25.11.2006

Ain't Nuttin' But A Hustle - Rollin' On Jefferson Avenue With DJ Assault +++ RL ARCHIVE NOV 06







Wohl war. Je fetter Booty und Bass, desto mehr kracht es. Der Sound: zwischen Techno, Electro und Drum’n’Bass mit um die 160 bpm angesiedelten Grooves. Der Mixingstyle: Hiphop-Turntablism pur, bis zu 90 Platten werden in 60 Minuten geburnt, was den DJ-Akt zu einer atemberaubenden Liveshow mutieren lässt. So macht man Party, nicht nur in Detroit: Mit einem ganzen Arsch voll Produzenten und einer horny Szene, die sich (hoffentlich) gewaschen hat*, booteten sich die Accelerated Grooves um die Welt und in die Unterwäsche williger Kandidaten. Kann es noch heißer werden? Raveline on “Speaker Mode”, calling Assault.

Assault, I’m Coming!

Auf seiner Website Bilder von ihm und seinem Auto. Vorm Auto, neben dem Auto, im Auto. “DJ Assault liebt Autos. Er ist ein richtiger Pimp.” verkündet auch sein Pressetext. Wenigstens mal einer, der es zugibt. Womit wir schon beim Punkt wären, der Craig de Shan Adams als Person ausmacht. Der Typ ist echt. Er macht eigentlich aus keiner seiner Intentionen einen Hehl. Er steht auf Ladies, und er will gerne so berühmt werden wie Timbaland. Die “Ladies”, unterkategorisiert in “Hoes”, “Trashbag Hoes”, “Lightskinned Bitches” und “Freaky Bitches” freuen sich, und warum Craig mittlerweile versucht, seinen Style ein wenig blingblingiger zu stylen, eben mehr R’n’B, ist auch klar: neue Autos müssen ran, um (Frauen?) zu beeindrucken. So kommt es nicht von ungefähr, dass sein neuestes Outing auf seinem eigenen Imprint Jefferson Avenue, das seine mit Ex-Studiopartner Mr. De betriebenen ersten Labels Assault Rifle und Elektrofunk ersetzt hat, “U N My Car”, gleichzeitig das Thema Frauen und Autos behandelt – ein echter Winner. Ja, Craig ist echt. Da ist nichts, was nicht von Herzen kommt. Vielleicht ein wenig zu echt. “Sonst wär’ ich ja schon reich”, murmelt er nachdenklich.

Pimp My Style

Vielleicht ist Craig auch nur noch gar nicht aufgefallen, dass er es überhaupt nicht nötig hat, sich auf ein Stereotypen zu reduzieren, der einer pervertierten männlichen Fantasie entspricht. Denn er ist mit Sicherheit einer der außergewöhnlichsten DJs und Produzenten Amerikas, auch wenn er wahrscheinlich nie als der nächste Timbaland gefeiert wird. Denn seine Musik spricht für sich, und das hat weniger mit Titten zu tun als mit Talent. Er und seine Kollegen vereinen zwei Welten, die eigentlich seit den frühen Techno- und Housejahren in Detroit, New York und Chicago nicht mehr zusammengehören und auch nirgendwo sonst auf diesem Planeten zusammenfinden wie in seiner Heimatstadt Detroit: Hiphop und Techno. Damit hält er eine alte Tradition am Leben. Angefangen hat es mit Electrifying Mojo, Jeff Mills alias The Wizard, und den Hotmix Five, die über den Äther mit Maschinen produzierten Groove jenseits von Stylelimitationen verbreiteten und damit Tausenden von Hörern neue Horizonte eröffneten.

Whatever Gets People’s Asses Moving

Elektro und die daraus hervorgegangene, komplett clubbifizierte Soundmutation Techno, die seit 1987 die Herzen im Sturm erobert hat, sind längst den Stadtgrenzen Detroits entfleucht und werden weltweit zelebriert. Doch der Accelerated Funk der Generation von DJs, die danach kamen – DJ Assault, The Godfather, DJ Nasty, Starski & Clutch, Mr. De und natürlich auch die Freaklivekombo Detroit Grand Pubahs, deren Sound sich stark am Bootytech orientiert –, technisch perfekt und jenseits der schnell etablierten Styleschubladen anzuordnen, wartet gar nicht erst auf den Big Bang, der die steifen Ärsche auch in Europa in Schwung bringt. Denn der seit 1995 kursierende Stil hat es in Insiderfankreisen auf der ganzen Welt geschafft, eine Art Avantgardeposition einzunehmen, die dafür sorgt, dass Tracks von DJ Assault oder auch den auf Steve Bugs Pokerflat-Label untergekommenen Pubahs von so unterschiedlichen Fraktionen wie der französischen Elektropop-Szene um Kitsuné, Ellen Allien, Mental Groove und Dark Breakers wie dem Novamute-Act Debasser wahrgenommen wird.

Freaky Bastardsounds

Und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Das freakige Bastardkind Booty wird weiter mutieren und tanzwütige Funkaddicts rund um die Welt infizieren. Da mag Assaults “Ass’n’Titties” vielleicht immer mal wieder im amerikanischen Fernsehen auftauchen – der Track wurde bereits für zahlreiche Commercials lizenziert – seine Musik hat in den US aber doch einen solchen marginalisierten Status, dass so denunziierende Bezeichnungen wie “Ghettotech” gefunden wurden. Hier in Europa, wo Musikfans häufig dazu neigen, Detroit zu glorifizieren, hat der Sound wieder einen ganz anderen Stellenwert, auch wenn sich auch hier viele Kritiker schwer damit tun, über die Lyrics hinwegzusehen, die letztenendes auch nur Spaß machen sollen. Und in Südamerika ist man mit wilden Mutationen wie Baile Funk und Reggaeton schon einen Schritt weiter. Wie dem auch immer sei: “Man kann den Sound sehr vielseitig verwenden. Dazu rappen, singen, mit Livegitarren untermalen, hochgespeedeten Jazz drunterlegen…,” sagt Craig. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Denn: “Mein Sound hat Funk.” Word. Also, lasst es wackeln. Es wird weitergehustled. “Da wird sich nichts dran ändern.”

*Stankin ass bitches that need to wash up
Don’t get mad when I don’t want to fuck
You need soap and water, soap and water
Soap and water, soap and water
(Auszug aus: “Ass’n’Titties”)

Words> Kat at Planetkat dot com. Pix> Jefferson Ave. Thanx> Craig & Jorma.

KLinks:
www.djassault.com www.electronic-funk-music.de

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