03.09.2005

RL ARCHIVE JUN 02 +++ Bedouin Ascent: Wie klingt eigentlich eine Fata Morgana?








Um so mehr freute sich der 32-jährige Kingsuk, der bengalische Eltern hat und in den Vorstädten von London zu indischem Klassik, Reggae, Dub und Musik von Joy Division, Miles Davis, Ornette Coleman, Pinkii Zoo, Throbbing Gristle, 23 Skidoo und Einstürzernde Neubauten groß wurde und sich später auf Acidtechno-Parties das Hirn wegfeierte, als das schwedische Imprint Dotmusic schließlich Interesse zeigte.

Dot, das 1998 den Track “Spasm” auf einer Compilation namens “Endlessnisism” veröffentlichte, wo Bedouin Ascent gemeinsam mit Musikern wie Funki Porcini, Ian O’Brian und Spacer alias Kirk Degiorgio und Roupe aka Bernd Friedmann experimentellen Klängen jenseits von Harmonien und Songstruktur fröhnte, ereilte allerdings das gleiche Schicksal wie Rising High.

Der “selbstbekennende Groovaholic”, den seine Inspiration häufig auf dem Nachhauseweg nach Harrow ereilt, ließ sich allerdings nicht entmutigen: zahlreiche Remixaufträge – unter anderem von Tortoise, Coldcut und Move D – und Veröffentlichungen auf Talvin Singhs “Anokha”-Compilation sowie die Koproduktion der gefeierten “EastWesticisms”-Compilation machten den Live-Musiker zu einem gefragten Sound-Spezialisten, der weltweite Anerkennung fand.

Vor zwei Jahren gründete er schließlich sein eigenes Label, No Immortal, auf der experimentelle Musiker wie die Live-Drum’n’Basserin Apache 61 und Ikarus ein Zuhause fanden, und veröffentlichte dort zwei EPs, die “Junk Force EP” und die “China Syntax EP”. Die Musik, basiert auf Breakspatterns, die nach den Mustern nahöstlicher Beatstukturen zusammengestrickt sind, wirkt durch kontrastartig gesetzte Flächen und Glockentöne urentspannend und komplex zugleich.

Ähnlich und doch ganz anders ist “Jerx”, das heimatlose, zeitlos schöne Album, das Kingsuk aufgrund der Zurede von Freunden und Bekannten im nächsten Monat doch noch auf “No Immortal” herausbringen wird. “Ich hatte schon aufgegeben – schließlich habe ich ‘Jerx’ vor sieben Jahren gemacht”, meint Biswas, “aber wenn es tatsächlich noch jemand hören will, dann freut mich das.” Und ob! Spannende warme, technoide Musik jenseits aller Genres und Trends verliert niemals ihre Aktualität.

Text: Katrin Richter

Link:
www.no-immortal.com


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