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In einem von kommerziellem Quark und extremen Ansichten geprägten Unter- und Übergrund stach Eric Estornel aus der örtlichen Szene schon durch seinen völlig extraterrestrischen Ansatz, Musik zu produzieren, heraus wie ein Außerirdischer. Seit fast einer Dekade hinter den Turntables aktiv, fühlte sich der junge Eric stets wie von einem anderen Stern. Einzig und allein der Radio-DJ Jeff K., der Avantgardistisches und Atypisches über die Airwaves verbreitete, sorgte für inspirierende Momente in Texas. Angefixt von den guten Produktionen aus aller Welt, die er auf die Turntables bombte, versorgte Eric sich mit Cubase und einem Akai AX60 und tastete sich so Stück für Stück in Richtung Produktion vor. Erfolgreich. Eine Platte nach der nächsten erschien, mal unter dem Namen Maetrik, oft auch unter Estornel, Mariel lto und Jell Cell, auf Labels wie seinen “Homebases” Treibstoff und Iron Box sowie Morris Audio, Immigrant, Onitor, Substatic, Pulsewith, Modern Love und SCSI AV. Mittlerweile spielt Eric auch live. “Von langsam und minimal geht es über treibendere 4floor-Beats über Broken Elektro und entwickelt sich nun langsam zur freien Improvisation. Es ist doch viel entertainender, jemanden an seinen Geräten jammen zu sehen.” Eric ist nicht allein: Gleichgesinnte wie der ebenfalls für das amerikanische Label IronBox produzierende Bernhard Pucher aka Brian Aneurysm/Confutatis sowie Christian Val Hala aka FormShifter und Lacy Lawson aka ILL76, machten mit Eric gemeinsame Sache.
“I Think My Main Side Is My Alien Side”
Deprimierend, dass es in Amerika trotz der gigantischen Ausmaße des Landes keine reale Szene vorzuweisen hat, die einen musikalischen Sonderling wie Eric nährt und supported: “Man kann von keiner Szene sprechen, wenn dreißig Musiklover zu deinen Gigs kommen.” Abgesehen davon haben Aliens in Dallas haben mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen - angefangen mit der täglichen Brotbeschaffung als Computerverkäufer und Kurierbote und qualvoll auf den Punkt gebracht mit dem Wissen von der Ausweglosigkeit solcher Doppeljob-Besetzungen -, die zu einem sorgenvollen Alltag führen können und auch die Kreativität killen, weil die Angst sich langsam in alle Winkel des Hirnes schleicht und lähmt, verrückte Ausbrüche und leichtfertige Neigungen im Keim ersticken. Vielleicht daher diese Traurigkeit, die Erics romantischen Ausbrüchen eine tragische Komponente verleiht. Sein Wunsch nach innerem Frieden. Oder ist es übertrieben, dass man versucht ist, in die leise klagenden Computergesang, aus maschinell knaspelnden Klanggefügen herausgehaucht, Emotionen heineinzuinterpretieren? Nein. Ganz bestimmt nicht. Der “Human Touch”, transportiert durch darke Vocals und computerisierte Stimmen, die zugleich auch die persönlichsten Enthüllungen in den gesamten Arrangements darstellen, ist für Eric sehr wichtig: “Ich bin ein sehr technischer Produzent, aber ich finde, dass das Menschliche genauso relevant ist wie die menschlichen Elemente. Ein ziemlich großer Teil in mir ist außerirdisch, und ich mag es, wenn Dinge futuristische Tiefe haben, doch gleichzeitig sehr distanziert wirken.”
I See Visions/ Shadows Making Me Think Of Superstitions
Übrigens ist “Casi Profundo” genau das Richtige, um nicht nur Aliens im Weltall zu entertainen: “We'd have a badass party up there. Die Zukunft ist jetzt.” Der treibende Gedanke hinter “Casi Profundo”: “Alle finden, dass meine Musik pumpend und ‚fast deep‘ ist. Genauso klingt meine LP. Pumpend, aber auch zum Denken animierend.” Minimale und zugleich sehr emotionale Tracks, die auf der Tanzfläche genauso ansprechen wie Zuhause. Manche Tracks wurden bereits in der Vergangenheit produziert und wie die beiden absoluten Spacegliders “Defiance” und “Cologne & Back” in einer Vorabsingle präsentiert, manche gibt es nur fürs Album. “Es ist interessant, Musik aus verschiedenen Perioden zu kompilieren, denn auf diese Weise lässt sich ein Querschnitt der Emotionen erstellen.” Denn Gefühle sind auch bei “Casi Profundo” der treibende Faktor: “Normalerweise ist es Romantik, und tiefe Traurigkeit, die mich inspiriert. Wenn es mich überkommt, bin ich auch häufig am experimentellsten und innovativsten. Besonders extreme Formen der digitalen experimentellen Musik haben einen großen Anreiz auf mich, und Leute wie mein Freund Minto von Down Low und ihre Sichtweise haben mir ein Bild davon vermittelt, wie tiefgründig das Thema Techno für viele von uns ist. Genau dafür schlägt mein Herz: Deep Grooves. Ob ich die nun mit Electrosounds kombiniere oder nicht, der Deepness werde ich immer treu bleiben.”
Text: Katrin Richter. Bilder: Treibstoff. Thanx: Marcel.

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