20.08.2005

RL ARCHIVE SEPT 03 +++ Putsch ’79 – Draußen ist es kalt, drum produziern sie Disco!







Fest steht, dass Sami und Pauli, die seit der Schulzeit befreundet sind, sich seit ihren ersten musikalischen Gehversuchen am Amiga an den gleichen Sounds erfreuen. Obwohl sie ihre Vorliebe für analoges Equipment und originale Synthysounds stets gemeinsam ausgelebt haben und immer in unmittelbarem Kontakt miteinander standen, hat es eine Weile gedauert, bis sich die beiden Putsch ’79er zusammengeschlossen haben, um ihre discoid-funkigen Feger zusammenzubastelten. Sami und Pauli sind nämlich keine unbeschrieben Blätter. Mit ihren Soloprojekten kommen die beiden Jungs extrem gut an: Sami erspielte sich die Herzen zahlreicher Synthielektroniker mit seinen auf Clone erschienenen, schon fast kitschigen Bangkok-Impact-Platten sowie den 8-Bit-Rockers-Nummern, und auch Pauli macht mit seiner Paul-Jylhänkangas-Release auf Klakson von sich reden. Gemeinsam produzieren Putsch ’79 heiße Discotech-Boogie-Funk-Verschnitte mit retroidem Touch voll von gelayerter Tiefe und in die Beine flubbernden Basslines und stammen aus dem klirrend kalten Osten des Landes. Nachdem bereits alle drei Putsch’79-EPs, darunter die grandiose „Asian Girls“-Platte, die von DJs wie Laurent Garnier, Tiefschwarz und Tiga, eingeschlagen sind wie Lumumba auf leeren Magen, erscheint nun das Debütalbum der beiden Putschisten auf Clone, dem holländischen Electro-Label für Liebhaber verspielter Sounds. „Putsch“ heißt es schlicht und macht seinem Namen alle Ehre. Ein Putsch ist laut Lexikon eigentlich ein lautmalerisches Wort für Knall und zugleich der Versuch einer kleineren Gruppe, gewaltsam die Regierung zu stürzen und die Macht im Staat zu übernehmen: Die zwei Finnen kombinieren mit den insgesamt elf Titeln gekonnt die Moden der Vergangenheit mit den Spleens der Zukunft. Der Sound von Putsch ’79 ist, genau wie bei Metro Area, Danny Wang und Kelley Polar Quartet. eine extrem dancefloorkompatibel klingende Kombination von bekannten Elementen aus drei Jahrzehnten Nightlife. Techno- und Housesounds treffen auf bleepend-deepen electronic Funk, chicagoeskem Groove, New Yorker Garagendisco voller überschwenglicher Streicherensembles und perlendenden Synthiekaskaden in feinster Achtziger-Manier. Ob es den beiden gelingen wird, mit „Putsch“ das Musikestablishment zu stürzen und dann selbst die Macht zu ergreifen, bleibt abzuwarten, Power oin der Disco machen sie allemal.

Words: Katrin Richter. Pics: Sami. Cheers: Serge @ Clone

Links:
www.clone.nl/artist16.html
www.globaldarkness.com/bangkokimpact

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