamen Gig im A-Loca, einem der krasstesten Technoclubs Brasiliens, überreichte Marcos alias Murphy dem aufgeschlossenen Herrn Fischer eine CD mit einem kultigen, perkussiven Techno-Track namens „Tem Lenha“, den Fischer darauf hin völlig hin und weg auf seinem Imprint Definition Records releaste. Vor Innovation und Lebensfreude nur so sprühend vermochte es Marcos, dem Techno eine Facette abzugewinnen, die nur die wenigsten zu erfassen vermögen. Die Freude, die er daran hat, bei 150 BPM noch einen Breakbeat-Scratch drüberzulegen, der die Leute erst recht aufpeitscht, sieht man ihm nicht nur an - er überträgt sich auf die Tanzenden. Spaß ist das Stichwort: „Unsere Sets sollen Spaß machen. Feiern gehen soll Spaß machen. Deswegen ist bei uns auch alles offen und alles möglich.“ Der Deckmonsters-Sound kann daher von heavy basslastigen Breaks über Maximalhouse bis zu heftigestem Techno reichen, wobei Genres fließend ineinander übergehen. „Murphy und ich sind beide jahrelang Residents gewesen und es daher gewöhnt, 8-Stunden-Sets zu spielen. Da kann man nicht immer nur Vollgas geben, sondern muss die Leute zu entertainen wissen.“ We Know How To Entertain An ihrem Konzept feilen die beiden Copperfields der Technoszene - die mittlerweile beide mit Final Scratch (und, in Marcos' Fall auch mit CD-Playern) auflegen - non-stop. Sie sind davon überzeugt, dass man sich immer etwas Neues einfallen lassen muss, da die Leute mittlerweile mit einer Erwartungshaltung zu ihren Gigs kommen - womit sie nicht unrecht haben. „Zu unserem diesjährigen Mayday-Auftritt können wir allerdings nur verlauten lassen, dass sich die Leute in den ersten Reihen auf Interaktion gefasst machen sollen!“ freut sich Christian. Die spielerisch-experimentelle Herangehens- und Denkweise, die die Deckmonsters in ihrer Show zur Schau stellen, demonstrieren sie auch mit ihrem ersten Album-Release - beide Künstler, die als Soloartists auf einen riesigen Katalog von Releases auf den verschiedensten Labels zurückblicken können - wagen sich unter dem Deckmäntelchen der Deckmonsters, im Studio auch mal dem anderen den Vorzug an den Reglern zu überlassen. So stammen einige Tracks aus Christians, andere aus Marcos' Feder - und dann sind ja auch noch Remixer wie Boriqua Tribez, Wehhba, A. Paul, Industrialyzer, Eric Sneo, Carl Falk, Ascent, Vortechral, Elton D und Ian Void, mit an diesem Mix-und-Match-Release beteiligt, die allesamt ihre Interpretation alter und neuer Deckmonster-Tracks hinzusteuern. „Zusammengewürfelt zu einem großen Ding“ gestaltet sich das Deckmonster-Album, begleitet durch einen gleichnamigen Mix-CD-DVD-Pack als multimediales, multifacettiertes, stilistisch alles andere als festgefahrenes Party-Paket. Macht es auf. Text: Kat @ Planetkat.com. Pics: The Deckmonsters. KLink: http://www.myspace.com/deckmonster |