25.02.2007

Vandal: Breakbeat Rebel Without A Cause +++ RL ARCHIVE FEB 07 +++









Seit nun schon über zehn Jahren im walisischen Cardiff zu Hause, wo der ehemalige Kunststudent nach der Uni hängengeblieben ist, ist Sam Evans zu einem der vielversprechendsten neuen Produzenten der Szene herangereift. Sein Style – fett, gewagt und frechfrisch – den er auch als DJ gekonnt auf dem Floor vertritt, hat ihn zu einem vielgefragten Breakser gemacht, und sein Background – er war vier Jahre lang der Labelmanager des heute defunkten Imprints Plastic Raygun, das mit Jean Jacques Smoothies „2 People“ einen Top-15-Hit verzeichnen konnte – beweist, dass der 31-Jährige keinesfalls ein Szene-Lightweight ist. Sein im Oktober dieses Jahres erscheinendes erstes Artist-Album sollten sich also nicht nur Insider auf ihren Wunschzettel setzen. Elektropunks dürfen auch mitrocken.

Bruce Springsteen

„Ich wollte schon als Kind gerne Bruce Springsteen sein, und daran hat sich bis heute nichts geändert,“ verkündet Sam fröhlich, als wir ihn einen Monat vor seinem vierten Deutschlandgig abgreifen, wo er wieder neben dem hiesigen Breakbeatveteranen DJ Astma an den Turnies stehen wird. „Ich finde, Deutschland hat was. Jedes Mal, wenn ich in dort auflege, treffe ich Breakser und HipHopper, die wie ich einen Punkrock-/Metal-Background haben und deshalb extrem aufgeschlossen sind für ein bisschen Randale. Das erste Mal hab ich im SO36 gespielt, auf so einem Antikriegsevent, auf dem extrem verschiedenste Leute am Start waren. Viele hatten noch nie Breaks gehört, waren aber total dafür zu haben, mit dem Resultat, dass der Clubbetreiber mit Komplimente machte, weil es allen so viel Spaß gemacht hat! Respekt an Loco, B-Line und den Radiation King!”

Punknobasswithmyhead

„Computermusik rult, denn die Elektronik vereint Leute aus den verschiedensten Nischen. Ich habe früher in Punk- und Metalbands Gitarre gespielt, bis ich irgendwann mal von Underworlds „‘Dubnobasswithmyhead…man” und Orbital im Glastonbury-Festival total geflasht wurde. Mein Background und meine Vorlieben – Justice, Chaotic Production, Orbital, Digitalism, Phones, Underworld, Thomas Schumacher, NOFX, Bad Religion, Fugazi, The Bronx, Ravers – sind sehr aufschlussreich, wenn man verstehen will, worum es mir in meiner Musik geht, denn ich bin für die verschiedensten Sachen zu haben. Mein erstes Erlebnis der Alienation, wegen meiner langen Haare verprügelt zu werden, habe ich lange hinter mir, und gerade so etwas hat mich geprägt, noch offener zu sein und meine Antennen total auf Empfang zu stellen – mir macht es einfach Spaß, Leute aus allen möglichen musikalischen und sozialen Bereichen abzuchecken und mit ihnen abzugehen.“

Protestsounds

„Darum geht es auch bei Vandal. Es ist Punk, ohne eindeutig zu sein. Keine Gitarrensamples, sondern die Energie, die dahintersteht. Ich mag es, Musik zu machen, zu der es sich fett clubben lässt, aber deren Appeal auch andere anspricht – und sie vielleicht auch zum Feiern bringt. Die letzten drei Singles – „Mad As Hell“, „Obey“ und „Idiots“ – bauen allesamt auf Vocals auf, die sowohl im Club als auch auf einer Protestveranstaltung funktionieren! Ich finde es super, wenn man Styles und Genres mixen und damit machen kann, was man will. Manche Leute mögen es nicht, wenn man sich im zum Beispiel im Housebereich bedient, aber ich geb da keinen Scheiß drauf. Mich inspiriert alles. Ich mag es, durchzudrehen und Neues auszuprobieren. Das ist auch die Labelpolitik von LOT49, die alle möglichen Genres miteinander verschmelzen lassen, was meiner Meinung auch der Grund ist, warum Breaks so global funktionieren. Für mich sind alle Leute Helden, die gewillt sind, ein Risiko einzugehen und etwas anders machen. Die Leuten helfen, weil sie das wollen, und nicht, weil es ihnen Business-technisch weiterhilft. Wie Bruce Springsteen.“

Text und Interview: Kat @ Planetkat.com. Thanks: Sam und Jorma

KLinks:
www.vandalmademedoit.com
www.lot49.co.uk


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