22.06.2008

Was macht eigentlich… Aril Brikha? +++ RL ARCHIVE JAN 08













Der schwedische Produzent und DJ Aril Brikha wird oft in einem Atemzug mit den Detroiter Produzenten Derrick May und den anderen Originatoren aus Motorcity genannt. Grund dafür ist sein 1999 auf Transmat-Sublabel Fragile Records erschienenes Debütalbum „Deeparture In Time“, das dem vorher so gut wie unbekannten Stockholmer direkt einen weltweiten Durchbruch bescherte. Mit dem direkt zum zeitlosen Klassiker mutierten „Groove La Chord“ definierte er neu, wie deep und seelenvoll und dennoch spannungsgeladen melodiöser Techno klingen kann, und führte so das Erbe von Kevin Saunderson et al weiter. Seit einiger Zeit nähert sich Aril sich soundtechnisch, wie sein neuen Longplayer „Ex Machina“, bereits Mitte 2007 auf Peacefrog erschienen, sowie einige vorher auf Kompakt und Pokerflat erschienene EPs einer zeitlosen Form von Trance an, beweist. Kraftvoll schöpft er aus dem reichhaltigen Fundus von Sounds, das einst Progressive-Vertretern der frühen Northern-Exposure-Serie die Basis für ihren internationalen Erfolg bereitete.



Ex Machina



Schönste, synthetisch schimmernte Synthteppiche aus seidenweichen Sounds und Universen perlender Electronicmolecules, die den genetischen Trance-Code tanzen, programmiert der Weltreisende Brikha, der erst kürzlich - nach dem alters- und nutzungsbedingten Sterben einiger heißgeliebter Maschinen - auf Computer umgestiegen ist und nun auch begeistert seine eigene Musik live Laptop-DJt, mit einer weltfernen Klargeistigkeit, die keine Grenzen kennt. Verzückt und fasziniert von Eighties-Synthiesounds und eingängigen Strukturen, die im Mainstream oft an die Grenzes des Tolerablen stoßen, schafft er es einfach, in der Schönheit jener Soundästhetik zu schwelgen, die nur Maschinen hervorbringen können - „Ex Machina“ eben -, ohne jemals Klischees aufzugreifen. Freihändig belebt er die Tugenden ehemals stark kommerzialisierter Musikströmungen wie Progressive und Trance neu, ohne sich jemals mit diesen auseinandergesetzt zu haben. Dass Aril dabei auf fundiertes Wissen zurückgreift, kann man nicht nur heraushören; auch seine Biografie liefert den Background für so ein umfassendes Verständnis von Musik.



The Art of Deeparture



Der Vater, ein Pianist, ließ ihn von klein auf am Klavier spielen und brachte ihm alles bei, was er über Musik wusste. Fundiertes Wissen, das sich in der Suche nach der eigenen Identität in seinen tiefen seelenvollen Tracks manifestierte, die nicht so richtig in bestehende Kategorien oder Modeschubladen passen wollten. In Schweden formierte sich zu diesem Zeitpunkt die Looptechnoszene, die weltweit Furore machen sollte. Aril, der als Kind zweier Iraner assyrischer Abstammung als 3-jähriger Junge nach Schweden gekommen war, schwebte indefinit zwischen den soundtechnischen Stühlen, und so releaste er in seinen ersten Jahren als Produzent zwar einige Stücke auf schwedischen Undergroundlabels, doch so richtig ins Konzept schien er nicht zu passen. Bis Freunde beim Hören seiner Musik das Stichwort Detroit fallen ließen.



„Ich bin, wer ich bin“



Nach drei in alle Welt versendeten Demos meldete sich damals unverzüglich Derrick May und signte die „Art Of Vengeance EP“, die er auf Arils für seine eigenen Releases ins Leben gerufene Art-Of-Vengeance-Labelprojekt bereits drei Jahre vorher selbst veröffentlicht hatte, für das Transmat-Schwesterlabel Fragile, die Leute mit „Groove La Chord“ auf andere Bewusstseinsebenen zu, ähm, groovend. Auf diesem Level operiert Brikha noch heute. Niemals überstürzte Aril sich, „das Equipment versetzend, damit ich vorankomme oder so was“; alles kam dann, wann und wie es kommen musste. Zu sich und seiner Musik sagt Aril einfach: „Ich bin, wer ich bin; ich weiß nicht, wie es anders sein könnte.“ Diese stoische Selbstsicht hat Aril schon zu den abgelegensten Winkeln dieser Welt geführt und in die höchsten Sphären, und doch ruht der kleine Mensch mit Brille stets ganz einfach in sich selbst.



„Music Is Personal“



Lange Zeit nur mit Keyboard und Drumcomputer ausgestattet, programmiert sich Aril seine Sounds - „kein Presetsnonsense“ - komplett selbst und spielt dann alles live ein; Stück für Stück werden seine Tracks so zu handerlesenen, zeitlosen Stücken, die jahrelang gesammelt werden, bevor sie erscheinen. Nicht eine Minute zu früh. Anachronistisch-futuristisch und jenseit von Konsenz und Konventionen, doch ohne jemals mit irgendwas zu brechen. So sind die elf Stücke von „Ex Machina“, genauso wie seine beiden 2007 erschienenen EPs persönliche schillernde Primetime-Megamonster so voll von Magie und Lebensfreude, das man vemuten möchte, dass sich Aril Anfang der Neunziger Glowsticks schwenkend auf einem Rave irgendwo in Südengland aufgehalten hat. Hat er aber nicht. „Ich hasse die Neunziger“, schnaubt er. „Meine Musik klingt persönlich, ob warm und seelenvoll oder kalt und abstrakt: Ich mache Melodien, weil es das ist, was ich kann.“



Worte und Interview: Katrin Richter at planetkat.com

Fotos: Courtesy of Peacefrog.

Thanks: Aril & Phil.





KLink:



Link: www.myspace.com/arilbrikha

Newsletter PlanetFriends CONTACT