21.03.2007

Kate Simko: Paying Attention To Detalles +++ RL ARCHIVE MAR 07 +++







Kate Simko, eine Hälfte des US-chilenischen Produzenten-Duo Detalles, sprach mit Raveline über ihr neues Album auf dem Label Kupei Musica, ihre Art, Musik zu machen, und über ihr Jahr als Austauschstudentin in Santiago, das ihr Leben für immer veränderte, auch, weil die klassisch ausgebildete Pianistin und Eletronik-Spezialistin in Santiago durch den Produzenten Pier Bucci auf seinen Bruder Andrés traf, der ihr Studio- und Produktionspartner werden sollte. 2001 brach sie von ihrer Heimatstadt Chicago ins südamerikanische Chile auf, um sich dort mit ortsansässigen Künstlern wie die gleichgesinnten Musiker Dandy Jack und Senor Coconut aka Uwe Schmidt zu connecten, und ehe sie es sich versah, saß sie in Andrés Studio und probierte Buccis Keyboard, dass er ihr dann zu guter Letzt doch nicht verkaufen würde, da sie sich fortan das Studio einfach teilten... Detalles war geboren.

Music to Enjoy

“Ich mache Musik, damit andere sie genießen können, sagt die 28-jährige Kate, als wir sie nach ihrer um die Jahreswende stattfindende Südamerika-Tour in ihrem Haus in Chicago erwische, wo sie gerade einer Jonas-Bering-Kate-Simko-Scheibe, die auf Kupei erscheinen wird, den letzten Feinschliff gibt. Es ist ganz klar, dass sie keine Muße hat, sich auf den Lorbeeren ihres letzten Longplayers auszuruhen, der soeben auf dem in Seattle und links vom Zentrum angesiedelten Minimaltechno-Techhouse-Microhouse-Label Kupei erschienen ist. „Microsmorning“ heißt die Reise, die das verzückte Ohr von einem mikroskopisch kleinen Sounddetail zum nächsten führt, in schon fast klassisch minimalhousiger und stabil groovender Weise zusammenhängend und tanzbar, oder zumindest gehbar. Wunderbar. Vor allem der Klang der Sounds. Und die Melodien. Sind Details wichtig? “Ja, was das angeht, bin ich überhaupt nicht flexibel”, erklärt die zarte Musikerin. “Alles gehört sich mich an seinen Platz. Und die Klänge müssen perfekt sein. Nach den ganzen Jahren an Spitzenklassen-Klavieren ist es mir extrem wichtig, dass zum Beispiel die Anschläge und das Abschwellen der Töne genau die Nuance haben, die ich mir vorstelle. Auch die Melodien müssen genau so klingen, wie ich es haben will. Wenn ich Synthesizer programmiere, höre ich mir diese Parts Millionen mal an, damit die Attack und die Länge jeder Note sich genauso anhört, wie ich es auf einem Piano spielen würde.“

Finetuning

Diese Feinarbeit hört man „Microsmorning“ vom ersten Klang an an. Das Album, das im letzten Jahr bei einem erneuten Trip nach Chile fertiggestellt wurde – Kate kehrte 2003 nach Chicago zurück, wo sie heute in einem Studio arbeitet und sich sonst nur auf ihre Musik konzentriert – vereint Kates musikalische Expertise mit Andrés feuriger Federführung: „Ich komponiere die Basslines, Melodien und Harmonien, und gemeinsam arbeiten wir dann Texturen und Percussions aus. Wenn wir live spielen, teilen wir uns alle Elemente zwischen unseren mit Ableton synchronisierten Laptops auf, und ich spiele auch noch Keyboard.“ Harmonisch und ausgeglichen grooven sich die deepen und seelenvollen Tunes in leichtfüßiger Manier in Ohr und Bein – das Album, das einem lieblich-verspielten, tanzbarem und doch tiefgängigen und sehr musikalischem Soundflash reicht, steckt für Kate voll von Erinnerungen. Und so finden sich für sie jede Menge persönliche Referenzen auf dem Album wieder, Reminiszenz-Details eben, Fragmente der schönen Momente, die die beiden zum Klingen gebracht haben. Und dank der zwei Remixe von Andrés Bruder Pier, bekannter Crosstown Rebel, und dem von Kate äußerst geschätzten Jonas Bering, hat das Album ein noch multispektraleres Feel.

Multispektral

Die Vollblut-Musikerin, die neben ihrem Detalles-Liveact auch solo und als DJ aktiv ist, traf Kupei-Musica-Label-Headhoncho Rafael Anton Irisarri, bekannt von Mille Plateaux und Miasmah, auf einer ihrer Shows in Chicago, wo Kate eine Electronic-Music-Show im Radio hostete, und wurde mit Detalles prompt fester Bestandteil des multinationalen Labels, auf dem sich dank Isarris Verbindung mit Andreas Tilliander auch lauter Schweden tummeln. Nun gesellen sich dank Detalles’ Verbindung zur chilenischen Musikszene auch andere chilenische Artists wie Dandy Jack hinzu, bereichert vom Output von Artists wie
Crystal Fake, Unai, Jonas Bering, Tomi Kiiosk und Differnet. Chile, das einst wegen der Diktatur seine gesamte geistige Elite verlor, die für ihre Ideale starb oder ins Ausland floh – wie zum Beispiel Ricardo Villalobos’ Eltern – wovon sich das Land am Ende der Welt genau wie Argentinien bis heute nicht erholt hat, wird somit erneut zum Dreh- und Angelpunkt einer neuen Musikerriege. Obwohl Andrés und sein Bruder Pier bis heute außer der auf WMF erschienenen „Bucci“-EP nichts Gemeinsames geschaffen haben, ist ihr Haushalt doch ein Knotenpunkt für Musiker aus aller Welt und einer sich neu formierenden Szene mit Protagonisten wie Andrés, Vicente San Fuentes und Miguel Tutera geworden, die weiterhin dazu beitragen, dass der Strom guter Musik aus Chile nicht abreist. Und offene Menschen wie Kate sowieso.

Interview and text by Kat at Planetkat dot com

KLinks:
www.kupei.com
www.katesimko.com

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