10.11.2005

RL ARCHIVE OCT 03 +++ Attila Jahanvash: 1001 durchgemachte Nächte









Aber der Iraner vermisste seine "Boxen und das externe Mischpult" zu sehr und flog - zum großen Missfallen seiner Familie - bereits nach zehn Tagen wieder zurück zu seinem Studio. Wer arabische Musikeinflüsse erwartet, wird allerdings enttäuscht: "Made In Iran" schließt sich nahtlos Releases wie "I Don't Think I Didn't Say Goodbye" an. Erneut verliert sich Attila, der seit seinem ersten Album, dem ebenfalls auf Z Schallplatten erschienenen "Haus der Jugend", "ohne Synthesizer, ohne Hard- und ohne Software" arbeitet, in seiner charakterischen, als "Attila-Sound" verschrienen minimalen Flächenmusik. Jenseits aller Konventionen ergeht sich der Musiker in schwebenden Modulationen, dessen reduzierte Monotonie er mit persönlichen Neuentdeckungen aus den Weiten der Elektronik anreichert: So findet sich auf "Made In Iran" nicht nur erneut sublim durchschimmernde Popmelodik - man denke da an das mit Marco Cannata entstandene "Action Pop"-Album - sondern auch treibende Minimalstücke um die 140 bpm sowie angedeutet synkopierte Beats. Jahanvash, dessen Familie 1985 wegen des Iran-Irak-Krieges nach Deutschland floh, verkroch sich die ersten drei Jahre depressiv in seinem Zimmer: "Ich wäre am liebsten zurück gegangen, um in den Krieg zu ziehen." Doch dann entdeckte Attila, der später eine Boutique und eine Bar in Frankfurt betrieb, Techno für sich: "Ich nervte Olaf Pozsgay so lange, bis er mir beibrachte, wie man produziert." 1996 rief Jahanvash dann sein "Technoacidtrance"-Label Nicotin ins Leben, brachte es bis Nummer 8 und debütierte auf Luxus und Punkt Musik, bis Freund und Inspirator Jürgen Z Schallplatten gründete und Attila ein Zuhause für seinen schwingenden Minimalismus bot. Dann verselbständigte sich das Ganze: "Ich wurde von Marco Cannata für seinen Sumo-Club gebucht, obwohl ich überhaupt nicht auflegen konnte. Nach acht Monaten stand ich im Ostgut hinter den Plattentellern." Das fünfte Album ist übrigens schon fast fertig, und demnächst erscheinen die "Radar Cosmique" und "Self Reflection"-Remixe auf Pascal F.E.O.S.' Imprint PV-Records.

Text: Katrin Richter. Pix: Jürgen @ Z Schallplatten.

Link:
www.z-schallplatten.com




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