01.12.2007 Pepe Deluxé: Bottling Spare Time +++ RL ARCHIVE AUG 07 +++ |
Sexy Hexy “Mein Schicksal: Über drei Jahre eine Zeitmaschine zu bauen, ohne zu wissen, ob sie auch funktioniert,” seufzt Jari Salo aka James Spectrum, die redseligere Hälfte des finnischen Duos Pepe Deluxé, dessen Mitneunziger-Debütalbum “Super Sound” – die Single „Salami Fever“ wurde „leider von Levi’s aufgegriffen und nicht von Wonderbra“ – zu einem zeitlosen Klassiker herangereift ist. Und dann gehen er und Partner JA-Jazz (aka Tomo Paajaanen) doch damit auf Reise, irgendwo in einer Zeitfalte steckenbleibend mit leichtbekleideteten Marsmädchen. Fröhlich selbstzweifelnd gesteht Jari: „Unser drittes Album, ‚Spare Time Machine’, klingt zwar einheitlicher als ‚Beatitude’, wird sich aber selbst Leuten mit ausgeprägtem Musikbackground nicht direkt erschließen.“ Hups. Daher auch das Leitmotiv: Zeit. Jari, der Menschen mit ihren geliebten Musikabspieldevices beobachtete, wurde schnell klar, dass Musik „abgefüllte Zeit ist. Sie transportiert einen in andere Welten, und so kann man der Realität entkommen, oder zumindest hilft sie einem, langweilige Arbeiten zu erledigen.“ Das phantasie- und liebevoll gestaltete Album – erschienen auf Hauslabel Catskills – ist für ihn eine „Zeitfalte im Universum, prallgefüllt mit Artefakten aus der Vergangenheit, die ich liebe und verehre.“ Als da wären: ein Hut aus viktorianischer Zeit, mit ausgestopften Insekten verziert, eine handgezeichnete Karte vom Mars, eine Zeppelin-Bedienungsanleitung, ein teleskopisches Kaleidoskop und ein Gemälde eines brennenden Hais. Popkultur-Archäologen Jari erklärt (sich, uns) das Ganze so: „Wir sind Popkultur-Archäologen und -Forscher, doch filtern wir unsere Funde und basieren darauf unsere Erfindungen, weswegen unsere Musik alt und gleichzeitig neu klingt, idealerweise zeitlos. Die Idee, einen simplen Durchschlag der Vergangenheit zu kreiieren, ist mir verhasst.“ Und so kann man zwar Vergleiche heranziehen, bringt es aber doch nicht auf den Punkt. Spannend: der komplette Verzicht auf Samples, und die zelebrierte Miteinbeziehung der eigenen, getragenen Vocals. Durchklingen tut in diesem opulenten Kuddelmuddelopus in etwa: Die Beatles, gepaart mit einer Prise James Brown und King Krimson, vielleicht, die durch den Psychedelic-Prog-Rock-Wolf gedreht und dann mit einer heftigen Portion Studiofrickelei garniert werden, was das Ergebnis gleichzeitig so verjährt muffig wie einen Fünfziger-Jahre-Porno klingen lässt und dabei genau so spannend rüberkommt wie ein Picknick im Jahre 2050. Schlagbohrsolo Außerdem mit dabei: „Ein mit einem Schlagbohrer eingespieltes Gitarrensolo, ein Matrixprinter und ein Marxophon (bitte im Internet nach mehr Informationen suchen, da die Erklärung dessen, um was es sich dabei bitte sehr handelt und wie es klingt, die Seitenzahl dieses Artikel sprengen würde – oder einfach das Album anhören. Anm. d. Autorin), Gesänge über bereits erwähnte, hochbeinige Marsmädchen, Moog-Magic und klassische Musik.“ Dass manchen das Ganze eventuell nicht einleuchten will, kann eine Nebenerscheinung dessen sein, dass man begreift, dass das Universum größer ist, als man glaubt. Aber dafür gibt es ja die „Extrazeitmachine“ als Gimmick mit dazu. Sie gibt einem unbeschränkte Ressourcen an Zeit, in welcher man sich in den von Pepe aufgetanen Galaxien verlieren kann, bis man in diesem psychedelischen Mashrockdelirium so etwas wie einen roten Faden ausmachen kann und sich ein goldener Sinn erschließt. Bis dahin mag das Ganze wie überkandidelter Wahnsinn erscheinen, der einfach nur Spaß macht. Nicht linear, nicht logisch und auch nicht erklärbar. Anhören und Wegfliegen. Jari, es funktioniert! Text: Kat at Planetkat dot com. Fotos: Courtesy of Catskills. KLinks: www.pepedeluxe.com www.catskillsrecords.com www.myspace.com/pepedeluxe |