10.09.2005

RL ARCHIVE SEPT 02 +++ Adam Beyer – Das Feuer der Leidenschaft








Nachdem Adam bereits mit seinem Sublabel Code Red vor ein paar Jahren einen Vorstoß in eine andere, für ihn experimentelle musikalische Richtung geplant hatte, dann aber wieder darauf zurückverfallen war, loopbasierten Schwedentechno herauszubringen, ist Truesoul für ihn endlich “das Label, das es möglich macht, sich von Techno wegzubewegen“. Die Idee, hervorgegangen aus einer Diskussion mit seinen engsten Freunden Peter Benisch und Joel Mull, die in der Newsgroup eines befreudeten Designers namens Henrik Fagerberg geführt wurde und in der es um den lang gehegten Wunsch der musikalischen Umorientierung der drei Technoartists ging, wurde zur Wirklichkeit. Truesoul wurde geboren.

Echte Gefühle

Freundlich lächelnd sitzt Adam Beyer im Backstage-Bereich eines berüchtigten deutschen Technoclubs und betrachtet nachdenklich das Cover seines neuen Albums. Seine Haare hat er sich abrasiert und sein neuer, fast radikaler Look scheint äußerlich widerzuspiegeln, was auch innerlich in ihm vorgegangen sein muss. Dass seine musikalische Weiterentwicklung auch eine lebenstechnische Veränderung mit sich trägt, zeigt sich unter anderem auch daran, dass Ulrika und er sich getrennt haben und Adam statt Gras eine Zigarette raucht. Adam erzählt: „Die Idee von Truesoul hat ja schon lange in uns gebrannt. Dass ich es jetzt endlich hingekriegt habe, freut mich total.“ Adam fährt fort. „Ich mache den Anfang, dann kommen Joel Mull, Henrik B und dann Peter Benisch mit jeweils einem Album, und danach noch zwei oder drei andere schwedische Produzenten, dann vielleicht auch andere, und es wird vielleicht auch mal ein Remixalbum geben. Mal schauen. Sobald die Idee stand, haben wir angefangen, wie verrückt zu produzieren. Es war wie eine Befreiung. Sich von dem Konzept loszulösen, nur straighte Vierviertel-Drums zu machen, hat uns eine ganz neue Dimension eröffnet. Henrik hat ein total gechilltes Ambient-Album ohne eine einzige Kick gemacht – ein weiteres ist sogar auch schon fast fertig. “ Adam fährt fort: „Hast du dir das Logo von Truesoul schon einmal angeguckt? Es ist nur die Outline einer kleinen Flamme.“ Das Feuer der Leidenschaft, das in der Seele brennt. Auch auf dem Cover findet sich eine abstrahierte Form, die dem Betrachter blau und entfremdet entgegenlodert wie Tinte in Wasser. Adam ist stolz auf das Artwork: „Mein Freund Polygon hat jede Menge Zeugs verbrannt, um das Feuer ablichten zu können, und über 150 Fotos gemacht. Das Bild, das auf dem Titel zu finden ist, war das Beste von allen. Das Feuer wirkt so organisch, fast wie ein Pilz oder der Kopf eines Aliens“, meint er und grinst. “’Ignition Key’ ist so etwas wie eine Startzündung. Ich habe das ganze Konzept bewusst sehr bildlich gesehen und versucht, das auch durch die Wahl der Namen für die einzelnen Titel rüberzubringen. Viele Tracktitel, wie zum Beispiel ‘Flamethrower’, ‘Active’ und ‘Triangle’ – das chemische Zeichen für Feuer – haben direkt oder indirekt etwas mit Feuer zu tun. Das bezieht sich auch auf die Initialzündung des neuen Labels. Am Ende lösen sich die Flammen mit ‘Dissolve’ in Asche auf, so schließt sich der Kreis.”

There‘s a fire inside of everyone

Eigentlich war das Album schon für den frühen Sommer angekündigt, aber das Release verzögerte sich, weil Truesoul für Adam zunehmend wichtiger wurde. “Das Feedback, das ich bis jetzt zu diesem Album bekommen habe, hat mich umgehauen”, meint Adam. “Truesoul war ursprünglich als kleines Selbstverwirklichungsprojekt geplant, eine Spielerei, die ich mir jetzt erlauben kann, weil ich mittlerweile das Geld habe. Aber die Resonanz war bis jetzt umwerfend.” Zu Recht. Besonders, wenn man in Betracht zieht, was Adam Beyer bis jetzt für einen Sound gemacht hat – und welchen Einfluss seine Loops auf den Sound einer ganzen Technogeneration hatten – dann begeistert das Album durch sein gigantisches Spektrum und durch die Komplexität und Perfektion der Produktion. Adam meint bescheiden: “Soundmäßig ist es mit Sicherheit nichts Neues. Es ist mehr eine Hommage an die Einflüsse, die mich geprägt haben. Das wird besonders deutlich bei ‘Second Surrounding’, das habe ich Breakbeats mit ins Spiel gebracht, auf die ich in meinen frühen Ravetagen total abgegangen bin!” Hört, hört. Auch viele andere Elemente erweisen sich als Überraschung. “‘Ignition Key’ ist bereits auf einer Compilation von Carl Cox vertreten, und ich bin sicher, dass der Track das Crossover schafft, sich auch auf den Housefloors durchzusetzen. Einen acht Minuten langen Track gleich an den Anfang des Albums zu setzen ist zugegenbenermaßen seltsam, ‘Akirlu’ featurt einen geloopten Sprachfetzen von Ulrika, die etwas zum Film ‘2001’ sagt, den wir gerade gemeinsam gucken. Was sie sagt, hört sich an wie Japanisch.” erzählt Adam. Insgesamt hofft er, dass “Ignition Key” eine ganz neue Gruppierung von Leuten ansprechen wird, “und zwar die, die normalerweise kein Vinyl kaufen, da sie mit Clubtracks zu Hause nicht viel anfangen können”, meint Adam. “Ich wünsche mir natürlich auch, dass das Album auch straighten Techno-Heads gefällt, dass sie sich mein Album zum Beispiel zum Runterkommen anhören,” fügt Adam noch hinzu, bevor wir uns wieder unter Leute mischen. Mit seiner Musik, frei nach dem Motto “Stay true to your soul”, drückt Adam aus, was ihm nicht nur in künstlerischer Hinsicht wichtig ist: Sich selbst treu zu bleiben – seinen Weg zu gehen, sich nicht zu verkaufen oder zu belügen – ist einer der essentiellsten Grundsätze des Lebens.

Worte: Katrin Richter. Tnx: Rocketscience Media

Links:
www.truesoulrecords.com
www.drumcode.se


Newsletter PlanetFriends CONTACT