12.10.2007 From Karaoke To Stardom – Der Weirdo im Karaokeclub +++ RL ARCHIVE JUL 07 |
No Bock Auf Nice Denn obwohl der gelernte Gitarrist, der vor zwei Jahren seine Klampfe an den Nagel hängte, um dank experimentaler Minimalisten wie Alva Noto, Pan Sonic und Ikeda auf den Geschmack avancierter elektronischer Sounds a la Mille Plateaux und Force Inc zu kommen – Umwege über Drum’n’Bass in Kauf nehmend –, eigentlich sehr abgehobene Vorstellungen von Sound im Kopf hat, garantiert doch sein sicheres Gespür für einen guten Groove, dass seine Scheiben nicht nur die Verkopfnicker unter den Freakellovers ansprechen. Von Karaoke übrigens keine Spur. Der Name ist eine Parodie auf seine auf Stardom gepolten „Karaoke-Sänger“-Kommilitonen, mit denen der klassisch ausgebildete Jeremy die Schulbank drückte. Von den ersten Outings „Ill@Ease“ und „Mon Dieu Moi Aussi“ auf Rrygular bis zu seinen anderen Platten auf Apnea oder Living Records – es zeichnet sich schnell ab, dass schräge Bleeps in einem doch recht stramm konzipierten Beatgewand, gepaart mit abstrakten, kühlen Sounds, schnell eine enorme Schlagkraft entwickeln können, die in ihrer Fatalität fast an Songs von Napalm Death und Suicidal Tendencies erinnern, die Jeremy in seiner Jugend komplett in Beschlag nahmen. Krankmaterial Das Ganze sollte Folgen haben. Der aus der Nähe von Paris stammende Franzose, der bereits mit seinen ersten zwei hyperinteressanten EPs auf Rrygular neugierig gemacht hat, haut mit diesem auf drei legefreundliche EPs verteilten Mörder-Album genau in die Kerbe zwischen krackknackigem Clubsound und komplett verstrahltem Krankmaterial: Klinische, synthetische Soundskulpturen in pittoreske Freakelsoundlanschaften eingebettet, die zu faszinierenden Brettern mutieren, während man sich zu orientieren sucht. Das freut vor allem jene ungemein, die seinen ausgewogen dimensionierten, straightabstrakten Sound auf dem Floor weird and nice abfeiern wollen. Hurrah! Und so werden die endlosen Hin- und Herschiebaktionen, Fummeleien und Frickeleien eines nördisch kranken Klötzchenschiebfanatikers, in einem überschaubaren Ausmaß praktiziert und auch noch in einen tanzbaren Kontext gebracht, zu einem echten Megaminimalistenmördergroove. Mördergroove Zwischen seinem nahe dem Monet-Garten gelegenen Heimatdorf in der Normandie und Paris hin- und herpendelnd, wo er im einem großen Plattenladen wie David gegen Goliath für das Vinylsortiment „und einer qualitativen Alternative zu Bob Sinclair“ zuständig ist, erweitert Jeremy seinen Horizont ständig und stätig, was sich auch in seinem Output abzeichnet, und so wird aus dem ehemaligen Musikstudenten immer mehr der Weirdo, der er eigentlich ist. Text: kat@planetkat.com. Foto: Courtesy of the artist. KLinks: www.myspace.com/fromkaraoketostardom www.rrygular.com |