19.08.2005 RL ARCHIVE FEB 05 +++ Lemon Jelly - “Wenn wir eine Idee haben, probieren wir sie aus!” |
Was ist es, das die Leute an Lemon Jelly so besonders macht? Nun, ganz einfach: Die beiden Nordlondoner haben es geschafft, erhebende Downtempo-Musik zu einer eigenen Kunstform zu machen. Jedes Detail ist Teil ihres Masterplanes, und man kann ihre Musik förmlich vor sich ausgebreitet sehen, wenn die Klänge synapsenstreichelnd an einem vorbeigleiten wie ein magischer Teppich aus Farben und Formen. Ihre Tracks klingen zugleich urvertraut und doch verwirrend, eingängig und doch komplex und relaxt und doch bewegend, und genau diese Gegensätze, die ihre Musik zu vereinen mag macht eben den Reiz von Lemon Jelly aus. Auch wenn die Vielseitigkeit und Eingängigkeit ihres Soundes dazu geführt hat, dass auf der Insel Fernsehprogramme und Konsumartikel damit beworben werden. Auch visuell ist bis jetzt jedes ihrer Releases ein echtes Augenfest gewesen. Und als wären die gelungenen Cover noch nicht genug, setzen sie mit ihrem zweiten richtigen Album – der Erstling “Lemonjelly.ky” war eine Compilation, eine Kollektion ihrer bis dato auf dem eigenen Imprint veröffentlichten Sammler-7-Inches – noch einen drauf. Perfekt greifen hier die Visuals, entstanden in Freds Multimediawerkstatt, die Atmosphäre und den Rhythmus der einfach nicht zu kategorisierenden Musik auf und bietet dem Konsumenten so eine zeitgerechte Gesamtperformance, die man am besten im Liegen genießt. Nick erklärt, worum es geht: “Wenn ich und Fred zusammenarbeiten, dann kommen unsere Ideen aus unserer Erfahrung als Musiker und durch unsere offene Einstellung zustande. Wir mixen gerne alles mögliche zusammen, wie beim Kochen. Es geht gar nicht um den Style – Reggae, Funk, Punk, Comedy, Hardcore, Jazz, Heavy Metal, Soul, House sind unsere Einflüsse – sondern darum, sich auf Neues einzulassen. ‘Open Horizons’ war deswegen zum größten Teil instrumental und nicht auf Samples basierend. Wir haben einfach nur rumgejammt. Bei ‘’64 – ‘95’ war das genau umgekehrt. Da haben wir zunächst nur mit Samples gearbeitet. Die haben den gesamten Prozess gestartet, aber otfmals kam dann was ganz anderes dabei heraus. Wir haben uns einfach überall bedient, man kann es schon fast Plündern nennen. Es ging dabei natürlich nicht darum, es sich möglichst einfach zu machen, einfach nen fetten Beat unter ne klassische Hookline zu legen. Das würde ja bedeuten, dass man nichts wirklich Neues daraus macht. Wir hätten es uns ja auch wirklich einfach machen können, in dem wir einfach ‘Lost Horizon 2’ produzieren. Ein bisschen mit unseren Akustik-Gitarren jammen und fertig. Aber wir wollen den Leuten nicht um jeden Preis gefallen. Wir wollten uns selbst gefallen. Wir wollten uns gegenseitig überraschen, und das gelingt uns auch nach acht Jahren Studiopartnerschaft immer wieder. Wir hatten noch nie einen Plan, was als nächstes kommt. Wir legen einfach los, und weil wir beide keinerlei Einschränkung unterlegen sind, kommen die Inspiration von ganz alleine. Wenn wir eine Idee haben, probieren wir sie aus. Wir spielen jedes erdenkliche Instrument selbst, vom Scratching bis zum Chello, so brauchen wir uns keine fremden Leute ins Studio zu holen, die vielleicht gar nicht verstehen, was wir haben wollen. Wir brauchen nur uns selbst. Wir sind eine kompakte Einheit!” Text> Katrin Richter. Bild> taken from the Jellyheads fanpage, siehe Links Links: www.lemonjelly.ky www.xlrecordings.com www.jellyheads.info |