10.06.2007 Violett – Flott auf dem Flokati +++ RL ARCHIVE MAI 07 |
Violeta Torres, 29, sitzt auf einem Kissen auf dem Boden, und erzählt. Erzählt von ihrer steilen Karriere, die die argentinische Djane und Produzentin nun erneut auf Tour um den Globus führt, mit Stationen in Moskau. Seitdem sie von den Harry-Klein-Leuten verbucht wird, ist sie regelmäßig in Europa. „Es ist schon ein bisschen verrückt“, gibt sie zu, „wenn man auf einmal auf Afterhours eingeladen wird oder Jack The Rapper einen in sein Haus schleppen will.“ Neugierig auf alle Dinge, die sich der jahrelang weitab der hiesigen Szene erwachsen gewordenen Violett auf einmal offenbaren, sieht die talentierte Plattendreherin aus Buenos Aires, die einst zu Dee Jasons reduzierten Klängen im berüchtigten Technoclub Kados abtanzte, bevor sie, zunächst mit Houseplatten ausgerüstet, unter dem Moniker Violett selbst die Turntables stürmte, die Sache gelassen, wenn auch ein wenig kulturgeschockt. Ernsthaft und seriös zur Sache gehend, sind weder Violett noch ihre Kollegen aus Argentinien scharf darauf, in eine trendige Fiestero-Schublade gesteckt zu werden, aus der sie sie sich dann mühsam wieder herausarbeiten müssen: „Man kann sich in Deutschland wohl nur schwer vorstellen, was es uns für Arbeit kostet, in den dortigen Gefilden wahrgenommen zu werden,“ sagt Violett, und funkelt in die Runde: „Ich will mich als öffentlich wahrgenommene Person nur über Musik definieren, nicht als Partyperson. Das halte ich für wenig seriös.“ Gesagt, getan. Let the music do the talking. Gemeinsam mit einer sich immer weiter professionalisierenden, gleichgesinnten Gruppe von Freunden, die heute als mit ihrem mehr als groovigen „Sound of Argentina“ von sich reden lassen – Jason aka Sr Replicante, Dilo, Gurtz, Seph, Barem und Franco Cinelli – die sich, weitab vom businesstechnischen Weltgeschehen nach sehr ernsthaften Jahren des Studiums minimaler Musikgeschichte eifrig ans Produzieren und Netlabel-Gründen machten, gibt Violett ihre Definition von Musik zum Besten. Dick und wuchtige Beats, und mehr rappelig-knispelige Komplexität als die hundertmal kopierten „Tschickitschicki“-Sounds müssen die Platten haben, die Violett in ihrem erbarmungslos heftigen Mix-Style –gerne auch mal back-to-back mit Dario Zenker – auf die Teller wirft, und diese machen auch ihre auf den Floor zielende Produktionen aus, die sie im internationalen Circuit nach vorne gebracht haben. Da ist zum einen die im letzten Jahr erschienene „Kids EP“ auf Telegraph und ihr Beitrag auf der „Argentina Madness“-Post-Office-Compilation, da ist zum anderen ihre neue Platte auf dem Berliner Label 1x1, auf dem soeben auch die von Fellow-Argentinos Dilo & Gurtz produzierte Superhitscheibe „Glasnost EP“ erschien. An diesen Erfolg schließt Violett nahtlos an. So kommt sie ihrem Traum, ihren „kleinen Sohn und ein Kindermädchen mit auf Tour nehmen“ zu können, einen Schritt näher. Protokoll: Kat at planetkat dot com. Foto: Courtesy of Harry Klein Booking. KLinks: www.violett.com.ar |