22.01.2007

The KLF: Neues zum Thema Geld - Verbuddeln statt Verbrennen +++ RL ARCHIVE JAN 07 +++







In dem sie eine ganze Reihe von Hits landeten, die sie unter den Namen The Jams, The Timelords und schließlich ab 1991 als The KLF produzierten, und zuguterletzt als The K Foundation ihre Tantiemen in Höhe von einer Million Pfund auf einem Scheiterhaufen verbrannten, um ihren Freakaktionen die Krone aufzusetzen, gingen sie für immer in die Annalen des Rave, des Pop und der Kunst ein und sind bis heute eine der kontroversesten Acts, die die frühe elektronische Musikszene je hervorgebracht hat. Doch auch nach der Stillegung Kdes Projektes reißen die Kontroversen nicht ab. Der deutsche Raveact Scooter und deren Tributband Moped lassen sich nach wie vor von The KLFs Artwork, Sound und Konzept inspirieren, Ex-Sängerin Wanda Dee tourte als „The Real KLF“ die Bühnen, und einer ihrer Helfer, der sich vor der Verbrennaktion ein paar Bündel Kohle bzw. Asche abgezweigt haben soll, ist heute schwer kokainabhängig...

What Time Is Art?

Über den Sinn und Unsinn von Kunst, beziehungsweise, was Kunst eigentlich ist, sind schon viele Worte verloren worden. Oftmals ist es Provokation, das Überschreiten der Grenzen, das Ausleuchten von Tabuthemen, was zum zentralen Thema wird. Vor den Augen einer kapitalistischen Gesellschaft eine Million Pfund zu verbrennen, das dem Musicbusiness in einem jahrelangen Schröpfprozess abgerungen wurde, ist tatsächlich das Provokanteste, was man machen kann, besonders, weil durch diese Anti-Aktion das Augenmerk auf die Vermarktungs-Gepflogenheiten der stets ruhig im Hintergrund eincashenden Musikindustrie gelenkt wurde. Das Thema KLF war präkär, denn mit gewagten Samplingaktionen ließen sie die Öffentlichkeit im großen Stile an Copyrightfragen teilnehmen, die sonst hinter den Kulissen der großen Plattenfirmen stattfanden: Wie Kinder im Spielzeugladen sampleten Cauty alias King Boy D und Drummond alias Rockman Rock ungeniert die besten Momenten der Popgeschichte und verwursteten von Stadiongegröhle bis Whitney Houston und Abba (die prompt klagten) alles, was ihnen zwischen die Sound-schnipselnden Finger kam. So bedienten sie sich zunächst als Justified Ancients of Mumu – The Jams – bei diversen Popacts, bis ihnen der Riegel vorgeschoben wurde, was zu einer Verbrennungsaktion ihres ersten Longplayers führte, dann als The Timelords beim Titelthema der Fernsehserie Dr. Who. Ein Eiscreme-Van inklusive verrückter Top-of-The-Pops-Fernsehauftritte und das Kreieren ihres Buches, das tatsächlich der Eurotrashband Edelweiß zu ihrem von Abbas „S.O.S.“ abgekupferten „Bring Me Edelweiß“-Nummer-1-Hit verholfen haben soll, trugen zu ihrem Ruhmeszug bei.

Copying Is Right: „Ideenklau und Ladendiebstahl ist richtig und für den Schaffensprozess wichtig“

„Ideenklau und Ladendiebstahl ist richtig und für den Schaffensprozess wichtig“, propagiert Cauty noch heute auf seiner Website, und die Kunstwelt, in der die Themen Plagiat, Kopie und endlose Vervielfältigung bereits in zahlreichen Epochen, zum Beispiel in der Pop Art der Sechziger aufgegriffen wurde, gibt ihm recht – man denke nur an Warhols vervielfältigte Marilyn Monroe. Somit ist simples Kopieren (mit leichter Modifikation der Kopie) Kunst! Demnach ist es erst recht Kunst, den Akt des kreativen Klauens dadurch zu entwerten, in dem der generierte Profit wieder vernichtet wird, unter den Augen jener, die die das Produkt gekauft haben, in der Annahme, es sei recht echt. Man stelle sich nur Britney Spears vor einem Scheiterhaufen vor, und schon ist man sich der Subversivität der Aktion bewusst. Ja! Geld zu verbrennen ist schon eine Kunst für sich. Und Kunst ist den beiden KLF-Masterminds auf jeden Fall ein Begriff. Begonnen hat es Ende der Siebziger Jahre, als Jimmy Cauty im Elfen-und-Gnom-Fieber ein seminales Kitsch-Fantasy-Poster für das erstmals verfilmte Buch „Lord of The Rings“ erschuf und damit Generationen von Rollenspielern beglückte. „Vielleicht war der Film deswegen ein Flop“, sagt Cauty heute, der allerdings bis 2011 nicht persönlich zu sprechen ist, es sei denn, man überfällt und kidnappt ihn auf einer seiner Ausstellungen in London, wo man neben Jamie Reids forever punkigem Sex-Pistols-Cover, das die durch Sicherheitsnadeln verschandelten Features der Queen zeigt, auch Cautys Briefmarken findet. Ist es Kunst, dass Cauty der Queen eine Gasmarke aufsetzte und ihr vor „Atomschlägen und Attentat geschützes“ Konterfeit auf Briefmarken druckte, um Philatologen Alternativen zu den normalen Queen-verzierten schnöden englischen 08-15-Stamps zu offerieren? Oder ein angeborener Trieb, auf rollende Züge aufzuspringen und noch einen draufzusetzen?

The Copy of The Copy of The Copy: „Schade, dass Scooter so hässlich sind.“

Die Ähnlichkeit des Konzeptes Reid-Cauty: Kein Zufall, sondern Schaffenskonzept und somit vollste Absicht. Genie oder Wahnsinn? Genial. Das kann man auch Scooter fragen, deren uneingeschränkte Bewunderung für The KLF die bizarrsten Ausmaße annahm – selbst das Coverartwork des KLF-Albums „The White Room“ wurde 1:1 übernommen, und so ziert das Cover des Debüts „The Stadium Techno Experience“ ebenfalls ein Speakerstack. Dass „It’s Grim Up North“ fröhlich umgeschneidert zu „I Am Your Pusher“ wurde, H.P. Baxxter in seinen weltberühmten MC-Gröhl-Solos den berüchtigten Timelords-Icecreamvan erwähnt, alle weiteren Scooter-Tracks wild zusammengeklaut, gesampled, zitiert, Tribute und Hommage sind, ist nicht nur Ironie des Schicksals, sondern tatsächlich vollste Absicht. „Schade, dass sie so hässlich sind“, lacht Cauty. „Ich mag Scooter.“ Das Erfolgskonzept der Kopyright-Befreier wurden kopiert, und mit der Scooter-Tribute-Band Moped wurde selbst die Kopie zur Vorlage für ein weiteres Erfolgskonzept, während die ehemalige Frontsängerin Wanda Dee mit ihrer „Original KLF“-Show Festivalbühnen abgrast. „The Kopyright Liberation Front“, wofür The KLF angeblich steht, betrieb also Pionierarbeit in Sachen Copyrightfragen, was heute angerichts der Privat-vs-.Raubkopie-Diskussionen aktueller den je ist: Angesichts gängiger Gesellschafttheorien und den in den Neunzigern aufkeimenden Phänomäna wie Klonpopstars, unendlich vervielfältigbare Medienformate und der damit aufkommenden Diskussion über Original und Plagiat kann man zu recht behaupten, dass The KLF damals avangardistische Vorarbeit geleitet haben und es vielleicht heute noch tun. „Alles lässt sich sowieso auf etwas zurückführen, was es vorher schon gab“, sagt er: „Und: Copyrightgesetze werden von Rechtanwälten gemacht, nicht von Künstlern. Das sagt schon alles aus.“

The Smell of Money Underground

Cauty, der heute eine politisch aktive Band namens Blacksmoke hat, und Drummond, der in den späten 70ern eines der Gründungsmitglieder von Big In Japan mit Holly Johnson, dann Labelchef des eigenen Labels Zoo war und später eine Karriere als A&R bei der WEA startete, für die er den Gitarristen Jimmy Cauty als Teil eines Ensembles namens Brilliant signte, widmen sich derzeit diversen bizarren Projekten und künstlerischen Spleens, deren nicht ganz so eindeutig auf Schock á la Stinkefinger-Geld-Verbrennaktion setzende Intentionen sich nur denen offenbahrt, die sich mit Begriffen wie Kunst, Kuturbetrieb – dem der Musikindustrie nicht unähnlich – und Kommodität auseinandersetzen. Da sind zum einen Drummonds Pages, auf denen zum Beispiel nutzlose Services jeglicher Art für Geld angeboten werden („Für 100 Pfund werde ich Ihr Erzfeind“), da ist zum anderen seine Show „How To Be An Artist“, in der er kunstkritische konzeptionelle Aktivitäten dokumentiert: „Ich beschloss, dass ich das von mir nicht mehr geschätzte, 20.000 Pfund teure Richard-Long-Kunstwerk in zwanzigtausend Teile zerschneide, sie jeweils für 1.000 verkaufe, mit dem Geld durch Island laufe und es dann in einem von Long errichteten Steinzirkel verbuddele. Die Aktion soll ‚The Smell of Money Underground’ heißen.“ Dass er das Kunstwerk nicht einfach in einem Stück verkauft und das Geld karikativen Zwecken zukommen lässt wie andere reiche Menschen, spricht vielleicht nicht unbedingt für ihn, aber für seine Subversivität – er kann es offensichtlich nicht sein lassen, den Kunstbetrieb zu hinterfragen und daraus eine Kunst für sich zu machen. Womit er sich selbst treu bleibt, anstatt andere zu kopieren. Leider finden sich allerdings nicht genug Käufer für das zerschnippelte Werk...

Text: Katrin Richter (kat@planetkat.com). Fotos: Kind courtesy of KLF.de
Thanks: Daniel Erlemann

KLinks:
www.cnpdonline.com
www.penkiln-burn.com
www.blacksmoke.org
www.youwhores.com
www.klf.de
www.scootertechno.de

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