02.12.2007

Spooky – Sashas Geisterproduzenten +++ RL ARCHIVE AUG 07







Found Again

1992 ins Leben gerufen begann die gespenstische Formation Spooky, bestehend aus den zwei englischen Livemusikern Charlie May und Duncan Forbes, mit Releases auf dem Blueprint-Progressivehouse-Label Guerilla auf sich aufmerksam zu machen. Bereits mit ihrem ersten Longplayer, “Gargantuan” gelang ihnen der Megadurchbruch, und die beiden Gespenster tourten mit Aphex Twin durch Skandinavien und spielten im Anschluss an Jamiroquai. 1997 brachten sie ein in höchsten Tönen gelobtes Nachfolgealbum heraus, “Found Sound”.

Nach Guerillas Pleite wurde still um Spooky. Auch auf ihrem eigenen Imprint KGeneric erschienen irgendwann keine weiteren Tracks mehr. Die beiden Geister waren fortan nur für Eingeweihte sichtbar: “Xpander” und Scorchio”, zwei Sasha-Singles, die auch prompt charteten, stammten nämlich aus ihrer Feder: “Und nun sollen diese Geister auch nach meinem Willen leben.”

Opening Up

Und nicht nur das: “Airdrawndagger” und “Involver”, die beiden Longplayer des englischen über-Progressivehouse-DJs Sasha, wurden ebenfalls ganz beziehungsweise zum Teil von Spooky produziert und enthalten in nicht unwesentlichen Anteilen die ätherische und doch kraftvolle Aura der Spooky-Produktionen. “Open”, ihr neuester Streich, klingt daher für Novizen und Uneingeweihte auch nicht unwesentlich nach Sasha.

Aber nicht, weil Sasha hinter den Spookyproduktionen steckt, sondern weil Spooky eben seit 1998, also quasi seit seinen ersten Produktionen, hinter Sasha stand! Dafür, dass der Megaprogstar den beiden Livemusikern, bis zur Pleite ihres Outlets Guerilla im Jahre 1997 selbst ein megaerfolgreicher Progtrancehouse-Liveact, den beiden Kuenstlern nach dem Crash des Labels eine Möglichkeit bot, bis zu ihrer Repositionierung als Spooky (der Name gehörte dem Label, und für die beiden war das Ding deswegen eigentlich gelaufen) im Jahre 2002 weiterhin als Produzenten erfolgreich aktiv zu sein, schneiderten die beiden treuen Geister Spooky Sasha die Megahits auf den Leib.

Licht und Schatten

Nun sind sie endlich wieder frei. “Open” heißt deswegen auch der erste Longplayer. Und es sind die alten Meister, die da am Werk sind. Melodische Synthkaskaden, die einem mit ihrer klaren Schönheit eine Gänsehaut des Wohlbefindens nach der nächsten zaubert, gepaart mit den souligen Vocals der zwei Newcomer-Talente Julie Daske und Celestine Gordon, und chillige Downbeatgrooves vereinen sich zu einem gespenstisch schönen Ganzen, das auf der zweiten CD auch in seiner Dubform für äußerste, zerebrale Entspannung sorgt, trotz unterschwelliger Melancholie. Denn: wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht.

Das Grundprinzip des dritten Spooky-Longplayers, der auf dem neuen Imprint der beiden Band-Mitglieder May und Duncan erschienen ist, und mit der die Engländer endlich unter ihrem eigenen Namen ihr – gelungenes – Comeback feiern können: Es fühlt sich gut an, offen zu sein. Hört man “New Lights”, der direkt auf den Sasha-esken Openertrack “Belong” folgt, weiß man, warum: Offenheit ist immer eine gute Voraussetzung, das Leben genießen zu können.

Spukig schön

Nun sind sie endlich wieder da, wo sie eigentlich die ganze Zeit waren, vielleicht einen Schritt weiter. Charlie tourt als DJ die Welt, wohingegen Duncan im Studio zaubert, und gemeinsam haben die beiden Produzenten ein ausgewoges Doppelalbum geschaffen, dass wegen der starken Vocallastigkeit zwar etwas poppig anmutet, was sich aber dadurch ausgleicht, dass man die gleichen Tracks auch als Dubs zu hören kriegt, spukig schöne schwermütige, emotionslastige Sounds, die unter die Haut gehen, und dort eine ganze Weile ihr Unwesen treiben.

Text: Kat at Planetkat dot com. Thanks: Goethe.

KLinks:
www.spooky.uk.com
www.myspace.com/thebandspooky

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