01.07.2008 Davide Squillace: “Ich will mein Schicksal nicht kennen!” ++ RL ARCHIVE FEB 08 |
Was wie eine perfekte Frauenzeitschriften-Headline daherkommt, bringt tatsächlich perfekt auf den Punkt, was den Reiz des Techno-DJs und Produzenten Davide Squillace ausmacht. Ein jugendlicher Laissezfaire-Style, der Weiterentwicklung und Neuerfindung in einem spannenden Kontext - zu den Outlets seiner innovativen Technosounds zählen nicht nur seine mittlerweile auf drei Labels herangewachsenen eigenen Imprints Minisketch, Titbit und MD500(ltd), sondern auch so respektierte Labels wie Ovum und CMYK - zulässt und vielleicht sogar voraussetzt, gepaart mit mediterraner Lebensfreude und südländischem Flair, das alles zusammengenommen macht den Neapolitaner zu einer der spannendesten (Wieder-)Entdeckungen im Techno-Kanon. Stark beinflusst vom Sound der für ihren perkussiv-feurigen Looptechno international bekannt gewordenen Napoli-Posse um Marco Carola und Gaetano Parisio begann Squillace während seinem studientechnischen Intermezzo in London Techno zu produzieren, was zu ersten Releases auf Primate und Contrast führte. Zurück in Neapel in Barcelona neu erfunden wiedergefunden, ohne es darauf angelegt zu haben, seine Karriere in neue Bahnen zu lenken, machte Davide da weiter, wo er aufgehört hatte. Heute ist der fidele und lebensfrohe Italiener mit dem charmanten Akzent Teil des farbenfrohen Balearen-Circusses: Auf Ibiza heizt er als Circo-Loco-DJ einem partywütigen internationalen Publikum ein und feilt fröhlich an seiner Universaltauglichkeit als DJ, als Produzent taucht er dank neuer Technologie und neuer Sounds immer weiter in den Microkosmos der Musik ab... „Neapel war schon immer eine Stadt der Musik und des Theaters...“ ...ohne dabei jemals seinen Fokus auf Rhythmus aus den Augen zu verlieren: David ist der perfekte Prototypus eines mediterranen DJs, der zu einer der Schlüsselfiguren jenes Lebensgefühles geworden ist, das an der dortigen Szene so fasziniert: relaxt und doch rolling, groovy und doch tempramentvoll genug, um nicht nur die verspulte After, sondern auch den anspruchsvollen Mainfloor in Atem zu halten. Eine interessante Entwicklung für den Italiener, dessen „sensibler“ Technostyle von Anfang an für Furore sorgte und gerade seine Landesgenossen verblüffte. Denn Davide weiß zu tanzen. Der heute 30-jährige, eigentlich in Siena geborene und dann in Neapel aufgewachsene Squillace tanzte als Heranwachsender so gerne, dass er irgendwann, um 1995 herum, als funky feiernder Promoter Teil der Technoszene wurde, von der Sonorität elektronischer Musik magisch angezogen. „Neapel war schon immer eine Stadt der Musik und des Theaters. Es gibt Tausende von Clubs, deswegen spielt elektronische Musik eine Riesenrolle. Die Szene in Neapel hatte einen Rieseneinfluss auf mich, und ich fühle mich auf ewig damit verbunden, auch wenn ich nun, erwachsen geworden, eine eigene Persönlichkeit und Vision habe, was das alles angeht.“ London Sound Mit 18 zog Davide nach London, um dort und in die dortige Szene einzutauchen, was ebenfalls nachhaltigen Einfluss auf seinen Style hatte. Sonore Sounds hatten es ihm nach wie vor angetan, und so fing er an, Techno zu produzieren, für die er auch direkt Outlets zu finden vermochte. „Zu diesem Zeitpunkt waren in England eine Menge genialer Leute aktiv; heute sehe ich riesiges Potential in Spanien - es gibt kaum ein Land, in dem so enthusiastisch gefeiert und produziert wird“, resümmiert Davide. Seinen Sound, den er nach seiner abgeschlossenen Ausbildung als Soundingenieur noch zu verfeinern vermochte und den er perfektionierte, als er, 1999 nach Neapel zurückkehrend, von der dortigen Szene mit offenen Armen aufgenommen wurde, mittlerweile auch immer skillvoller an den Turntables. „Je mehr und je internationaler man spielt, desto mehr versteht man, wie sich der eigene Sound und Form aufzulegen auf die Leute auf dem Floor auswirkt.“ 2001, nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen hat, releast er erneut Tracks auf Labels wie Design Music und Conform, gibt sich aber nicht zufrieden, und ruft sein eigenes Label Minisketch ins Leben. „Mir gefiel es nicht, dass meine Musik den Ansprüchen anderer genügen musste und viel zu viel gefiltert wurde.“ Eine Entscheidung, die sich lohnte. “Ich will nicht gefiltert werden” Dass seinen Produktionen keinerlei Stylezwängen - „deep ist dope, und techig, und minimal, und elektroid, alles“ - mehr unterliegen und er sich immer weiter entfaltet, merkt man, und dass seine Entscheidung zur Eigenständigkeit Schule machte, ebenfalls. Um Squillace gruppieren sich zahlreiche talentierte Produzenten aus dem mediterranen Raum, wie zum Beispiel Produktionspartner Swat-Squad, Paul Ritch und Paco Osuna, aber auch internationale Breakthroughtalente wie Dokser. Kürzlich folgten weitere Labels. Da ist zum einen Titbit, ins Leben gerufen mit Freunden, um Freude in Form von Dancesounds im 4/4-Rhythmus zu transmittieren und auf dem Davide unter seinem Alter Ego erikOtanabE sowie Talente wie Mark-Henning und Mikael Stavostrad in Erscheinung treten, dann zum anderen sein neuestes Venture M500 (ltd), auf dem auf 500 Vinylcopies limitierte Scheiben von Newcomer-Produzenten wie Zentex, Sossa und Shoxy erscheinen werden. Alles in allem spannende Neuentwicklungen, über die sich Davide riesig freut. Geplant war an seiner Karriere wenig: „Solltest du mein Schicksal kennen, behalte es für dich. Ich will einfach nur leben“, lacht er. Soll er! Text und Interview: kat @ planetkat.com. Fotos: Courtesy of Zen. Cheers: Rozzzy! KLink: http://www.myspace.com/davidesquillace |