25.10.2007

Tim Xavier – The Next Thing +++ RL ARCHIVE JUL 07







Eine Wandlung, die sich direkt auszahlte: Seine erste Platte im neuen reduzieren Stil, “Deception De Real”, auf dem eigens gegründeten Label LTD400 herausgebracht, wurde direkt von Ricardo Villalobos aufgegriffen, und mit Nachbar Tony Rohr als Afternoon Coffee Boys runtergetunt-potent-relaxt die gemeinsam gefröhnte Technoleidenschaft auslebend landete Tim bei Cocoon. Damit ist es noch nicht getan: Mit Camea siedelt der amerikanische Artist mitsamt der drei erfolgreichen Labels LTD400, Clink und Clickhouse und Tims Masteringstudio, Manmade Mastering, diesen Sommer nach Berlin um.

Detroit-Berlin

Tim ist in Hochstimmung. Er ist soeben aus Detroit vom Detroit Electronic Music Festival wieder nach New York zurückgekehrt. “Es war genial. überall in der Stadt waren Stages aufgebaut, und im Vergleich zum vergangenen Jahr waren großartige Soundsystems am Start. Die Leute von Paxahau, die letztes Jahr die Organisation übernommen haben, verstanden es echt, hinzuhören und Sachen zu verbessern.”* Tim, der auf der zahlreichen, im Rahmen des Festivals stattfindenden Parties mit The Kooky Scientist und Derek Plaislako spielte, berichtet begeistert: “Es gab einen Partybus, der innen drinnen ein dickes Soundsystem hatte. Und Stangen zum Gogotanzen.” Natürlich wurde dran getanzt. Unter anderem von Tim. Das ist das Großartige an der elektronischen Musik. Welche andere Szene kann von sich sagen, dass ihre Musiker auf den Konzerten direkt mitfeiern? Na, eben! Wer sich in das Thema avantgardistischer Clubsounds vertiefen möchte, der betrachtet mit interessierten Augen das diesjahrige Programm. Da tummelt sich genau so viel interessant anzuhörende Nachwuchsbrut auf dem Floor wie inspirierende und bahnbrechende, von Downloadportal Beatport gesponsorte Artists an den Reglern. DEMF: das Mecca ernsthafter Electronic-Music-Artists. Note to self: Jetzt schon mal anfangen, auf einen Trip nach Detroit, wohl Amiland schönster Stadt, zu sparen. DEMF ist der inspirierende Beweis, dass die Roots von House, Techno, Electro und Trance in den zeitgenössischen, potenten, minimalen Clubsounds weiterleben, und schiebt sich mit verwalterischem Eifer auf die gutklingende Weltbühne.

Minimal

Was ist eigentlich Minimal? Nun, minimal ist wenig. Haha! Genau! Wenig. Es wird mit wenigen Elementen, die mehr Geräusche sind als Sounds, und so gut wie ohne durch Samples heraufzitierte Referenzen aus anderen Epochen gearbeitet und damit die Leute zum Tanzen gebracht. Warum ist das geil? Weil einem dabei nichts anderes in den Kopf kommt als Plök, Tschik und Pupp. Es lässt sich mit nichts vergleichen, es sei denn, man konzentriert sich ausschließlich auf Rhythmusstrukturen und Konzepte, was wunderbar befreiend kommt. Und weil die Tracks gleichzeitig dick und treibend klingen, kann man sehr gut drauf tanzen. Das findet auch Tim. “Als ich nach New York zog, traf ich Camea. Sie ließ irgendwann mal ihre Plattentasche bei mir stehen, und ich checkte ihren Sound aus. Und wohingegen ich minimale Platten – ich komme aus dem harten Technoumfeld – nur zu Hause gehört habe, legte Camea diesen Sound im Club. Da wurde mir klar – für diese Musik gibt es einen Markt.” Auf die Schiene sprang der begeisterte Tim mit Elan auf und veröffentlichte seine ersten minimal gestalteteren Sounds auf immer andersfarbig gehaltenen Limited-Editions. Daher auch der Name von Tims Label, LTD400 (man wollte sich auf Auflagen von 400 Vinylen beschränken) – dessen Cover er, Camea und Freunde jedesmal per Hand besprühen. Ein Schablonenprint seines Joker-artig grinsenden Counterfeites ziert jede “Deception de Real”, nun auch von seinen besten Musikerfreunden geremixt, als da wären: “Gangstah Muthafuckahs” Camea & Insideout, Pan-Pot, Tony Rohr, Pär Grindvik, Dave Turov, Ambivalent und Elon. Siehe auch Fotos vom DEMF. Fortsetzung folgt: Der geplante Umzug nach Berlin wird zur Folge haben, dass Tim “weniger Zeit im Masteringstudio verbringen wird, um sich mehr aufs Musikmachen konzentrieren zu können – und nebenher sein Deutsch spielerisch zu verbessern. Seine potrauchende Deutschlehrerin aus seiner Highschool in Texas wird das freuen.

Words'n'Interview: Kat from Planetkat dot com. Bilder: Courtesy of the artist!

* Man kann auf der DEMF-Festival-Homepage (www.demf.com) unter anderem 2006 mitgeschnittene Livesets streamen. Wer sich die absolute Livestimmung geben will, absolut neue und sehr spannende Artists in avantgardistischer und inspirierender Bestform zu erleben, der sollte die Site mit Sounds von Kooky Scientist, Rob Hood und Richie Hawtin unbedingt checken.

KLinks:
www.myspace.com/timxavier
www.manmademastering.com


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