13.08.2005 RL ARCHIVE MAY 02 +++ T.Raumschmiere: Shitkatapult – Gnarzkacke Spezial! |
Faszinierend hartnäckig bratzelten sich die verfrickelten Platten des Berliner Labels Shitkatapult in die Hirnlappen. Deswegen wurde es langsam unausweichlich unerlässlich, den unstinkigen Parka-Punks, die sich in den Labelchefsesseln aalen, mal einen zweckdienstlichen Besuch abzustatten, um sie zu fragen, ob sie es wirklich ernst meinen. Und siehe da: sie waren sogar zu Hause und freuten sich auf ein Bier. Schaffel Auf einer Parkbank werden gleich beim Taubenfüttern einige Bierweisheiten verzapft. Das Wichtigste gleich vorweg: Sie, der alte Hase Marco Haas und Labelneumitbestimmling Sascha Ring aka Der Apparat (Mission: „das Label weiterzuführen, wenn Marco an Lungenkrebs gestorben ist“), meinen es bitterernst. Bierbitterernstaugust. Sie beteuern zwar ihre Unschuld, aber im Gespräch wird doch deutlich, wie wichtig ihnen ihre Musik ist. So wichtig, dass sie sogar mit Raveline darüber reden. Marco haut gleich so richtig auf die Kacke: „Es geht jetzt mehr Richtung Italo-House.“ Sascha fügt hinzu: „Wir wollen eben ein ‚breiteres‘ Publikum erreichen.“ Nein, jetzt mal Spaß beiseite. Das Label, das eigentlich von Marco mit seinem alten Kumpel Roland Fiege in Heidelberg gegründet wurde, zeichnet sich vor allem durch eins aus: sein breites Spektrum – alle elektronischen Spiel-/Abarten sind erlaubt. Das erste Release, man höre und staune, war sogar eine Rockplatte. Dazu Marco: „Ich habe eben keinen Bock auf Schubladendenken.“ Brat Allerdings sind in letzter Zeit ziemlich viele Club-orientierte technoide Minimal-Tracks herausgekommen. Davon gibt es erst mal genug, finden Marco und Sascha: „Das muss jetzt wieder kaputter werden.“ Echte Instrumente, Live-Performances – alles Rock-Elemente, die sowohl Marco als auch Sascha geil finden – eben nix Show, bloß Ausrasten, sagen sie: „Als Live-Act darf man nicht nur hinterm Bildschirm abhängen! Fett abzappeln ist angesagt! Matte schütteln! Hardware in die Menge schmeißen!“ Das naheliegendste, Scheiße in die Menge zu katapultieren, ist allerdings von einer anderen Punkband bereits praktiziert worden. „Der Name, Shitkatapult, stammt aus einem Lied meiner alten Punkband“, sinniert Marco. „Der ging eben richtig derbe nach vorne. Roland war übrigens Gitarrist damals, und den Namen fanden wir beide gut.“ International schlägt der abstruse Name ein wie eine Bombe, und auch der Rechtsanwalt des Labels lässt ihn sich jedes Mal genüsslich auf der Zunge zergehen. Schlurp „Shitkatapult presents: The Cosmick Suckerz Volume Black And White“ heißt die mittlerweile fünfte Compilation – nach der orangenen, blauen, gelben und silbernen Edition – aus dem Hause Shitkatapult. Ab Mai wartet sie in den Regalen aller gutsortierten Plattendealer sehnsüchtig darauf, mit nach Hause genommen, in den Spieler reingepoppt und so richtig durchgenudelt zu werden. Gefeiert wird damit die dreißigste Release. Da Marco Mos Eisley aus Star Wars so geil findet, dass sogar seine Punkrock-Band so heisst, kann man „Cosmick Suckerz“ fast als eine shitkatapultige Hommage sehen, denn die CD liefert den gelungenen Soundtrack für die interstellare Fuck-Up-Bar Cantina. Mit dabei sind unverkennbar verhaspelt die Scheißeschleuderer T.Raumschmiere, Fenin, Sami Kiovikko und Magnum38. Leider nicht dabei sind Phon.o (der deepe Labelneuzugang) und Lee Anderson (der Club-Wrecker). Steinbrüchel, Hughes und Kyborg sind debütierende Gäste, wohingegen Napoli Is Not Nepal, Munit und Zoy Winterstein ganz frisch bei Shitkatapult sind und ab jetzt fest ins Repertoire eingebunden werden sollen. Farz Zuerst ist ein Knurpsel-Polka angesagt: Rechenzentrum vs Column Ones armer Mac rülpst „Art 2 Dance". Zusch. Kyborgs „Harz“ ist ein verknuffelter Schweber-Träger. Getragen-verschlagen dann Munits „Prummer“, der kleine, knusprige Snack für Zwischendurch, von dem man pupsen muss und hofft, dass es keiner merkt. Hui. Dann kommt die triefäugige Barfrau, die die Theke wischt und die Gläser mitnimmt. Des Apparats „Rammbaustein“ liefert dazu ideale Untermalung – zisch-zupf-wutsch-weg. Hughes, in Kooperation mit einem Agenten namens Cooper, haut mit „Untitled Dance Track“ kräftig in die imaginär-binären Tasten. Napoli is not Nepals „Selma“ klingt wie ein space-jazz-funkiger Aphex-Twin-Track, der von einer schrecklich verpeilten Alienband gezockt wird, während sich alle anderen zufällig gestrandeten Weltall-Spacken sich ein paar Nutra-Dröhns hinter die Binde kippen und dazu aus der Hüfte wippen. Während die Platten flippen und ein paar Gäste kippen, geht der Sound mehr in Richtung blupp-plitsch und voilà, Slickers „Revisit Red“ ist reingeflutscht, ohne dass es jemand von den verklickerten Spaceifisten an der Bar gemerkt hätte. Mit dem abstrakt klingenden Titel „Red8.4-.Index.2“ von Steinbrüchel findet das Cozmick-Soundz-Specktackel einen würdigen Abschluss. Schlunz Wie ihr schon seht, geht es bei dem Sound richtig lautmalerisch ab: Bilder drängen sich auf, Sounds verdrängen die Bilder, alles vermengt sich zu einer gehörigen Portion Gnarz. Wer sich darunter nicht viel vorstellen kann, jetzt aber so richtig Bock hat, sich auch mal in eine Raumschleife zu hängen, dem lege man an dieser Stelle den Besuch eines Live-Auftritts nahe. Die Shitkatapultler werden bei ihrer bevorstehenden Tour mit Stopps in Frankfurt, Mannheim, Zürich, Freiburg, Berlin, Köln, Hamburg und Ziesar eine einzigartige Bühnenshow bieten, indem sie sich ihre T-Shirts vom Leibe reißen und stagediven. As fucking Punk as Techno can be. Shitkatapult the system. Schwall: Katrin Richter. Knips: Dan Dinsing. Thänx not dead: Gracias M.Schaffhäuser und Jessica. Link: www.shitkatapult.com |