16.05.2008 Morgan Page: A Subtle Difference +++ RL ARCHIVE DEC 07 +++ |
Sein im Internet als Gratisdownload angebotenes Coveralbum „Cease And Desist“ machte so lange die Runde, bis selbst Majorlabels wie Warner, Geffen und Virgin auf den kreativ zur Sache gehenden Page aufmerksam wurden. Doch anstatt ihn zu verklagen, erkannten sie Pages Potential und heuerten den Produzenten an. Seine Remixe für Eightiespoprocksterne wie Stevie Nicks und Klone wie Soda Inc mögen Geschmackssache sein, doch seine Geschichte beweist, dass man mit im Internet verbreiteten Qualitätsremixes und guten Ideen durchaus so durchschlagenden Erfolg haben kann. Heute kann Page sich die Aufträge aussuchen und selbst die Majors lassen ihm im Studio freie Hand. Kreative Selbstmarketingstrategien “Es war alles überhaupt nicht so geplant”, erzählt Page, als wir ihn zu seiner Story befragen. „Doch als ich ‚Cease And Desist’ fertig hatte, war ich wirklich stolz auf meine Arbeit, so stolz, dass ich richtig viel Energie darauf verwendet habe, das Bekanntschaftsgrad meines ‚Albums’ zu erhöhen, und so machte in Foren, Blogs und darauf aufmerksam, dass es zum Gratisdownload bereitstand. Ich verbreitete es sogar in P2P-Networks.“ Die Rechnung ging auf: Der „Server crashte beinahe, so groß war der Ansturm,“ lacht ein stolzer Morgan. Ein Beispiel, das Schule machte: Auch wenn Radiohead-Fans für das neueste Album freiwillig bezahlen dürfen, so viel sie wollen – was natürlich ihre alte Plattenfirma, in der sie sich im Streit getrennt hatten, dazu bewegte, ihre Best-of-Hits zeitgleich zu veröffentlichen, um den Independent-Warriors ein bisschen das Wasser abzugraben – man kann sich ihr neues Album gratis herunterladen, wenn man denn so will. Man kann davon ausgehen, dass das Ganze Folgen haben wird: „Fast drei Jahre nach dem Release kriege ich immer noch Feedback für ‚Cease And Desist’“. Was auch daran liegen kann, dass die Remixe, wie zum Beispiel der grandiose „Tijuana For Dummies“-Track von der Nortec Collective, der immer noch so spannend klingt wie damals. Vielleicht noch spannender! Intolerably Nice Der David-Bowie-Mix wurde begeistert auf seiner Fansite verbreitet. Und dank der Remixes von Nora Jones’ „Angels“ und sogar Coldplay (perfekt für Mainstreamer, die endlich Housepiste stürmen können, weil sie etwas Bekanntes hören; für alle anderen aber eher intolerabel) wurden dann auch die Großen auf den Houseproduzenten aufmerksam, der bis dato „nur“ auf Labels wie Bedrock, Force Tracks und SAW releast hatte, was Morgan allerdings nicht die Freiheit gab, die er als Produzent wahrnehmen will. „Als relativer Noname-Produzent hatte ich kaum Möglichkeiten, releast zu werden. Das änderte sich mit ‚Cease And Desist’ schlagartig, weil Leute dank des Komplettdownload-Remixpaketes gleich meine ganze Bandbreite kennenlernen konnten.“ Hochkarätige Hirings folgten. Das Ding, das einen davon abhält, Morgan als Hithure abzustempeln, ist die Qualität seiner Pruduktionen. Morgans Markenzeichen, ein deeper, pumpender Groove, kombiniert mit einem feinen Gespür für eine ausgeklügelte Hookline, rundherum schick eingepackt in zarte Soundhüllen, die nie – oder zumindest fast nie – plump anmuten, all das macht ihn als Artist aus. Und vielleicht noch mehr. Dem Untergrund verpflichtet Mit seinen Remixen, die ihm nicht nur die drei Number Ones in den amerikanischen Charts, sondern auch einen erhöhten Bekanntheitsgrad beschert hat, im Rücken, startet Morgan in die nächste Phase seines Produzentendaseis durch: Vor kurzem gab er die Gründung seines eigenen Labels Nuance Recordings bekannt, auf dem nicht nur seine Remixe, sondern auch seine eigenen Produktionen erscheinen werden. Bereits zu haben: Die „Tipping Point EP“ und der gefeierte Track „Landline“. Eine Sache wäre da aber noch. Die Ironie des Ganzen. Je höher Morgan steigt, desto mehr fühlt er sich dem Underground verpflichtet. Deswegen kommt auch bald sein Debütalbum heraus, in dem sich Einflüsse seiner großen Idole – Swayzak, Barada (Bryan Zentz) und Terry Lee Brown Jr. – widerspiegeln dürften, wenngleich auch auf dem weniger undergroundigen US-Label Nettwerk, auf dem kürzlich das neue Felix The Housecat-Album, aber auch Musik von Avril Lavigne erschienen ist. Unterground-Feeling und Musik für Werbung machen schließen sich in den Staaten nicht aus, denn mit elektronischer Musik allein kann man nur in Ausnahmefällen leben. Dennoch: „Ein zweiseitiges Schwert. Ich will ein weites Publikum erreichen und arbeite daher mit bekannten Namen. Und doch dabei die Integrität wahren. Die großen Plattenfirmen wollen schlicht und einfach Billbordsound. Für mich ist die wahre Herausforderung, dass die Leute den Song in einem neuen Licht sehen.“ Text und Interview: Kat at Planetkat dot com. KLink: www.morgan-page.com |