20.11.2006 Zufällig gefunden: Das Label Foundsound/Unfoundsound +++ RL ARCHIVE NOV 06 |
Der in seinem minimaldeepen Technohouseoutfit großen Anklang findende Produzent und DJ aus Philadelphia, mittlerweile auch kaum noch aktiv als “Kitschpopper” Flowchart, mutierte nach dem Auscheiden aus dem ehemals auch von ihm betriebenen Imprint Tuning Spork und Fuzzy Box in den letzten zwei Jahren als Someone Else zu einem heißbegehrten Remixer für Artists wie Ricardo Villalobos, DJ Emerson, Tleilaxu, Daze Maxim und Dan Curtin. Zu recht: Mit seinen “immer gleich klingenden Someone Else”-Sounds begeistert er nicht nur Soundsucher, sondern auch Feierlover der ganzen Welt und begeht mit seinem reinen Downloadlabel auch Copyright-technisch neue Wege, die auch in Dland Nachahmer findet. Gema cry your heart out. Raveline redete mit Sean über verlorene Geräusche und gefundene Gehirnzellen. Oder war es umgekehrt? Meeting With Someone Else Wer in Berlin anruft und, ein “Hello” erwartend, ein fröhliches “Hola” mit argentischen Akzent vor den Bug geschleudert kriegt, hat Barem an der Strippe. Der junge Argentinier, der nach dem Erscheinen seiner ersten EP auf Unfoundsound gleich in den Minimalolymp erhoben wurde – er ist unter anderem auf Richie Hawtins neuer M_nus-Compilation vertreten –, ist die Spitze eines Eisberges aus argentischen Produzenten, denen Sean nach seiner ersten Südamerikatour im Jahre 2005 auf Unfoundsound ein Zuhause geboten hat. Die als Unfound-16 erschienene Compilation “Aires Buenos” mit Artists wie Violett, Barem, Seph und Dilo, bewies, dass sich fernab der hiesigen Szene eine neue Riege von Produzenten eine Definition von Minimalsounds zurechtgeschnippelt hatte, unter anderem auch aus Foundsounds, die nun wellenartig aus Argentinien um die Welt schwappen. Free Sounds Immer und überall zum Downloaden bereitstehend auf der Website des Imprints. Denn Unfoundsounds ist ein reines Downloadlabel, dessen Philosophie auf dem auf dem Konzept der Creative Commons Music Sharing License basiert, einer Copyright-Regelung, bei dem der Producer, der aus rechtlicher Sicht auch der Besitzer ist, alle Rechte einräumt, die Musik öffentlich zu verbreiten, es sei denn, sein Produkt wird für kommerzielle Zwecke genutzt oder gesampled. Das bedeutet, dass seine Tracks nicht nur überall legal umsonst gedownloaded, sondern auch gespielt und gestreamt werden können. “Das mag vielleicht der Nagel zu unserem Sarg sein, denn eigentlich ist Unfoundsound das Label, mit dem wir antesten, welche Artists wir auf Foundsound bziehungsweise Vinyl herausbringen, und wir graben uns mit den Downloads eventuell selbst, das Wasser ab, aber vielleicht eben auch nicht.” Nun, Barems neue Platte, die bereits als mp3 vielgespielte “Campo Loco EP” wird garantiert ein Bestseller: Nicht alle stehen auf digitale Soundformate. How Do You Unfind Sounds? Wo finden sich denn nun die Sounds? Nun, ganz einfach: “Meine Hihat, das kann ein runtergefallener Stift sein. Meine Kickdrums mache ich vielleicht, in dem ich auf ein Kissen einschlage. Oder ich benutze meine Stimme. Lache. Das Praktische an die Foundsounds ist, dass man mit diesen kleinen Soundschnipsel eigentlich gar nicht spezifisch sein muss oder wählerisch. Mit der richtigen Editierung passt alles,” erklärt Sean sein Konzept. Und für seine Faszination mit natürlichen Geräuschen hat er auch eine Erklärung parat: "Sounds wie die menschliche Stimme lassen uns instinktiv aufhorchen, schließlich ist sie seit Tausenden von Jahren unser Mittel der Kommunikation. Foundsounds kann man irgendwo zwischen der menschlichen Stimme und synthetischen Sounds ansiedeln, wir nehmen die Sounds intensiver wahr als synthetische. Das Hörerlebnis ist daher profunder.” Mit einer Knarre im Arsch Foundsounds sind daher ein Prärequisit des gleichnamigen Labels, und Barem, der “mit einer Knarre im Arsch” bedroht wurde, fügte sich daher und verwendete für seine soeben erschienene “Campo Loco EP” dann auch brav zum ersten mal gefundene Sounds. “Unfoundsounds ist vom Konzept her offener”, sagt Sean, “viele der Produktionen sind Foundsound-free” (und funzen deswegen aber nicht weniger) und fügt hinzu. “Theoretisch gibt es keine Limits. Es wird auch alles noch lockerer.” Nach dem Erscheinen einer weiteren Various-Artists-Compilation – nach Buenos Aires liegt nun der Schwerpunkt auf Marseille – ist eine Unhappy-Anniversary Compilation geplant, und danach wird sich zeigen, wie es weitergeht. Eines ist sicher: Sounds werden sich immer finden. Interview und Protokoll> Kat at Planetkat dot com. Fotos> Courtesy of Sean. Hola> Argentina! KLinks: www.foundsoundrecords.com www.unfoundsoundrecords.com creativecommons.org |