10.10.2007 DJ Godfather – Urban City Limits +++ RL ARCHIVE JUL 07 |
Es gibt weltweit nur wenige Artists, die so gekonnt die Hip-Hop-Skills eines Battle-Scratchers mit den Partytugenden eines Techno-DJs kombinieren und dabei den Funk, oder besser: den Ass-Shake-Moment nicht verlieren wie Bryan Jeffries alias DJ Godfather. Der heute 31-jährige Godfather, seit siebzehn Jahren im Geschäft, schafft es, in seinem Serato-Scratch-Mix “For The Freaks” in knapp 70 Minuten 66 Platten unterzubringen, ohne dass die Abfahrt zum Techniknerd-Aerobik verkommt. Chapeau, sagt Raveline. Put Your Ass Up For Detroit Bryan kann sich wirklich damit brüsten, zeitlebens nur sein eigenes Ding gemacht zu haben. Sein Sound, den er selbst als Ghettotech bezeichnet, stellt ein stiefkindliches Bindeglied zwischen Urbansounds wie Hip-Hop, Miami Bass und Crunk und Techno und Electro dar, dessen auf um die 160 Beats pro Minute hochgepitschte straighten Tech-Grooves und oftmals eher unter die Gürtellinie zielende Rhymes wegen ihrer Juicyness nie so richtig Kredibilität bei den Intellektuellen der Szene ernten konnte und dennoch dank seines Außenseiterstatusses zum Kultsound mutiert ist. Mit sechzehn Jahren startete der Godfather (der Name wurde ihm bei einem Radioauftritt verpasst und blieb hängen) seine Karriere als Battle-DJ - “ich konnte scratchen, bevor ich mixen konnte” - und spielte hochgepitchten Miami Bass für eine Crowd, die mit Techno in den Airwaves großgeworden war und dennoch auf HipHop feierte: “Detroit ist nach wie vor eine sehr urbane City”, erzählt Godfather: “Techno wurde zwar hier geboren, aber der Großteil der Leute in den Clubs war und ist es nicht gewöhnt, dass der Sound so elektronisch klingt, aber in dem ich Techno mit Miami-Bass-Musik mixte, schaffte ich es, die Leute zum Tanzen zu bringen.” Und wie. "IF IT´S NOT HARD, IT´S NOT GOING TO MAKE YOU DANCE HARD” Gerade Frauen lieben es, ihre (zum Teil recht großen) Hinterteile wild durch die Luft zu schwenken, so dass ihren männlichen Counterparts Hören und Sehen vergeht. Dennoch: “Ich kann es nicht ausstehen, wie meine Musik in den Medien portraitiert wird. Nur ein Bruchteil meiner Tracks sind keine Instrumentals oder Partytracks, sondern von den Lyrics her anrüchiger, aber man hat sich trotzdem auf den Titti-Ho-Stuff eingeschossen. Aus der Explicit-Lyric-Ecke kommen meine Produktionen in Augen der Kritiker nicht mehr raus. Das sind für mich vertrocknete Intellektuelle, die nicht tanzen können und keine Frauen abbekommen.” Dabei geht es um mehr. “Es ist der Techno des Ghettos, Techno für die Straße, und diesen Crossover macht sonst kein Sound. Und die Leute wollen sich einen abshaken, seit Anbegriff der Zeit bewegt uns der Beat, Punkt. Wenn es nicht hart klingt, kann man auch nicht hart tanzen. Aus der DJ-Perspektive kickt mich der Turntablist-Aspekt. Stell' dir einen DMC-DJ vor, der Techno auflegt: Die Anforderungen sind hoch. Wer nicht scratcht, ist raus. Das ist der Ghettostyle. F***t die Trance-DJs a la Klaus Toakenfold!” HIPHOP IS EVERYWHERE Doch trotz genialer Gigs - wie vor kurzem auf dem DEMF-Movement Festival in Detroit und frenetisch gefeierten Bookings in Europa -, sind die Zeiten nicht einfach. Detroit, eine der Orte dieses Planeten, die für immer in die Annalen der Geschichte der elektronischen Musik eingegangen ist und trotz immer weiter fortschreitender Verghettosierung als eine der Geburtstätten des Techno geltend weiterhin weltweite Trends diktiert, verhiphopt seit Jahren immer mehr. Die letzte Techno-Radioshow ist gestrichen worden, und auch Godfather ist mit Hiphop on air. Sein dickbounciger Ghettotech-Sound hat es zwar geschafft, in der elektronischen Musikszene wahrgenommen zu werden und sich weltweit ein Standing und eine Fanbase irgendwo zwischen Partyelektro und Freaktechno zu verschaffen, hatte niemals einen kommerziellen Durchbruch, was die Protagonisten der Szene wie zum Beispiel DJ Assault und auch den Godfather mit seiner Produktionsposse The Commission aka DJ Dick und Randy Jones dazu bewegt hat, als HipHop-Produzenten ihr Glück versuchen. I NEED A WOMAN! Die ersten beiden Alben – eines hat Godfather für seinen Fellow-Ghettotech-MC MC Omega produziert, das andere für Paperboy, sind bereits im Kasten, und nach dem phänomenalen Serato-Scratch-Mix mit Portagonisten wie DJ Omega, DJ Rashad, DJ Chi Boogie und Starski & Clutch folgt nun ein Reggaeton-Mix. Man muss eben sehen, wo man bleibt. Technischen Revolutionen gegenüber ist der Godfather aber aufgeschlossen: "Serato Scratch hab ich mir schon vor dem Angebot, den Mix zu machen, gekauft, und für mich potenzieren sich damit die Möglichkeiten. Ich kann Cuts direkt spielen und schleppe mich nicht tot. Techno ist für mich gleichbedeutend mit Neuerung." Von seinem Supersexprotz-Image nimmt Godfather mittlerweile Abstand. "Letztenendes hab' ich mir damit selbst geschadet – die Frauen denken, ich habe mindestens zehn Pussies gleichzeitig am Start und lassen deshalb die Finger von mir." Daher hat er – Armand von Helden aus der Seele sprechend, der sich mittlerweile gerne von den Frauen für seine Service bezahlen lassen würde, weil ihre Maintenance so anstrengend ist – zur Zeit eher kein Interesse mehr an Pussy. "Ich brauche eine richtige Frau", stöhnt er. INTERVIEW UND TEXT: KAT at PLANETKAT dot COM. BILDER: EPM. THANKS: OLIVER. KLink: www.djgodfather.com |