30.04.2005 RL ARCHIVE MAR 04 +++ Detroit Grand Pubahs - So who are you today? |
“Und: wer von euch steht auf den Geruch von schwitzigen Pospalten? Du? Ja? Riechst du auch so gerne an getragenen Höschen? Achselhöhlen? Ihr alle? Okay, dieser Song ist für euch!” Mit Karacho reißt der Mann namens Paris the Black Fu seine Vollbartperücke vom Kopf und schmeißt eine Ladung Jack Daniels in die Runde, ehe er sich erneut am Mikrofon vergreift und seine effektbeladene Burgergirl-Stimme gequetscht und verzerrt durch den Club quabbelt. Und dann passiert es: Langsam gleitet Paris’ Jeans seine Beine herab, und der Musiker steht in einem geringelten Eierbecher vor der tobenden Meute. Die Stimmung? Nicht von diesem Planeten! Der Grund: “Galactic Ass Creatures From Uranus”, der zweite Langplayer der Detroit Grand Pubahs, soeben erschienen auf Pokerflat! Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Schuld daran ist das Engagement von Steve Bug, der die wilde Kombo aus Detroit, die allerdings nur noch aus Paris The Black Fu aka Doctor Bootygrabber aka Nurse Hurse besteht, vertraglich verpflichten konnte. Doch was ist aus Andy Toth aka Toefinger geworden, der besseren Hälfte des Ehepaares Grand Pubahs? Nun, Gerüchten zufolge befindet er sich wegen seiner Gürkchen-Phobie gerade in ärztlicher Behandlung, während Paris allein die Pubah-Standarte hochhält: “Ich schaffe es auch ohne ihn”, sagt er stolz. Kürzlich nach Genf umgesiedelt, weil „ihm die Politik und die Stimmung in den US einfach nur noch auf den Sack geht“, tingelt er jetzt in Begleitung von Crazy Crazy Oliver aus Brüssel durch die Clubs von Europa. Oliver, der mit Freakbrother-Toupee und -Bart die Bühne entert, scheint dabei unbewusst die Rolle von Andy Toefinger einzunehmen, vielleicht auch, um Paris über den Verlust seines alten Partners hinwegzutrösten, mit dem er so manches Mal bei einer Flasche Jack Daniels über sexy Gesäßteile philosophierte. Doch nun steht er da, allein, und intoniert zum zweiten Mal “Sandwiches”, der Megahit ihres ersten Albums “Funk Y’All”, 2001 erschienen auf Intuit Solar, der deutsche Bootybass-Jungfrauen und -Männer in nie gekannte Feiergalaxien funkte. Mit seinen harschen Ghettotech-Beats und schrägen Vocals setzt “Galactic Ass Creatures From Uranus” (sprich: “your anus”) alles daran, mit Dancefloor-Burnern wie “Big Onion” oder “The Clapper” in die gleiche Kerbe zu schlagen, strotzen die Nummern doch vor Referenzen zu Tracks wie “One Hump Or Two” oder “Funk Y’All”. Doch offeriert das Album deutlich mehr als abgeklatschte Neuinterpretationen der alten Themen Booty, Titties und Arse. Diesmal geht es deutlich deeper unter die Pantyline: Mal geht es um die Unwiderstehlichkeit von Männerkörpern aus der Perspektive einer Frau, mal um echte Titties ohne Silikon – und manchmal einfach nur ums gute, alte Arschshaken in bester Ghettotech-Tradition. Nicht zuletzt verleiht Paris’ horny Stöhnen dem Album stets eine unwiderstehlich ungezügelte Anarcho-Komponente. Die wirklich subversiven Ansätze der geschlechtübergreifenden Universal-Sexualität von Beats und Booties war laut Paris allerdings nicht vorgesehen: „Alles, was ich tue, ist auf jeden Fall extrem verwirrend. Allerdings mache ich mir über mein Konzept überhaupt keine Gedanken. Ich mache einfach, worauf ich Lust habe. Zum Beispiel den wunderbaren Körpergeruch einer Frau preisen. Auch, weil ich das Gefühl habe, dass meine Show die Welt verbessern kann. Sind wir nicht alle ein wenig pervers? Ich glaube, dass es wichtig ist, sich selbst und anderen gegenüber ehrlich zu sein und nur Dinge zu tun, an die man wirklich glaubt. Wenn die Leute sehen, dass ich auf der Bühne meinen Spaß habe, werden sie auch ihren Spaß haben... Alles beruht auf dem gegenseitigen Geben und Nehmen.” Also. Da habt ihr’s. Worauf wartet ihr noch? Kauft dem Fu und Crazy Olli einen Jack D, lasst die Hosen fallen und wiggelt eure Würstchen (falls ihr welche habt)! Words> Kat Richter. Pix> Courtesy of Phrank Link: www.phrank.net/ |