11.11.2005 RL MAR 04 +++ Forever junggeblieben: Eins zu Null für die Youngsters |
Mit " Army of 1-0" haben die beiden DJs, Live-Musiker und Produzenten Gil le Gamin und Olivier M eine weiteren Volltreffer geleistet: Mit Hitsingles wie die bereits als EP erschienenen Singles" Confidential Music" und "Place, Race & Face" lieferten die beiden Naturfreunde mit einem Hang zur Romantik bereits ein paar frankophile Konsensnummern für den Mainfloor. Doch "Army of 1-0" bietet mehr: positive Vibrations in allen Variationen. "Die Armee ist soeben geschlüpft" Nachdem die beiden in der Provinz angesiedelten Eigenbrötler sich über Monate in ihrem Ei, dem Studio der beiden, verkrochen und an ihrem brandneuen Live-Act herumgetüftelt haben, der dann nach und nach Form annahm und sich zum Teil in Song-Form auf dem im letzten Monat erschienenen Album materialisiert hat, sind die beiden juveniven Produzenten zur Zeit schon auf Tour durch ganz Europa, um "Army of 1-0" zu promoten. Zwei Stopps haben die beiden auch schon in Deutschland eingelegt, Stopps, denen Gil und Olivier mit gemischten Gefühlen entgegensahen: "Für uns war Deutschland immer so etwas wie der heilige Gral" , erzählt ein aufgekratzter Gil: "Unser Sound ist ja schon Techno im weitesten und blumigsten Sinne, nichtsdestotrotz hat es Jahre gedauert, bis wir hier unser erstes Booking bekommen haben. Nervös und stolz wie Oskar waren wir dann auf dem Gig. Auf den ersten Blick schien dann auch alles okay: Alle Leute haben getanzt und sind auch gut abgegangen - bloß keiner hat gelächelt oder miteinander gefeiert! Das hat uns total ausgefreakt!" Noch heute rätseln der sensible 26-jährige Olivier und sein acht Jahre älterer Partner Gil, was es mit der Seele der Deutschen auf sich haben könnte: Ist es der gefühlvolle, Detroit-angehauchte Sound, der den Feiermenschen in unseren Landen nicht mal ein müdes Lächeln abgewinnen kann, oder ist es die Mentalität der Deutschen, die nur schwerlich auf Fremde zugehen können, was ja gemeinhin als kalt empfunden wird? "Musik ist schöner als jede Schublade" Nun, am Sound der Youngsters kann es gewiss nicht liegen, denn der bewegt sich doch ganz deutlich innerhalb der Beschränkungen von moderner elektronischer Tanzmusik - ein klarer Viervierteltakt, Floortauglichkeit und eine flüssige Grundgeschwindigkeit um die 130 bpm - und doch entzieht sich der Sound der Zwei, die Kategorisierungen kategorisch ablehnen, weil "Musik doch schließlich schöner ist als jede Schublade, die man ihretwillen erfinden kann", total erfolgreich jeglicher Kategorisierung. Der Grund: ihre von manch analen Puristen als total unorthodoxe Herangehensweise verschriene Methode endash erlaubt ist, was gefällt: funky Jazzanleihen, schillernde Streicherensembles, superfluffige Flächen, schrille Vogelstimmen, blubbernde Breakbeats, schräger Elektro, gefühlvolle Pianos... ihr merkt schon, die ganze Palette von gefühlerzeugenden Instrumentierungen. Naturlich auch nicht fehlen darf ein Hauch von französischem Käsekitsch-Pathos, Eighties-angehaucht und dramatisch. Olivier sagt dazu: '84Wir versuchen einfach, Musik zu machen, die unsere Einflüsse und unsere Erfahrungen zusammen bringt." Und Gil fügt hinzu: '84Dabei war uns von Anfang an wichtig, dass unsere Arbeit ausschließlich unsere ureigene Perspektive auf das Techno-Universum widerspiegelt. Das macht uns unklassifizierbar, denn die Sounds basieren eben auf persönlichen Erlebnissen und Interpretationen." "A perfect fusion of cold electronic groove and warm soul" Prägend für die Youngsters, die sich vor vielen Jahren in Gils Plattenladen Zappies Records über den Weg gelaufen sind, waren neben den Beatles vor allen Dingen Synthesizer-Musik der Achtziger Jahre, bevor sie sich zu den New Yorker House- und den Technosounds von Detroit hingezogen fühlten. Es kam, wie es kommen musste: Weder der eine, noch der andere wollte danach noch einem geregelten Berufsleben nachgehen. Der zum DJ-Dasein bekehrte Gil eröffnete 1995 besagten Plattenshop und fing kurz danach an, mit Scandiums Ultracolor Musik zu produzieren. Drei Jahre später gründete Gil, mittlerweile auch erfolgreicher Partypromoter, sein eigenes Label, G-Funk. So richtig spannend und abenteuerlich wurde es zugegebenermaßen erst, als Olivier M den Laden betrat und den rationalen, erfahrenen, weltgewandten Gil mit seiner träumerischen Art und einem Promo-Tape bezauberte. Der poetische Olivier, der leidenschaftlich gerne bei Mondlicht durch die Landschaft wandelt, mit seinen Geräten eine fast schon physische Beziehung eingeht und des nachts neben seinem Keyboard schläft, falls er eine Synthline durch seine Träume geistern hört, avancierte flugs zum Partner. Die Youngsters waren im Ei. Und ein paar Jahre später ausgebrütet. "Ich schlafe direkt neben meinem Keyboard" Nach vier sehr erfolgreichen, am Technomarkt orientierten EPs auf Gils Label gaben sich die Youngsters 2000 noch einmal ein wenig kreative Auszeit, erweiterten ihr Repertoire und ihren Horizont und bewarben sich dann bei ihrem großen Vorbild: Laurent Garnier. Das Schicksal meinte es gut mit ihren. Der Meister spielte ihre Platten seit langem und liebte ihren Style. Einen Vertrag bot er ihnen auch gleich an. Als hätten Gil und Olivier nur darauf gewartet, brachten sie eine erfolgreiche 12-Inch nach der nächsten hervor, darunter die "Spanish Harlem EP", "End EP" und die "Abusive Melody EP", und lieferten im Anschluss gleich auch noch ihr erstes Album "Lemon Orange" ab. Von ihrem ungebremsten Positivisimus, den sie damals an den Tag legten, haben sie bis heute nichts eingebüßt. Mit der gleichen optimistischen und unverbesserlichen Energie nehmen sie auch jeden Liveauftritt in Angriff. Mit Keyboard und Gesang performen die beiden ungezügelten, melodischen Technosound, den die beiden selbst als "deep and funky Techno vibes in a Rock'n'Roll style" bezeichnen, kombinieren gekonnt Decks und Effekte - das Resultat: vernichtend gut. Laurent ist hyperglücklich, dass die beiden mit ihm arbeiten. Und die Youngsters sind froh, dass sie auf F Com releasen - mehr künstlerische Freiheit würde ihnen sonst nirgendwo garantiert. Und so erstaunt es nicht, dass die "Army of 1-0" noch vollkommener und runder erscheint als der Vorgänger. Und - im Herzen immer noch jung? Aber klaro. Die beiden werden einfach nicht erwachsen: Das besorgt Gils Frau zunehmend und bringt auch Olivier immer wieder in Schwierigkeiten. Gut so. Words> Katrin Richter. Pix> Courtesy of Gil le Gamin Links: www.theyoungsters.net www.fcom.fr |