16.06.2008 Milkshake aus der Minibar: Shake Your Titties mit Cabanne ++ RL ARCHIVE 08 |
![]() ![]() Jean-Guillaume Cabanne ist ein Schlingel: Er mag Minibars, hält sich aber eigentlich selten lange genug in Hotelräumen auf, um sie zu leeren. Lieber chillt er entspannt bei seinen Freunden zu Hause ab. Und Freunde hat der vergnügte Minitec-Produzent eigentlich überall. Doch da er nun auch schon so einiges Mal in den Hotelzimmern dieser Welt versumpft ist, eigentlich recht viel - von Berlin zum Perlon-Strumpfen, bis die Brille beschlägt, bis Cordoba in Argentinien ist jede Art von Destination dabei, savoir vivre eben -, hat er doch schon genug Minibars von innen gesehen, um zu folgender Schlussfolgerung zu kommen: „The Minibar Is A DJ's Best Friend“. Da ja gute Gedanken grundsätzlich die Grundvoraussetzung für gute Projekte sind, wurde aus dem Konzept bald eine ganze Compilation: Minibar 1 - Milkshake. Ausgestattet mit von Cabanne liebevoll designtem Booklet, komplettiert durch eine Abendmahlszene, in der man die kleinen armlosen Minibar-Artistfigürchen fröhlich beim Supper rumhängen sieht. Deutlich wird: wo Franzosen essen und trinken, wird Lebensfreude zelebriert, und das ist auch das Motto von Minibar Records. Wo die Minibar-Gang aufschlägt, holt das Hotelpersonal einen Refill. Ja, Minibar, die Label-Posse, die sich um Cabanne und Spasm aka David Gluck gebildet hat und aus Konsorten wie Seuil, Agnes, John Thomas, Barbara Goes, Ditch, Your Mad Friend und Linc besteht, ist ein ganz schön fröhlicher Haufen... Roomservice Refill Allen voran Jean-Guillaume, der gerne auch mal in Kooperationen Tunes rausbounct, wie die zahlreichen Veröffentlichungen unter dem Namen Copacabannark (J-Gi mit Ark) und Ultrakurt (mit David Gluck) beweisen. Ja, Cabanne lässt den alten Bandspirit auch in der elektronischen Musikproduktion raushängen. Seine ersten Jahre als Musiker verbrachte er happy als Gitarrist in einer Pariser Funkband - womit er sein Schicksal mit anderen französischen Minimalproduzenten teilen, die sich im Umfeld des Karat-Labels suchten und fanden. Warum allein vor Maschinen buckeln, wenn man mit ein paar Leuten zusammen Beats basteln und sich dabei kaputtlachen kann? Dass er seine Finger sowieso in jedem Milkshake hat, hört man auch an seiner Mukke. Er ist nicht nur zum Teil für das Signen der Artists der berüchtigen Post-Office-Serie auf Telegraph zuständig, sondern auch bei Circus Company shakt er mit. Überhaupt nicht festgelegt und doch recht zielgerecht auf eine Hörerschaft zugeschnitten, die sich für minimale Strukturen in einem quirkig-funkigen Kontext interessiert ist, der, neben Spaß zu machen, auch durch eine Unterfütterung von jazzy Vibes eine gewisse Sophisticatedness aufweist, let´s call it French Freak Chic. Shake The Milk Und warum heißt der Mix jetzt eigentlich Milkshake, cher Jean-Gi? Das ist doch der einzige Drink, den man wirklich NIE in einer Minibar vorfindet? „Nun ja, wie wahr,“ grinst Cabanne, „aber mit ein bisschen Glueck kann ja der Roomservice helfen.“ Ganz bestimmt. Eine discoide Bassline hier und ein sexy Stöhnen dort beweisen: Hotelrooms will be hotelrooms, Afterpartystylee eben komplett mit „Crackwhore“, „P-Style“, „Dance“ und „Massage In A Bottle“. Nuff said. Ein kleiner Flirt mit dem gar ein wenig obszön anmutenden French-Cheese kann man sich mit einem zwinkernden Micro-Auge auch leisten, gerade, wenn man wie Cabanne - anders als Produktionspartner Ark bereits die verruchtesten Abstecher in Discohousegefilde gemacht hat und durch Gabber (oh yes) seinen Einstieg in die Szene gefunden hat - eigentlich ein ganz gechillter, belesener Typ ist. Womit er sich ganz offensichtlich pudelwohl fühlt. Selten hat ein Minimix so geshakt wie die Minibar-Compilation, die vor guter Laune nur so sprüht. Ein Milkmixshake eben! Words & Fruitcocktails bei 41 Grad: Kat @ Planetkat.com. Fotos: Minibar. Gracias: n'eric KLink: http://www.minibar-music.com/cabanne/ |

