12.12.2007

Progressing Through Energy: Lee Burridge +++ RL ARCHIVE SEPT 07 +++







Dass Burridge ein offenes Ohr für internationale Trends hat, liegt vielleicht daran, dass der pfiffige Engländer seine natürliche Neugier auf andere Kulturen kultiviert – im Rahmen des „Project 365“ lebte er in Weltstädten wie Buenos Aires, New York und Melbourne, in denen er monatelang sein Camp aufschlug, um sich von der Atmosphäre vor Ort inspirieren zu lassen. Denn dass sich Im-Ausland-Leben auszahlt, weiß Burridge.

Einst als Mobile-Disco-DJ nach Hongkong ausgezogen, verwandelte sich der aufgeweckte Plattendreher in den Clubs der Ex-Kolonie in einen exzellenten Fullmoonparty-DJ und Progressive-Mainplayer, der bald als Support von Big Names wie Sasha gebucht und schließlich selbst zum vielgefeierten Global-Underground-DJ wurde. Der Rest ist Geschichte. Einige interessante Gedanken dazu jetzt hier.

Moving onward

„Dass ich noch heute als Progressive-DJ gehandelt werde, nehme ich niemandem übel. Jeder hat eine Neigung dazu, Leute zu kategorisieren“, lacht Lee, dessen wie verrückter Wursthund ihn zu einer Lach-Tirade nach der nächsten animiert, während er uns zu seinem neuen Mix Rede und Antwort steht. Dass die Zeiten des Prog-Star-Daseins eigentlich vorbei sind, seitdem Lee irgendwann seiner an China zurückübergebenen Kolonialhochburg den Rücken zukehrte, und in allen Tricks der Zunft ausgebildet mit Craig Richards das Ruder in einem der Fabric-Rooms übernahm, ist den meisten vielleicht angesichts dessen entgangen, dass sich Burridge noch heute in den schmuckesten Clubs der Welt einem feiergeilen globalen Publikum präsentiert, das nur eines will: nach allen Regeln der Kunst von einem Superstar durch die Nacht gegroovt zu werden.

Doch Lee lässt sich nicht abstempeln. Den Spagat zwischen Mainstage und Club, Trend und Passion, heute und morgen, stets gekonnt vollbringend, mischte nach seiner Rückkehr nach England zunächst die Tyrant-Piste mit einem neuartigen Progbreaks-Style in Fabric auf.

Clubby Druggy

„Von Craig habe ich viel gelernt,“ erzählt Lee, dessen Style sich in den folgenden Jahren konsequenterweise radikal reduzierte. Das ist es, was auch den Reiz von „Balance Vol. 12“ ausmacht. Und Burridges sehr aufgeschlossene Art, die sich auch in seiner Musikauswahl widerspiegelt: So ist er zum einen extrem aufgeschlossen, was neue Soundentwicklungen und Ästhetiktendenzen angeht, und weiß zum anderen auch genau, worum es im Wesentlichen immer geht.

Doch da ist noch mehr: Sein Mut, zu seiner clubbigen Drugginess zu stehen, weswegen einige sehr spannende und authentische Überraschungsmomente nicht ausbleiben: „Mir war es wichtig, etwas zu machen, etwas zu produzieren, das seine Relevanz nicht verliert dass sich die drei Mixe nahtlos aneinanderfügen.“ Doch diese einfache Aufgabenstellung überforderte Lee zunächst, wie Lee zugibt: „Ich hatte Probleme mit dem Flow, und so beschloss ich eines Morgens, dass Ecstacy die Antwort war.“ Und tatsächlich kann man Burridge beim Draufkommen zuhören.

Ecstacy Is The Answer!

Zunächst ist Lee extrem minimalistisch unterwegs und erscheint dabei fast zu kontrolliert, was den ersten Mix zu einem trockenen Paradestück macht, das man auch seinen Eltern vorspielen kann. Sich sehr linear durch die reduzierten, wenn auch melodischen Tracks von Produzenten wie Ripperton, Efdemin und Kollektiv Turmstraße, Jacek Sienkiewicz und H.O.S.H. vorarbeitend, beweist Burridge ein gutes Händchen für spannende Tracks, doch so richtig abheben tut er erst während des zweiten Teils. Schnell spürt man, wie er bei Tracks Onur Özer, Pheek, Phage & Daniel Dreyer, Reynold, Super Flu, Baby Ford und Tigerskin so richtig in Fahrt gerät – und fast entgleist.

In Teil Drei – Tomas Andersson, Gabriel Ananda, Autotune und Par Grindvak setzen hier Akzente – schafft er es dann, durch erhöhtes Tempo und Intensität noch einen draufzusetzen, wobei der verspultere Faktor der zweiten CD dabei in den Hintergrund tritt und konstant drummende Energie des Progressiven nach vorn drängt. Das Zusammenspiel dieser drei mal, linear, mal wabbeligen, schwarz, rot und grün becoverten, am besten hintereinander abzuspielende Mixe, laut Lee eine „gewollt druggy affair“, gleicht einer Reise im Auge eines Torpedos, der einen einschlürft und erst Dienstag Mittag wieder aus seinen Fängen entlässt – mit nur leicht ramponierter Frisur! „Die Szene hebt eben gerade mal wieder ab“, meint der schmunzelnde Lee dazu. Und hebt ab.

Text: Katrin Richter from Planetkat dot com.

KLinks:

www.leeburridge.com

www.myspace.com/leeburridge
www.eqrecordings.com

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