18.01.2007

Repeat Repeat: Boundarybodybouncerbeats für ausgeflippte Flipflopträger +++ RL ARCHIVE DEC 06 +++







Nach einer Reihe von EPs auf ihrem Heimatlabel Soma, die mit ihren futuristischen Danceflooracidanleihen, gekreuzt mit einer Vorliebe für Freakfrakturen und einem dicken Punch Crunch, für ein Aufraunen unter den Frickelfunkfreunden gesorgt haben, die den Flur wegen einer ausgeprägten Passion for Bodyspasting nicht aus den Augen verlieren wollen, schaffen es die beiden Wahlondoner, melancholisch-musikalische Momente der Kontemplation auf dem Floor zu kreieren und diese Essenz in ihrem ersten Album. Für Barfuss- und Flipfloptänzer...

„House, Techno, Disco, Bleeps und strange Sounds“

Repeat Repeats feinausbalancierten Sound wurde in einem langwierigen Studioschraubprozess perfektioniert. Heraus kommt besagter minimaler Acidfunk, der, angereichert mit dreckigen Elektroanleihen und bösen Modulationen, die sich an Komplexmasters wie Aphex Twin und Autechre orientieren, ohne jemals zu reiner Kopfmusik zu mutieren, eingebettet in zarte Elektronica-Arrangements sowohl Herz als auch Bein anspricht und somit eine langjährige Musiktradition weiterführt, die in England ein respektables Standing abseits des Mainstreams hat: elektronische Musik, die überrascht, weil sie frisch, unverbraucht und grenzenlos ehrlich klingt. Dave beginnt zu erzählen: „Ich bin durch eklektische, openminded Selectors wie John Peel zu Housemusic konvertiert worden – der Sound hat mich Anfang der Neunziger einfach komplett umgehauen. Ich beschloss daraufhin mit einem Freund, nach Detroit zu pilgern, wo wir Richie Hawtin kennenlernten. Er nahm uns mit ins Music Institute, wo er mit Derrick May und Derryl Wynn auflegte. Im Abschluss reisten wir nach Chicago und hörten uns Derrick Carter an. Der Trip war insgesamt sehr inspirierend. Ich kehrte nach Nottingham zurück, wo ich studierte, und startete mit Freunden meine eigenen Clubnight. Wir buchten regelmäßig DJs wie Derrick Carter, John Acquaviva und Richie Hawtin, und so wurde mir irgendwann eine Residency im neueröffneten Club The Bomb angeboten, dessen Musicpolicy sehr sehr cool war: House, Techno, Disco, Bleeps und alle Variationen stranger Sounds, die man sonst in Clubs nicht unbedingt zu hören kriegt. Das habe ich damals aufgelegt, und das lege ich noch heute auf.“ Und so überrascht es nicht, dass Dave, dessen Style zwischen Minimalismus und Weirdo-Elektronik mit Danceflooranspruch hin-und heroszilliert, heute durch Andrew Weatheralls Agentur verbucht wird, und den unangefochtenen UK-Elektroveteran Weatherall auf seinen Two-Lone-Swordsmen-Touren supportet.

„Wir stehen drauf, überrascht zu werden“

Der einige Jahre jüngere Mark, der auch als DJ Haunted House sein Unwesen treibt, wurde übrigens ebenfalls von John Peel angefixt, allerdings ging er die ganze Elektronik-Sache etwas experimenteller an. Das klassisch ausgebildete Multiinstrumentalistenwunderkind spielte in seiner Jugend in etwas „drögen Britsound-Bands“, wurde aber von experimentelleren Produzenten wie Aphex Twin und Autechre, Venetian Snares und Kevin Shields dermaßen geflasht, dass es ihn immer mehr in Richtung Elektronik zog, bis er schließlich ein paar seiner Gitarren verkaufte und komplett konvertierte. „Dass mein Background eigentlich ein ganz anderer ist, macht Repeat Repeat meiner Meinung nach so interessant“, sagt Mark. “Ich stehe auf extremere Gitarrennoises, doch Acidhouse, Leftfield Disco und Techno verbinden uns beide, und so kommen wir zusammen”, erklärt er. „Außerdem wir stehen beide darauf, überrascht zu werden“, fügt Dave hinzu, „was wir auch im Studio einfließen lassen. Wir wollen, dass sich unsere Musik tiefgründig, funkig-soulig und fresh anhört, ungewöhnlich und doch zeitgegenwärtig.“ „Keine einfache Sache“, fügt Mark hinzu. Und so verbringen die beiden, die sich übrigens einst beim Plattenkaufen kennen- und lieben lernten, ganze Wochen in ihrem mit Tierbildern und kaputten Fernsehen geschmückten Studio, um in demokratischen Abstimmungen ihren Sound zusammenzutunen, der Andrew Weatherall irgendwann dazu bewog, ein Demo an das befreundete Soma-Label weiterzureichen, das Repeat Repeat auch prompt signte. Drei gefeierte EPs hat Soma 2005 und 2006 vor dem Erscheinen ihres ersten Longplayer auf den Markt geschmissen, und seitdem geht es stetig bergauf. Mit Remixanfragen von Transparent Sound und Support von Buddy Richie Hawtin geht die Sache stetig voran, und mit weiteren EPs auf Soma hat man neben dem geplanten Label MyMateMusic noch einige Asse im Ärmel. In die Karten lässt sich Labelchef Dave allerdings noch nicht gucken. „Checkt lieber mal unseren Livact aus. Wir grooven auf zwei mit Ableton ausgestatten Laptops ab.“ „Es ist unglaublich“, sagt Mark, „was man damit für Dancefloordamage anrichten kann.“

Text: Katrin Richter, kat@planetkat.com. Pics: Soma.

KLink:
www.somarecords.com

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