21.06.2007

Someone Else: Found His Sound +++ RL ARCHIVE JUN 07








Es ist der erste Longplayer, den Sean, ehemals auch als Flowchart sein Unwesen treibend, unter dem Moniker Someone Else veröffentlicht – und er hat sich, wie er, kettentütenrauchend bereitwillig zugibt, herzlich wenig mit einem hochtrabenden Konzept auseinandergesetzt, sondern lieber tiefgestapelt. Ein DJ-freundliches Album sollte es werden – nicht unbedingt ausschließlich für den Floor, aber auf jeden Fall für den Extremeinsatz geeignet. Mehr nicht?! Nun ja. Nach seinem Mayday-Einsatz ist man irgendwie schon geneigt- und nötigt, dem Hydranten- und Kaktus-samplenden Soundforscher das abzunehmen. Mmmh... jap!

Rot angestrichen!

Mmmh, was ist also drin in der kunterbunten Stifteschachtel? Laut Sean jede Menge Feldsounds, für die er ja bekannterweise eine echte Vorliebe hat. Die ihn und Partnerin Miskate immer weiter in verschachtelt knaspernde "Birdwatcher"-Gefilde treiben, mit Spezialmikros – richtig trashig dürfen sie gerne sein, das kommt im Zweifelsfalle besser als teuer, sagt Sean – ausgestattet immer auf der Suche nach dem richtigen "Tschakk" oder "Agggh", gerne auch mal Rülpser bitcrushend. Weswegen wohl auch bald ein gleichnahmiges Projekt ins Leben gerufen wird, erzählt Sean, der sich diesen Sommer in Berlin aufhalten werden, weil hier die Musik spielt und die Lage in den Staaten Party- und verkaufstechnisch sogar so desolat ist, dass Fuzzy Box, Seans erstes, experimentelleres Label, mittlerweile auf Eis liegt. Moment mal: minnimell-experimentell. Eigentlich kann man seinen jetzigen Sound auch unter dieser Sparte abheften. Bis man ihn dann auf dem Floor erlebt hat. Da werden einem so zerschossene Digitalsounds um die Ohren gebrusht, dass man sich fast nach Schranz sehnt - auch wenn der absolut packende Groove im Housetempo versöhnend die Lenden wiggelt.

Grunz It

Fratzende Stimmen stratzen so verspratzelt aus den Speakers, so dass man sich fast in einem Versuchsprogramm wähnt. Wie viel Verbitzelung verträgt der Mensch? Schnell ein kratzelig geschnauftes "Yeah" dazugegrunzt. Das Erfolgskonzept von Someone Else: Gerade, wenn es so richtig gritzt und gratzt, wird wieder etwas Organisches dazwischengesträuselt, ein wenig Vogelgezwitscher zum Beispiel, wie in "Elevator Muzak" der Fall. Bei Track Vier, dem als "Hedroom Eyes" wieder auferstandenen "Bedroom Eyes", hat Sean sich dann richtig eingeruffelt, und so geht es im ruckelzuckeligen Someone-Else-Tschikkitschikki-Stylr schnickelig weg vom Bedroom Richtung Piste. Insgesamt doch sehr stark mit seiner oftmals groteske verzerrten Stimme experimentierend liegt Seans Stärke in seiner Stärke, genau zwischen vielleicht schon hundertmal ausprobiertem Someone-Else-Ideen und kompletten Neuerungen im Repertoire einen hör- und tanztechnischen Kompromiss zu finden und den dann gnadenlos auszuschlachten.

Maximal Goes Rave

"Haha," lacht er. "Das wird mir häufig gesagt, genau wie die Tatsache, dass Leute oftmals mehr mit meinen Remixen anfangen können als mit meinen eigenen Tracks. Ich glaube, irgendwann bringe ich ein Remix-Album raus..." Spricht's und dreht sich eine weitere Tüte, bevor er auf das nächste Album zu sprechen kommt, dass sich "auf jeden Fall in anderen Gefilden bewegen soll. Ich habe mir zum Schluss die Tracks noch nicht mal mehr angehört, sondern sie einfach rausgebracht, und ich glaube, ein wenig mehr Konzept kommt beim nächsten Mal ganz gut." Die roh und vielleicht gerade deswegen so wirkungsvoll zusammengezimmerter Highlights von "Pen Caps And Colored Pencils" reisen nun in seinem Ableton-Liveact mit Someone Else um die Welt. Auf der Nature One wird er zu hören sein. Minimal goes maximal goes rave? "Jawohl. Wir sind die Guten auf der Mainstage, Barem und ich". Ach ja. Der liebe Barem. Der bringt demnächst auch ein Album auf Foundsound raus. Und Miskate auch. Derweil sucht und findet Sean weiter - auf den Floors dieser Welt.

KLinks:
www.foundsoundrecords.com
www.unfoundsoundrecords.com
creativecommons.org

Interview und Protokoll: Kat @ Planetkat.com.
Fotos: Courtesy of Foundsound. Hola: Pacha!

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