08.08.2005

RL ARCHIVE FEB 04 +++ M.I.A. – Minimal Darkness








Seit den ersten Schritten mit ihrer kleinen Groovebox hat M.I.A., die seit über zehn Jahren auflegt und seit mehr als fünf Jahren selbst produziert, nicht nur zahlreiche 12-Inches auf Sub-Static releast, sondern auch auf bekannten Labels wie Trapez, Traum Schallplatten, Monika Enterprises, Treibstoff und Dumb-Unit wunderschöne Platten herausgebracht. In ihrer Musik, oft mit einer schwebenden Melodik durchwebt, kombiniert sie ihre ureigene Grundspannungs-Ambiance mit einer minimalen Cologne-esken Schaffeligkeit. Mit ihrem ersten Album, das im März als Doppel-Vinyl auf Sub-Static erscheinen wird, löst M.I.A. sich endgültig von ihrer verträumten Verspieltheit und groovt sich knarzend in Richtung Tanzfläche. Seit 24 Stunden steht nun auch der Name fest, mit dem sie sich laut Falko lange herum gequält hat: "Schwarz Weiß" heißt das Doppelvinyl.

Raveline: Würdest du sagen, dass du in den vergangenen Jahren unheimlich viel übers Produzieren gelernt hast? Spiegelt sich dieses Spektrum auch in deinem Album wider?
M.I.A.: So ist das doch mit der Erfahrung – man geht so weit, wie man kann. Vielleicht weiß man, dass da noch mehr möglich ist, aber das muss man halt abwarten, bis wieder mehr Know-How da ist.

Raveline: Am Anfang waren deine Platten ja sehr viel niedlicher, verträumter und verspielter… war das eine Art produzententechnische Frühphase?
M.I.A.: Da war eben alles noch niedlicher, unsicherer. Je mehr Erfahrungen ich gesammelt habe, desto mehr habe ich mich wohl zu den klaren Sounds bekannt. Ich hatte echt Respekt vor den Schlachtschiffen vom Falko und habe deswegen viel mit Sampler und dem Waldorf Q gearbeitet. Und der Matrix-12 war immer schon dabei. Jetzt mache ich meine Spuren fast nur noch mit alten Synthies, von denen manche älter als ich sind, und das ist wohl auch der Grund, warum es kräftiger klingt. "Die Q", wie ich ihn liebevoll nenne, macht viel feinere, niedlichere Sounds...

Raveline: Dein Album hingegen klingt überraschend dark und kräftig und ist tatsächlich echt clubtauglich. Ist M.I.A. düsterer und härter geworden?
M.I.A.: Ich hatte viel Stress im letzten Jahr, vielleicht habe ich es ein wenig in der Musik ausgelebt. Ich habe zu der Zeit bei Kompakt im Vertrieb gearbeitet und am Wochenende viel aufgelegt, und, wenn ich Zeit hatte, habe ich an meinen Tracks gearbeitet. In manchen Tracks kann man den Druck sicherlich hören. Ich würde aber sagen, dass die Darkness in mir auch schon immer da war – nur minimaler. Der Wunsch, dass ich meine eigenen Sachen auch mehr im Club spielen kann, wurde parallel dazu immer stärker – das war dann eben so meine Stimmung.

Raveline: Hast du mit diesem Album auch ein wenig deine Liebe zu original Techno-Sounds, wie zum Beispiel diese wunderbar zwirpende, blubbernde 303 durchscheinen lassen?
M.I.A.: Die Liebe zum Techno war ja immer schon da und ist in der letzten Zeit auch wieder stärker geworden. Techno ist halt die Basis. Die Acid-Lines kommen aus dem SH-5, dessen Filter tatsächlich ziemlich nah an der 303 klingt – abgesehen vom fehlenden Glide-Parameter.

Raveline: Wer singt im dritten Track? Bist du das?
M.I.A.: Ja, ich versuche mein Sing-Trauma in den Griff zu kriegen – eine lange Geschichte. Ich habe mal im Kirchenchor gesungen, und ich erinnere mich gerade immer öfter daran, dass mir das sehr viel Spaß gemacht hat.

Raveline: Gibt es so etwas wie eine typische M.I.A.-Maschine, eine M.I.A.-Melodik oder einen M.I.A.-Sound?
M.I.A.: In dem Album habe ich viel mit Roland SH-2 und SH-5 gearbeitet. Die darf ich wohl augenblicklich als M.I.A.-Maschinen bezeichnen – in die habe ich mich regelrecht verliebt. Die Melodik ist wohl meist ein wenig melancholisch und sehnsüchtig. Das ist auch der rote Faden in meinen Platten, glaube ich. Besonders auf den Traum-Releases kommt das sehr raus. Soundmäßig addiere ich immer etwas "nicht Greifbares". Es ist da oder man erahnt es nur. Ich kann das nicht erklären. Ich mache es einfach, und das baue ich in ein festes Gerüst aus tiefen Bässen, scharfen Hihats und Snares und komplizierten kleinen Sounds. Meine mentale Verfassung spielt dann auch noch ’ne große Rolle... Ich finde es anstrengend, etwas aus sich rauszuholen, was gerade nicht da ist. Da ist es doch viel vorteilhafter, das auszubauen, was da ist, weil es dann wohl auch echt ist.

Raveline: Ihr scheint unheimlich viel analoges Equipment zu besitzen, man hört das auch wirklich raus! Ist das auch eine Passion von dir, oder ist da der Falko die treibende Kraft?
M.I.A.: Falko ist der Nerd, aber die Faszination, die von solchen Maschinen ausgeht, ist schon längst auf mich übergeschwappt.

Raveline: Glaubst du, dass Frauen und Männer unterschiedlich Ansätze haben, was Musikproduktion betrifft?
M.I.A.: Ja. Ich will nicht sagen, dass alle Männer Equipment- und Technik-süchtig sind, aber ich persönlich finde es langweilig, wenn Musiker das zum Dauerthema machen. Manchmal ist das okay, aber ich rede lieber über meinen Kater, Blumen und soziale Konflikte. Und manchmal hat man als Frau ohnehin einen schweren Stand: Ich bin mit Ada vom Areal-Label gebucht worden, und als sie ihren Liveact beendet hatte, kam ein Typ an und hat sie gefragt, ob sie denn auch wirklich live gespielt hat. Da weiß frau echt nichts mehr zu sagen, oder? So etwas ist leider noch oft ein Thema, aber ich mache da eher meine Scherze drüber.

Raveline: Was sind eure Pläne im nächsten Jahr?
M.I.A.: Repair werden ein mal ganz anderes Album auf Sub-Static machen, und auch Platten von John Spring und Pan/Tone sind wieder in Planung. Auf Karloff wird Frivolous mit einem Album überraschen, das auf zwei Maxis aufgeteilt wird. Mich hat es umgehauen, und ich kann es kaum abwarten...

Raveline: Und was ist eure Mission im Leben?
M.I.A.: Karloff, Sub-Static, keine Sorgen haben und Klarkommen.

Wer die beiden mal in Aktion erleben möchte, dem sei ihre einmal im Monat stattfindende Sub-Static-Residents-Night im Kölner Subway ans Herz gelegt.

Katrin Richter dankt M.I.A. und Falko für den Gedankenaustausch und das Bildmaterial.

Link:
www.sub-static.de


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