29.10.2006 Valentino Kanzyani: "I'm Lost In Music – More Than Ever Before" +++ RL ARCHIVE SEPT 06 |
Nun, quasi als 31. Geburtstagsgeschenk an sich selbst, meldet sich der Dreideckchampion mit seinem mittlerweile dritten Mix auf Recycled Loops "rockiger" denn je zu Wort – "Rock The Discotheque 3" heißt die raffiniert druckvolle Abfahrt dann auch völlig passend. Stylischer denn je das schräg-glammige Outfit und der immer definierter klingendere Sound. Was es mit den gitarrenleckenden Mädels auf dem Cover auf sich hat, konnte nicht ermittelt werden, dennoch gelang es Raveline, aus dem im Sommer in Ibiza sein Unwesen treibenden Tine Kocjanèiè ein paar sehr interessante Statements herauszukitzeln. "Ich bin durch Liebe zur Musik zu dem geworden, der ich heute bin." So, woher kommt also diese Faszination – Bands, Drumkits, Discotheque - und wie kommt alles zusammen? Ganz einfach. "Als Kind wollte ich Rockstar werden." Doch leider war die Musikschule komplett überlaufen - alle wollten Rockstars werden -, und das einzige Instrument, das Valentino hätte lernen können, war die Klarinette. "Doch ich fand den Sound komisch und ließ es deshalb bleiben, was ich heute bereue." Einfach war es nicht - das zu finden, was bald zum Lebensmittelpunkt mutieren würde, und das Ziel dann auch nicht wieder aus den Augen zu verlieren: elektronische Musik. "Ich hatte weder Zugriff auf Technologie noch viel Geld. In Slowenien lebten wir in diktaturartigen Zuständen. Es gab keinen, vom dem man sich etwas hätte abschauen können." Aus Italien und aus Deutschland und Österreich schwappte die neue Welle, die bald eine ganze Generation von jungen Leuten in ihren Bann zog, Radioshows tapen, Geldsparen und in Pulks zum Plattenkaufen über die Alpen fahren ließ. "Ich hatte eine riesen Passion und so bin ich durch Liebe zur Musik zu dem geworden, der ich heute bin." "Wenn ich die Leute in Bewegung versetze, bin ich am glücklichsten" Seine DJ-Sets: pures Dynamit. Seine Skills: wirklich beachtenswert. Zunächst entwickelt und verfeinert in einer Disco namens Ambasada Gavili, wo er zusammen mit Produktions- und Labelpartner Umek die Essentials von der Pike auf lernte, bevor sie ihn um die Welt trugen. Nun mittlerweile schon fast seine Trademark: dynamische Dreideckaction, das Cutten und Layern der Grooves, die die Menschen moven. Hier kommt sein Talent zum Vorschein: erfindungsreich und raffiniert vereint er trancige und perkussive Elemente mit progressiven Beats und roher Technoenergie - wie nicht nur mit "Rock The Discotheque", sondern auch bei seinen Mixen auf Matrix und Intec unter Beweis gestellt. "Ich habe mit dem DJen angefangen, doch ohne eigene Produktionen würde ich mittlerweile nicht mehr genug Tracks zum Spielen am Start haben, die meinem Stil entsprechen und mich wirklich kicken. Außerdem inspiriert mich das DJen, mich an neuen Sachen zu probieren. So ergänzt sich eine Aktivität mit der anderen. Meine Produktionen mögen zwar mehr Leute erreichen, aber mit meinen Sets live on Stage kann ich eine Energie erzeugen, die direkter und präsenter ist als meine Musik allein. Ich versuche, die Leute in Bewegung zu versetzen, und wenn mit das gelingt, bin ich am allerglücklichsten." "Ich suche städig nach einem neuen Sound, der mich kickt" "Die Musik, die ich spiele, war schon immer eine Mixtur aus verschiedenen Styles. Es fällt mir immer schwerer, irgendwelchen Vorstellungen zu entsprechen, mich Kategorien zu unterwerfen, weil mir einfach alles gefällt. Um ehrlich zu sein, ich habe mich noch nie so in Musik verloren wie zur Zeit. Musik verändert sich und der klassische Techno, der vielleicht in der Vergangenheit meine 'Spezialität' war, tut es jetzt einfach nicht mehr für mich. Ich versuche auch produktionstechnisch, einen neuen Sound zu etablieren, der mir gefällt und meinen Sets entspricht. Durch meine Offenheit fühle ich mich wie neugeboren, und es gefällt mir wirklich, was sich zur Zeit musiktechnisch alles tut. Mein Brother Marko Nastic, Chris Lake, Cirez D, Extrawelt, Gabriel Ananda, James Holden, Mathew Jonson, Trentemoller - was diese Leute rausbringen, hat die Szene letzten zwei Jahre komplett umgekrempelt. Es hat sich eine Menge verändert, was mich wundern und denken und weitermachen lässt, mich freuend, dass die Statik überwunden ist. Wenn man Musik machen will, muss man inspiriert sein, und das ist der härteste Teil der Arbeit." "Gute Musik spricht die Leute an. Sie sagt: 'Ich liebe dich.'" Und was war nun genau das Konzept des neuen Mixes? Ganz einfach: "Meine Mixe reflektierten, wo ich mich gerade herumtreibe im Musikuniversum – meine Vision von Musik." Viele Tracks auf "Rock The Discotheque 3", zum Beispiel Produktionen von DJ Preach, Marko Nastic, Marco Bailey & Redhead, Supermodels From Paris und Kobaya, sind Highlights, die sich auch in Valentinos topaktuellen Sets widerfinden. Das Kriterium: "Der Track muss mir den Funk geben, wenn ich ihn höre, so dass ich draufabtanze. Ein guter Track ist ein Ritt, der mir Freunde bereitet und mich in Bewegung versetzt und gleichzeitig trippen lässt. Eine Kopfreise, wenn ich mixe. Und auch eine Message für die Leute, die mir zuhören: Gute Musik spricht die Leute an. Sie sagt: 'Ich liebe dich.' Die Herausforderung für mich besteht darin, die Tracks so zusammenzubringen, als wären sie füreinander gemacht. Ich finde es total spannend, Effekte und andere Technologien einzusetzen (wie auch auf "Rock The Discotheque 3" geschehen, Anm. d. Aut.). Ein Set sollte ein Konzept haben, denn mir ist es wichtig, dass die Leute vom Anfang bis zum Ende mitreisen. Mit jeder Mix-CD gelingt mir das besser, was mich total glücklich macht." Jesus Loved You - Valentino Loves You! Nicht nur diese Kunst hat Valentino perfektioniert. Mit den gigantischen, auf Carl Cox' Intec-Label erschienenen, perfekt produzierten Partymonstern "Rock Cage" und “Metal Cage", ebenfalls auf seinem neuen Mix vertreten, beweist Valentino, dass er wirklich weder Angst davor noch Probleme damit hat, gewaltige Progressivefunkypercussive-Techhouse-Hymnen hervorzubringen, die nicht nur den Underground, sondern auch den Mainstage-Partysektor, wo reinrassige House- oder Technotunes nicht hinreichen, in Grund und Boden rocken. Valentino ist eben ein echter Meister und hat wirklich keine Berührungsängste, nur Visionen. Die wohl heftigste bis jetzt: Sein neuestes Venture, ein reines Download-Venture namens Jesus Loved You, auf dem die wohl trancigsten Valentino-Tracks ever erschienen sind, unter anderem das progressive "iPray". "JLY ist mein einziges Label, dass sich keinem Soundkonzept unterwirft – hier haben sich die Trennlinien zwischen House, Techno, Trance und Elektro komplett aufgelöst." Jesus loved you – and Valentino loves you. Der symphatische Typ mit dem offenen Herzen hat tatsächlich Lust, diesen Planeten durch ein bisschen Liebe von ihrem ganz alltäglichen Wahnsinn zu befreien: "Unsere Welt wird mehr und mehr von Corporations kontrolliert, die die Regierungen in Schach halten und somit ihre Macht misbrauchen." Auch aufgrund der Vergangenheit seines Landes eine Gefahr, der Valentino offenen Auges entgegenschaut. "Die Musik hilft mir, davon Abstand zu nehmen, mein Leben zu leben und glücklich zu sein, und das gebe ich auch an andere weiter, ohne etwas zurückzuverlangen." Text> Kat@planetkat.com. Bilder> Recycled Loops. Big Ups> To all the lovers searching, discovering, creating the world. Love, peace and happiness for all! KLinks> www.recycledloops.com www.jesuslovedyou.com |